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Die Do it Well and Leave Something Witchy Issue

Reviews

Musik die wir lieben, Musik, die wir hassen. Und das schlimmste Cover des Monats.
16.12.14

BESTES ALBUM DES MONATS

MEATBODIES: Meatbodies (In the Red)

Wenn die Meatbodies eine Frau wären, wäre sie ein heißes Grunge-Chick, dessen Atem nach Kombucha riecht und dessen bunt gefärbte Strähnen unter einem Propagandhi-Hoodie hervorblitzen. Ich würde mein lächerliches Jahresgehalt bei VICE dafür geben, mir 2C-B reinzuziehen und mit diesem Mädchen zärtlich Liebe zu machen in ihrem solarbetriebenen Zuhause aus Strohballen. Genau genommen ähnelt diese Fantasie ziemlich meinem ersten Handjob, den ich in der achten Klasse bekam-sie war ebenfalls heiß und hatte Regenbogenhaare. Diese Band hat bestimmt Ahnung von Handjobs. Was ich zu sagen versuche, ist, ich liebe diese Platte.
DER FURCHTLOSE ABENTEURER

SCHLIMMSTES ALBUM DES MONATS

CHARLI XCX: Sucker (Atlantic/Neon Gold)

„Break the Rules", die erste Single aus Charli XCX's neuem Album, Sucker, erschien am 18. August 2014 auf BuzzFeed.com.
HANSON FUNHAVER

FLYING LOTUS
You're Dead!
Warp (rough trade)

Jeder weiß, dass das uncoolste aller Genres Instrumental HipHop ist. Und weil FlyLo das auch weiß, besteht dieses Album zur Hälfte aus instrumentellen Jass-Freakouts, die jeden beeindrucken könnten, der noch nie Sun Ra gehört hat. Glückwunsch, Flying Lotus, du hast das neue Lieblingsalbum für kiffende Ami-Studenten gebastelt. Nicht mal ein überteuerter Kendrick-Vers kann das noch rausreißen.
HENRY BALL-INS

YUNG LEAN
Unknown Memory
Sky-Team

Ja, wir haben gerade Flying Lotus runtergemacht, aber sind gleichzeitig damit beschäftigt, Yung Leans enthaartes, schwedisches Arschloch mit der Zunge zu polieren. Das hat zwei Gründe. Erstens: Yung Lean hat das verdrogteste Album des Jahres gemacht. Zweitens: Wir wollten allen richtigen HipHop-Heads mal so richtig ans Bein pissen.
DREW MILLARD

ANTILOPEN GANG
Aversion
Jkp
Warner

Das Trauma vieler riesiger Kinderaugen war das zutiefst verstörende Bild des zu Tode getrampelten Mufasa aus König der Löwen. Er lag reglos wie ein Stück Treibholz in der tiefen Schlucht, durch die kurz zuvor eine Flutwelle wilder Gnus geschwappt war. Hyänen hatten sie in panische Angst versetzt und aus den sonst so friedlichen, verschüchterten Tieren eine unberechenbare Naturgewalt entstehen lassen. So musst du dir diese Platte vorstellen. Wenn die uniforme Gesellschaft eine Gruppe von isolierten Individuen zusammenrotten lässt, jene ihre Angst und Wut in einer kreativen Anti-Haltung bündelt und dank unwiderstehlich eingängiger Pop-Hooks und cleverer Texte willige Hörer mitzureißen versteht, ist das zerstörerische Potenzial unabsehbar. Auf das ihre Feinde reglos im Dreck liegend zurückbleiben.
ELTON DON

DORIAN CONCEPT
Joined Ends
Ninja Tune (rough trade)

Als wir uns vor 30 Jahren die Nächte um die Ohren schlugen, um Programmcodes zeilenweise und tippfehlerfluchend aus Zeitschriften in unsere Homecomputer abzutippen, welche dann noch mindestens eine weitere Nacht lang damit beschäftigt waren-unter anderem-sogenannte Mandelbrotmengen zu visualisieren, Pixel für Pixel, sodass wir am nächsten Morgen eine einerseits hübsche und andererseits irgendwie mysteriös mathematisch berechnete Grafik auf dem Bildschirm betrachten und bei allen beiden Elternteilen herumzeigen konnten, bevor wir den C64 dann irgendwann wieder abschalten mussten und alles weg war: Da konnten wir noch nicht ahnen, damals, dass es im Jahr 2014 mit Musik manchmal so ähnlich sein würde. Total hübsch und bestimmt auch irgendwie mit einer ganz konkreten Absicht entstanden, aber nach erstem Bestaunen spätestens zwei Tage später wieder vergessen: nicht nur Apfelmännchen, auch Joined Ends.
PHONE TISCH

