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#stopislam trendet auf Twitter – ​Hat der Terror Erfolg?

Wie konnte dieser Trend es so weit nach oben schaffen?
22 März 2016, 3:40pm

Nach den Anschlägen in Brüssel heute morgen drücken zahlreiche Menschen ihre Solidarität in sozialen Netzwerken aus. Auf Twitter halten sich deshalb seit heute morgen die Hashtags #Brussels, #PrayForBelgium, #JeSuisBruxelles, #BrusselsAttacks oder einfach #Brüssel fest in den Trends—ein Phänomen, das man so ähnlich schon nach den Anschlägen von Paris beobachten konnte.

Diesmal hat sich allerdings ein neuer Trend unter die Solidaritätsbekundungen gemischt: #stopislam.

Darunter finden sich dann auch die vorhersehbaren Stimmen jener, die ihre Weltsicht vom grundbösen Islam mit jedem Terroranschlag neu bestätigt sehen—und das noch bevor gegen 16.30 gemeldet wurde, dass der Islamische Staat sich zu den Anschlägen bekannt hatte.

— DeutscheMeinungsfrei (@DeutscheKultur)22. März 2016

Wieso erst jetzt — Birgit Hutter (@Birgit_Hutter)22. März 2016

Interessantes Detail: Auch wenn die Anschläge von Brüssel—wie die von Paris, Istanbul, Beirut und auf ein russisches Passagierflugzeug—von Islamisten verübt wurden, ist es immer noch nicht wahr, dass „nicht alle Muslime Terroristen, aber alle Terroristen Muslime" sind. Tatsächlich wurden nur zwei Prozent aller Terroranschläge in Europa in den letzten fünf Jahren von Muslimen verübt.

Aber bevor man jetzt völlig verzweifelt, weil man glaubt, dass der Trend #stopislam bedeutet, dass die Antwort der sozialen Netzwerke auf den Terror zu großen Teilen aus noch mehr Islamophobie und Hass besteht: Entwarnung. Der Trend scheint mittlerweile hauptsächlich aus Leuten zu bestehen, die sich über den Trend aufregen:

— aisha (@Aishamariie)22. März 2016

Stoppt Dummheit, Rassismus und rechtes Gedankengut, bevor ihr ohne Grund irgendwelche Religionen stoppen wollt. — katha (@Regenbogending)22. März 2016

Und diese Tweets sind in der absoluten Überzahl. Es ist also die einigermaßen skurrile Situation entstanden, dass ein Hashtag offenbar nur deshalb trendet, weil sich Unmengen Menschen darüber aufregen, dass er trendet—und ihn dabei munter weiter oben halten. Oder, wie es dieser User ausdrückt:

An alle die — Philipp Ruhland (@Philipp_Ruhland)22. März 2016

Oder eben so:

Herzlichen Glückwunsch für den Hashtag — Mayway (@KilljoyCookie)22. März 2016