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Wir haben Menschen nach Sexgeschichten mit ihren Mitbewohnern gefragt

Was passiert eigentlich, wenn man nicht nur die Nebenkostenabrechnung, sondern auch das Bett miteinander teilt?

von Conor Bezane
26 Juli 2016, 4:00am

Titel-Illustration: Jamie Loftus

Ich will nicht behaupten, dass es jemals einfach gewesen ist, mit anderen Menschen zusammenzuleben—komplizierter war es allerdings auch noch nie.

Jetzt, da unser Reichtum in Scherben liegt, sich unsere Lebensqualität im Vergleich zu vorangegangenen Generationen deutlich verschlechtert hat und uns eine Studienkredit-Krise ungeheuren Ausmaßes droht, sehen wir Millenials uns mit doch recht ungewöhnlichen Wohnsituation konfrontiert. Viele Menschen zwischen 18 und 34 ziehen wieder bei ihren Eltern ein (oder gar nicht erst aus), leben in sogenannten "Pods", mieten Holzverschläge in anderen Wohnungen oder müssen sich ganz einfach Mitbewohner suchen. Und genau diese Mitbewohner können ziemlich schnell zum Objekt der eigenen Begierde werden.

Aber junge Menschen haben die Definition einer engen Beziehung ja sowieso komplett über den Haufen geworfen. Wir haben euch ja bereits schon gesagt, was passiert, wenn es im Studentenwohnheim knistert. Aber wie verändert sich dieses Szenario, wenn man die Blase des Studentenlebens verlässt? Bei der Generation Tinder verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Liebhaber sowieso zunehmend und das Konzept des "Mitbewohners mit Vorzügen" ist auf dem Vormarsch. Die nun folgenden Geschichten zeigen die Vor- und Nachteile der unangenehmen, zuckersüßen, manchmal lebensverändernden und oftmals ziemlich unschönen Realität auf, die über einen hereinbricht, wenn man sich auch noch körperlich auf die Leute einlässt, mit denen man sich schon die Stromrechnung teilt.

Kathleen, 42

In den 90ern haben mein Mitbewohner AJ und ich ständig miteinander gekifft. Und wenn wir dann richtig bekifft waren, haben wir rumgemacht. So fing das an.

Unser Verhältnis war sehr innig. Wir hatten sogar jeweils die Passwörter zum Bankkonto des anderen. Und dann ist er mir in den Rücken gefallen. Er fing an, was mit einer gemeinsamen Freundin von uns zu haben, die sich als totaler Psycho herausstellte und unsere Freundschaft zerstörte. Sie las meine Post und zerstach mir die Autoreifen—mehr als einmal.

AJ war am Anfang dieser wirklich tolle Typ, bis einer seiner Freunde zu ihm sagte: "Du bist immer der Nette. So bekommst du das Mädchen nie." Von diesem Punkt an begann er mich auszunutzen. Es tat weh. Ich würde definitiv nicht empfehlen, etwas mit deinem Mitbewohner anzufangen. Es wird einfach unschön. In meinem Fall hat es alles ruiniert, was wir miteinander hatten. Jetzt bin ich glücklich Single.


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Heath, 25

Ich war 19 und hatte Kentucky noch nie verlassen, bis ich dann nach Portland zog. Ich wollte neue Leute kennenlernen und natürlich auch etwas Spaß haben, also benutzte ich [die schwule Dating-App] Scruff, um Freunde zu finden.

Ich lernte Chris kennen. Chris ist heute 51 und ich bin 25. Bei unserem ersten Treffen war ich noch sehr unerfahren, also haben wir nur rumgemacht und es langsam angehen lassen. Damals war er mit einem Typen namens Lance zusammen, und wir hatten einen Dreier. Dann meinten sie zu mir: "Unser Zuhause ist auch dein Zuhause."

Irgendwann verließ ihn Lance und ich zog bei Chris ein. Ich wohne inzwischen seit fünf Jahren bei ihm, in meinem eigenen Zimmer. Wir haben keinen Sex mehr—das hat vor drei Jahren aufgehört. Aber wir haben beide viele Gemeinsamkeiten. Wir gucken beide unheimlich gern Rugby und ich spiele selbst auch. Außerdem mögen wir Hockey und haben das gleiche Lieblingsteam: die San Jose Sharks.

Ich bin transgender und hatte meine Transition im vorletzten High-School-Jahr. Meine Mitschüler haben mich damals grausam gemobbt. Sie haben mir die Haare angezündet und mich direkt vor den Augen der Lehrer geschlagen, die nichts unternommen haben. Ich bekam Morddrohungen ohne Ende. Ich brauchte einen sicheren Ort und Chris bot mir einen. Chris hat vor knapp drei Monaten geheiratet und jetzt suchen wir zusammen ein Haus mit einem Keller, in dem ich wohnen kann. Er will, dass ich weiterhin ein Teil seines Lebens bleibe. Meine Mutter war alleinerziehend und er ist für mich wie der Vater, den ich nie hatte.

Heute habe ich einen tollen Job und mache einen Bachelor in Datenanalyse. Ich date auch wieder, aber mein Geschmack hat sich geändert. Jetzt suche ich eher nach Menschen in meinem Alter. Ich schätze, jetzt da ich erwachsen bin, geht es mir weniger um Sex und mehr darum, einen Partner fürs Leben zu finden. Ich suche jemanden, mit dem ich alt werden kann.