CARIBOU
Our Love
City Slang (Universal Music)

In der Kunst sagt man, dass Künstler, erst wenn sie emotional zerfetzt am Boden liegen, in Hochform geraten und ihre Genie-Ergüsse kanalisieren können. Nicht ohne Grund ist die Liebe das beliebteste Thema in der Lyrik und der Musik. Caribous neuestes Album handelt auch von Liebe, aber nicht von der deprimierenden und zerrissenen Art, sondern von der schönen. Da man zwar in der allgemeinen Auffassung, jedoch nicht in der Kunst, glückliche Menschen am liebsten mag, ist Our Love ein für glückliche Menschen zugängliches Pop-Album, aber eben nicht der Geniestreich, dem Dan Snaith mit Swim oder Andorra so nahekam. Ich will hier nicht rumstänkern. Aber hätte ihm mal jemand das Herz gebrochen, würden hier oben bestimmt drei Punkte mehr stehen.
DR. AUBREY GRAHAM

PEAKING LIGHTS
Cosmic Logic
Domino Records (Goodtogo)

Man muss sich das Genre Dub Kraut als eines vorstellen, in dem viel analoge Synthietechnik verwendet (aber dafür an Haarpflegeprodukten gespart) wird. Wenn das mit solch einer gewollten Zugänglichkeit (neudeutsch: Pop-Appeal) vermischt wird wie auf Cosmic Logic, klingt das Ergebnis wie ein trauriger Demotape-Abklatsch der Sorte „My First over-ironisierter Heimorgelversuch". Aber immerhin schön bunt.
SON ERROR

APHEX TWIN
Syro
Warp

01010100 01101000 01101001 01110011 00100000 01110011 01101111 01110101 01101110 01100100 01110011 00100000 01101100 01101001 01101011 01100101 00100000 01100001 00100000 01100110 01110101 01100011 01101011 01101001 01101110 01100111 00100000 01100010 01101001 01110100 01100011 01101111 01101001 01101110
BIBI

KELE OKEREKE
Trick
Lilac Records

Ich geben dem Ganzen hier eine gute Bewertung, weil ich Bloc Party gehört habe, als ich jung war. Ich kritisiere nicht mehr die Dinge, die ich mochte, als ich jünger, schöner, schlauer, dünner und ärmer war. Weil ich zu fett und langweilig bin, um cool zu sein, trauere ich lieber meiner vor langer Zeit verlorenen Relevanz nach. Danke für alles, Kele.
DAVE SCHILLING

ZOLA JESUS
Taiga
Mute Artists Ltd (Goodtogo)

Ende der 80er warnte „This is your brain on drugs" mit weit hergeholten Bild-Analogien auf Plakaten immerhin anschaulich vor illegalen Substanzen. Die Druffi-Zielgruppe (also: Künstler) bemerkte aber ziemlich fix, dass die dargestellten „On drugs"-Varianten die interessanteren, inspirativeren, eigenartigeren waren. 25 Jahre später ist Taiga das Gegenteil dieser Darstellungen: gesund und brav und öde und kantenlos. This is your music with out drugs.
TORA DORA

DEPTFORD GOTH
Songs
Pias Coop/37 Adevntures (rough trade)

Das Album mit einem der ungooglebarsten Titel aller Zeiten tut nicht weh, sondern krault dir eher permanent den Rücken-das aber immerhin angenehm unkitschig, obwohl es in den Läden unter R'n'B einsortiert werden wird. Trotz Blockflöte(nsample). Musik für verschlafene Sonntagvormittage der Sorte ohne Alkohol- oder Drogen-Kater-wenn du eher ziellos bei reddit rumhängst oder zwei Stunden brauchst, um dich zu entscheiden aufzustehen. Musik für draußen Herbst und drinnen ungefährlich, wenn How To Dress Well zu gewollt wirkt und Antony Hegarty zu dramatisch. Friedlicher Pop, gewissermaßen.
SYNT ACHS

