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Luca: Nein, zumindest für mich nicht. #unibrennt war nicht als langfristige Kampagne ausgelegt, es stand weder eine Organisation, noch eine Partei im Hintergrund. Der Ausdruck von Unzufriedenheit war spontan und ansteckend. #unibrennt war eine Plattform, bei der jeder die Möglichkeit hatte sich einzubringen und die tausende Studierende verändert hat. Für viele, auch für mich, war es die erste intensive Auseinandersetzung mit Hochschulpolitik, mit Politik im Allgemeinen. Aber das Thema, wenn auch nur für kurze Zeit, ist in den Vordergrund der medialen Auseinandersetzung gerückt.Unter welchen Bedingungen wäre #unibrennt überhaupt „erfolgreich" gewesen?
Wenn alle Forderungen umgesetzt worden wären? Wenn der Bologna-Prozess umgekehrt worden wäre (was übrigens nicht gefordert wurde)? Wenn für Bildung mehr Geld aufgewendet worden wäre? Und wenn ja, wie viel mehr? Rückblickend konnte #unibrennt nur auseinanderfallen. Das begann sich bereits abzuzeichnen, als sich das Selbstverständnis änderte. Manche forderten Aktionismus, andere eine längerfristige Organisation und das Ziehen an einem gemeinsamen Strang. Diesen gemeinsamen Strang gab es jedoch nicht, es gab „Unzufriedenheiten" mit den unterschiedlichsten Aspekten. #unibrennt hatte einen Einfluss und Auswirkungen auf das Leben einzelner und auf die Gesellschaft als gesamtes. Ich finde das reicht, um sagen zu können, dass #unibrennt nicht gescheitert ist.Wo siehst du die Stärken und Probleme der Bewegung. Wieso hat es damals funktioniert/nicht funktioniert?
Die größte Stärke war die Energie, die freigesetzt wurde: Unglaublich motivierte Menschen kamen zusammen, hörten sich gegenseitig zu und agierten solidarisch miteinander.
Doch irgendwann hat sich diese Energie einfach verbraucht.Unterschiedliche Ereignisse—die Besetzungen an anderen Universitäten, Unterstützungserklärungen aus den unterschiedlichsten Richtungen, selbst die Partys—haben neue Energien freigesetzt, aber jede Diskussion, jedes Problem, hat diese Energie wieder aufgesaugt.
Und dann kam die Ernüchterung, dass sich die Gesellschaft viel langsamer verändert, als neue Ideen entwickelt werden. Demokratie funktioniert langsam—und das ist auch gut so—, aber diese Langsamkeit kann halt auch sehr zermürbend sein. Die Medien ziehen weiter und plötzlich steht man wieder alleine da. Egal wie laut man schreit, die Leute gehen heim und der Alltag setzt wieder ein.Waren die Themen zu gesellschaftspolitisch aufgezogen und die Forderungen zu unrealistisch?
Nein. Die einzige Möglichkeit die Forderungen zuzuspitzen und realistischer zu machen, wäre gewesen einzelnen Personen und Gruppen zu sagen, dass ihre Bedürfnisse nicht so wichtig sind wie die von anderen. Das ist teilweise auch passiert, aber ich bin froh, dass es sich nicht durchgesetzt hat. Ich glaube nicht, dass die Unterstützung so breit gewesen wäre, wenn man Leute abgewiesen hätte beziehungsweise, wer hätte sie abweisen sollen? Ich bezweifle, dass eine kleine, realistische Forderung mehr Erfolg gehabt hätte. Solche gibt es ständig. Manche werden von der Politik beachtet, manche nicht. Wozu dann noch #unibrennt?War die basisdemokratische Ausrichtung sinnvoll oder hat sie die Bewegung zum einschlafen gebracht?
Beides. Sie war sinnvoll und hat zur Zerfaserung beigetragen. Ein anderer Weg wäre gar nicht möglich gewesen. Die ÖH wird gewählt und vertritt die Studierenden. Wozu soll man die Uni besetzten, wenn man dann nur eine zusätzliche Vertretung hat/bekommt, die unmöglich alle Studierenden vertreten kann? Man kann seine Ideen auch so an die ÖH herantragen—oder an andere Stellen.
Und hätte man die ÖH als Vertretung gewählt, dann hätte man ihr vielleicht minimal mehr Macht gegeben, aber sonst nichts verändert. Wie gesagt war #unibrennt keine politische Vereinigung. Wie hätte die Politik wohl reagiert, wenn eine Vertretung an sie herangetreten wäre und verhandelt hätte? Hätte es Zugeständnisse gegeben, dafür dass man das Audimax räumt? Und dann? Wo ist die Macht der Vertretung, wenn das Audimax leer ist? Plötzlich wäre da ein paar Leute, die von einer Gruppe gewählt wurden, die es nicht mehr gibt.