Lauren, 27

Alles, was ich während meines Studiums in Oxford gemacht habe, war lesen, schreiben und ficken.

Meine Mitbewohner verbrachten ihre Tage damit, ein Bier nach dem anderen zu trinken und Fish and Chips vom Laden nebenan zu essen. Wir waren zu sechst. Ich, noch ein Mädchen, und vier Typen in einer dreigeschossigen Wohnung. Es waren finstere Zeiten.

Mein Mitbewohner Tommy hatte bereits mit einem anderen Mädchen in dem Haus geschlafen, aber dann hatten er und ich auch plötzlich regelmäßig miteinander Sex. Wir schossen uns total ab und hatten dann den besten Sex überhaupt. Irgendwann bin ich mit ihm zu einem Polo-Spiel außerhalb von London gefahren. Wir hatten uns dafür richtig aufgebrezelt und es war megawitzig. Dann haben wir uns aber wieder die Kante gegeben und im Rausch habe ich ein paar wirklich gemeine und furchtbare Dinge zu ihm gesagt. Ich nannte ihn einen verdammten Psycho und machte mich über seine Tattoos lustig. Ich war ein richtiges Arschloch. Letzten Endes wurde ich sogar aus dem Publikum entfernt.

Es in einem Haus mit so vielen Mitbewohnern zu treiben, hat ziemlich viel Spaß gemacht. Es fühlte sich auch wirklich verdorben an, weil wir immer heimlich zueinander rüber geschlichen sind. Seitdem habe ich ihn erst einmal wieder gesehen. Er kam vorbei, um bei mir zu übernachten, und wir haben noch einmal miteinander geschlafen. Dann habe ich ihn auf allen Kanälen geblockt. Jetzt habe ich wieder einen Mitbewohner und wir sind wie Geschwister. Aber ich werde nie wieder mit einem Mitbewohner schlafen. Es wird einfach zu schnell zu komisch—und dann wird es auch für alle anderen in der Wohnung komisch. Ich bin damit durch.

Scott, 50

Ich lebe in Denver und arbeite in der Reiseindustrie. Ich habe eigentlich immer alleine gelebt, nur letztes Jahr hatte ich einen Mitbewohner, den ich über Grindr kennengelernt hatte. Ursprünglich hatten wir uns nur zum Vögeln getroffen. Ich wollte dann was Ernsteres, aber er war nicht interessiert. Er brauchte allerdings ein Zimmer, also vermietete ich ihm eins für 400 Dollar im Monat. Sobald er eingezogen war, beschlossen wir, dass alles andere aufhören muss.

Er stammte aus Pakistan und kochte fast jeden Tag wunderbares Essen. Ein großer Pluspunkt für mich. Nach dem Essen machte ich uns eine Kanne englischen Tee und wir schauten zusammen pakistanische Seifenopern auf YouTube. Ich verstand kein Wort, aber wusste genau, was los war. Dann gab ich ihm noch eine Fußmassage und er ging schlafen. In gewisser Weise waren wir wie ein verheiratetes Pärchen, nur ohne den Sex. Es war eine nette und schöne Beziehung, aber ohne sexuelle Spannungen oder irgendwelchen Stress.

Insgesamt hat mir unser Zusammenleben wirklich gefallen und ich vermisse ihn heute. Nach seinem Auszug lebte ich wieder alleine. Es war eine dieser seltenen, wirklich besonderen Erfahrungen, die einem manchmal im Leben widerfahren. Ich habe dadurch einen liebevollen Freund gewonnen. Wir sind heute noch in Kontakt und erinnern uns gerne an unsere gemeinsame Zeit.

Es ist extrem unwahrscheinlich, auf Dating Apps jemanden kennenzulernen, der wirklich zuverlässig ist und auf den du zählen kannst. Manchmal lernt man aber einen besonderen Menschen kennen. Sei also offen für andere.

Amanda, 28

Ich bin Bartenderin und lebe in Bushwick, Brooklyn. Wenn du unbedingt willst, kannst du mich einen Hipster nennen, ich selbst vermeide den Begriff aber. Ich spiele allerdings Keyboard und Bass in zwei unterschiedlichen Bands.

Ein Jahr lang lebte ich in dieser Art DIY-Punker-Haus. Das Teil war durch und durch von Ratten befallen. Viele dieser DIY-Orte in Bushwick sind einfach große Lofträume, die in kleinere Räume unterteilt sind. Und so habe ich Nate kennengelernt. Nate und ich waren viele Jahre miteinander befreundet, aber es ist nie was gelaufen.

An einem Abend sind wir sehr, sehr betrunken nach einem Konzert nach Hause gekommen und in sein Zimmer gegangen. Weil sein Zimmer direkt neben der Küche lag, war es auch besonders anfällig für unerwünschten Rattenbesuch. Genau in dem Moment, als wir Sex hatten, kamen die Ratten rein. Nate, der eine Rattenphobie hat, ist total durchgedreht und mit heruntergelassener Hose aus dem Zimmer gerannt. Danach ist zwischen uns nie wieder was gelaufen.

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