A WINGED VICTORY FOR THE SULLEN
Atomos
Erased Tapes

Sehr gehrter Darren Aronofsky. Wir kennen uns noch nicht, mein Name ist Creo Xibalba, ich komme aus der Zukunft. Ich wurde von Ihnen ins Jahr 2014 zurückgeschickt, um Ihnen Atomos ans Herz zu legen, ein Album, das ungefähr so klingt wie der von Ihnen verwendete Soundtrack zu The Fountain (der übrigens ab circa 2018 endlich zu späten Kultfilm-Ehren weltweit kommen wird, aber das darf ich eigentlich noch nicht verraten), nur noch viel angemessener für Ihren nächs­ten Film, von dem Sie jetzt auch noch nichts ahnen. Aber es wird ein sehr melancholischer, großer, eigenartiger Zeitreisenfilm werden. Der erste nach Primer, der in dieses typische Zeitreisen-Story-Kopfschmerz-Chaos ein bisschen Sinn und vor allem auch mal Seele hineinbringen wird-und für jene Stellen, mit der Seele und Herz, werden Sie die Musik dieser Künstler mit dem langen Namen verwenden. Sie werden schon sehen. Ach so, und: Ich soll „Kartoffelsalat Bolognese" ausrichten, damit Sie mir glauben. Sie wüssten dann schon, was damit gemeint ist.
CREO XIBALBA

2:54
The Other I
Pias Coop/Bella Union (rough trade)

Bei aller gewollten Nebligkeit-also wenn man schon mystisch und lässig und verschroben und spirituell klingen möchte, wenn man dann einen auf School of Seven Bells mit mehr Egalheit macht, dabei klingt wie The Cure meets Zola Jesus, also eigentlich wie 90er Gothpoprock ohne Arsch in der Hose-bei all diesem möchtegernmystischen Tralala besteht ja immer die Gefahr, dass das, was mühelos und nebenbei wirken soll, am Ende nullbockig und lapidar rüberkommt. Oder anders: The Other I wirkt, als wärs der Band ganz schön egal gewesen. Aber Gleichgültigkeit ist ja irgendwie auch 'ne Art von Nebel.
SAM ANTICS

PIG DESTROYER
Mass & Volume
Relapse

Ich habe Albträume. Einmal hatte ich einen Albtraum, in dem ich einen Albtraum hatte, in dem ich mir in die Hosen machte, weil ich einen Albtraum hatte. Pig Destroyer lassen mich genau diese Mischung aus Aufregung und Verdammnis spüren, ohne dabei kacken zu müssen.
SPEED WEED

XERXES
Collision Blonde
No Sleep Records

Xerxes war dieser unangenehm ölige persische Gottkönig aus 300. Er mag den Körper eines Dwayne „the Rock" Johnson und das Gesicht einer Nicki Minaj haben, aber seine Soldaten haben trotzdem die Schlacht gegen die Spartiaten verloren, weil er zu beschäftigt damit war, seine Brust mit einer Elfenbeinklinge zu rasieren, statt seine Armee anzuführen. Xerxes war außerdem der Name einer 80er Hairmetal-Band aus North Carolina. Und dieser Band hier.
HADJI BEATS

ICEAGE
Plowing into the Field of Love
Matador/Beggars Group (Indigo)

Packt eure Mistgabeln, Shotguns, Messer, Sporks, Käsereiben, Bomben und das Anthrax wieder weg-wir werden nichts Schlechtes über das neue Iceage-Album schreiben. Es ist der Soundtrack zu diesem Cartoon mit dem lustigen Mammut, richtig? Wenn ja, ROCK ON! Ich liebe es, zu lachen. Und mein Sohn genauso. Ice Age anzuschauen ist das einzige, mit dem ich ihn dazu bekomme, mal sein verdammtes Maul zu halten!
DICK TRICKLE

GODFLESH
A World Lit Only By Fire
Avalanche Recordings

Justin Broadrick hatte ja immer schon so viele Eisen gleichzeitig im Feuer, dass man ihm so etwas Unschickliches wie Weiterentwicklung nie ernsthaft unterstellen konnte. Prototekknoides Gestampfe, apokalyptisches Bassgrollen und Kreissägen-Gitarrenwände markierten den Anfang und das Ende von Godflesh und nun auch ihre Wiederauferstehung, nicht als lebende Leichen, sondern als von jahrelang angestauter Aggression unmenschlich aufgepumpter Anachronismus, der dich spielend die Wand hochdrückt. Hiernach fällst du nicht wieder zurück auf deine Füße-nein, du kniest.
PAMELLA SAWBONE

OOZING WOUND
Earth Suck
Thrill Jockey

Manche Bands scheißen auf alles. Andere Bands wiederum geben sich richtig Mühe zu zeigen, dass sie auf alles scheißen und am Ende sieht es dann so aus, als würden sie auf gar nichts scheißen können. Dann gibt es Bands wie Oozing Wound, die sich so sehr bemühen so rüberzukommen, als würden sie auf alles scheißen, dass ihre Musik ins Rektum von Scheiße gesaugt wird und aus dem Maul von Großartig wieder ausgekotzt wird, was zu lebensverändernder Musik führt, bei der du unheimlich Lust hast, ein Bier zu trinken, während du ein Menschenopfer bringst.
BARF BIKERNES

SLIPKNOT
.5: The Gray Chapter
Roadrunner

Kennst du den Geruch von diesen gottverdammten Halloween-Masken aus Latex? Ich hatte mal eine Hellraiser-Maske und egal wie sehr ich damit Leute erschrecken wollte, während ich Süßigkeiten sammelte, ich hätte mich lieber von einem der sprechenden Bäume aus Herr der Ringe durchnehmen lassen, als die ganze Nacht in dem Ding zu atmen. Das Gleiche fühle ich, wenn ich Slipknot höre.
FAIRY GROSS

WAMPIRE
Bazaar
Polyvinyl Records

Als ich in Oregon auf der Highschool war, lebte ich in der Nähe einer Art Kommune namens Stonehenge. Ein Typ, der Samuel hieß, leitete sie. Er trug Overalls, hatte Pippi-Langstrumpf-Zöpfe und hielt sich ein Huhn, das er Henrietta nannte. Eines Nachts ging ich zu ihm, um Wampire im Keller spielen zu hören. Ich glaube, sie hatten keine richtigen Songs, sondern hetzten die Crowd nur auf, „Fuck the Police! Fuck them!" zu skandieren. Später am gleichen Abend tauchten die Cops auf und fragten Samuel, ob er die Party beenden könne. Auf dem Weg nach Hause knickte mein Freund um und verstauchte sich den Knöchel, woraufhin ihn die Polizei ins Krankenhaus fuhr. Scheiß-Faschistenarschlöcher!
UNITINU OBABO

BAXTER DURY
It's a Pleasure
Pias/le Label (rough trade)

Ich habe neulich (mal wieder) bei meinem Internetanbieter angerufen. Das ist eines meiner Lieblingshobbys. Meine Verbindung funktioniert eigentlich einwandfrei, aber ich bin schon länger Single und außerdem kommen mir in der Warteschleife immer tolle Gedanken. Diese Woche habe ich beispielsweise das neue Album von Baxter Durys verstanden. Ihm liegt eine ähnliche Psychologie wie der Musik in der Telefonwarteschleife zugrunde. Am Anfang ist es angenehm, die Texte fand ich gut, zumindest lustig. Die Minuten verstrichen langsam, das Band wiederholte sich zwei Mal, drei Mal und ehe ich mich versah, konnte ich den ganzen Text mitsingen. Und auf bizarre Art und Weise hat es mir auch noch Spaß gemacht. Ohne dass es mir bewusst war, tat ich das auch. Gott sei Dank riss mich der nächste freie Mitarbeiter aus dieser Dury-Lethargie. Die Chemie stimmte gleich, denn seine Arbeit hat ihm die gleiche abgeklärte Intonation wie Baxter Dury zukommen lassen und das fand ich sexy. Auch er kann den Frauenchor nicht leiden und weiß die Falco-Momente zu schätzen. Ob er mit mir den Tatort kucken wolle? Nein, aber wenigstens habe ich seine Nummer. Wer weiß, wie unsere Geschichte weitergeht…
HELEN FIELDING

THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE & I AM NO LONGER AFRAID TO DIE
Between Bodies
Broken World

Wenn du dich schon mal gefragt hast, wie es sich anhören muss, wenn Erstsemester in einem Schreibworkshop ihre Gedichte über Reisen ins All, Heilige Geometrie und die Flüchtigkeit der Atome in unseren Körpern rezitieren, während sieben Leute gleichzeitig Gitarre spielen, ist diese Platte ein guter Anfang.
WILSON DE GOUVEIA

EX COPS
Daggers
Downtown

Die Ex Cops wissen, dass sie lächerlich sind, also machen sie erst gar keine halbherzigen Anstalten zu versuchen, aufzuhören wie verdammt große Arschlöcher auszusehen. Das Duo lässt es richtig krachen mit Lasertag- und Plasmaball-Sounds, während es ganz unironisch Zeilen zum Besten gibt wie „You bleed on me / This dress is so expensive". Diese Mantras sind einer sich erholenden American Girl Doll würdig, die sich gerade am Beginn ihrer DJ-Phase befindet. Wie auch immer. Lasst uns Tanzen!
PERSONAL GROWTH BARBIE

WEEZER
Everything Will Be Alright in the End
Republic

Weiße Menschen zuppelten vor Erwartung über die Rückkehr von Mitte-90er-Weezer überall nervös an ihren Flannelhemden herum: einprägsame Melodien, starke Akkorde und Nerdcharme. Es gibt keine Lost-Darsteller auf dem Cover und die Songs sollten besser sein als „Pork and Beans". Aber leider ist das Album scheiße. Irgendwo auf der Welt geben sich Ric Ocasek und Rivers Cuomo ein High-Five, während sie sich einen Live-Feed von mir beim Weinen reinziehen.
CHARLES K. BLISS

VASHTI BUNYAN
Heartleap
Fatcat Records (Alive) DiCristina

Ich strecke meine Finger im weichen Gras aus, das voller Morgentau ist. In der Peripherie sehe ich einen Schmetterling mit Flügeln aus verbranntem Bernstein. Mein Insektenbruder klettert auf mein Knie. „Hallo Freund", murmele ich leise. Eine sanfte Brise weht durch die Allee und ich bin froh, mich in meinen immergrünen und weichen Schal kuscheln zu können. Ich nehme einen Biss von meinem Preiselbeer-Crostini und spüle ihn mit einem großen Schluck Vita Coco runter. Vashti ist Liebe. Vashti ist Leben.
DON JUAN MATUS

PHILIP SELWAY
Weatherhouse
Bella Union

Der „Formerly known as the drummer of Radiohead"-Mann klingt auch auf seiner zweiten Soloplatte exakt wie jemand, der Formerly-known-as-the-drummer-of-Radiohead ist. Und auch wenn nicht gleich alles, was überraschungslos 38 Minuten an­dauert, ein Konzeptalbum ist, könnte Weatherhouse als eines durchgehen: unspektakulär interessant auf eine harmlose Ü30-Art, gewissermaßen also „adult contemporary". Aber wenigstens nicht Dire Straits.
FRIED FINGERTIP

KIASMOS
Kiasmos
Erased Tapes

In einer besseren oder wenigstens anderen Welt hätte es in den 90ern eben nicht fast nur Warehouse-Raves in gesichtslosen britischen Industriehallen gegeben, mit Pillen und Knicklichtern und Prolltrance, sondern auch das Pendant in Morgendämmerungen auf nebligen Waldlichtungen, bei dem alle Teilnehmer-ohne ihre Smartphones dabei zu haben-in maximaldichtem Nebel und einem permanenten Dämmerschlafzustand nett zueinander sind, Tee trinken und dabei bis zur Unkenntlichkeit verlangsamte Trentemöller-Platten hören. Oder eben Kiasmos. Aber es ist nicht zu spät. Gemeinsam können wir die Welt ver… ach, egal.
ALAFUR ORNALDS

BESTES COVER DES MONATS

RUN THE JEWELS: Run the Jewels 2 (Mass Appeal)

Politisch gesehen ist das hier perfekt und die Produktion ist der Wahnsinn. Nur eine Sache: Schaltet mal 'nen Gang runter mit den politischen Botschaften. Ich weiß, ihr zerbrecht euch den Kopf über jede Zeile Sozialkritik und ich stehe total dahinter, aber ich muss mir wirklich nicht jede einzelne Silbe davon geben. Rap sollte cool sein und Coolness verhält sich umgekehrt proportional dazu, wie genau die Leute dich verstehen. Deswegen lieben die Menschen Bob Dylan und haben Donovan vergessen. Wenn ihr mich braucht, ich bin hier drüben und hör mir wieder Young Thug an.
FRANK LLOYD TIGHT

SCHLIMMSTES COVER DES MONATS

KINDNESS: Otherness (Pias Coop / Female Energy (rough trade))

Diese Platte bringt mich dazu, meinen Körper auf so sündige, unanständige Art und Weise zu winden, dass man mich aus den meisten öffentlichen Plätzen verbannen müsste. Ich kann keine schweren Maschinen bedienen, während ich Kindness höre. Ich schlage vor, du hältst dich mindestens 50 Meter von mir entfernt, wenn ich jamme, weil meine Beckenstöße dir die Augen ausstoßen könnten. Wenn das US-Militär funky Grooves und grässliche erotische Dancemoves waffentauglich machen könnte, könnte ich den IS im Alleingang plattmachen!
ROBERT MCNAMARA