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Popkultur

Die letzten Zuckungen der Berliner Fashion Week

„Berlin, the place to be for fashion", sagt der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Grußwort zur Eröffnung der Fashion Week 2014. Ein Jahr zuvor vermeldete der Bürgermeister Berlins zum gleichen Anlass: „Berlin—das ist ,the place to be...

von VICE Staff
15 Januar 2014, 9:55am

Die Tore der Modehölle haben sich wieder geöffnet und ganz Berlin sowie unzählige mit Easyjet zu diesem Event eingeflogene Blogger taumeln ekstatisch durch die Fashion Week 2014 und machen Selfies von sich in der First Row. Die Shows, bei denen dies passiert, sind dabei eigentlich recht egal, denn sind wir ehrlich: Die Fashion Week Berlin ist und war noch nie auf Augenhöhe mit denen der Metropolen Paris, London oder New York.

„Berlin, the place to be for fashion", sagt der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Grußwort zur Eröffnung der Fashion Week 2014. Ein Jahr zuvor vermeldete der Bürgermeister Berlins zum gleichen Anlass: „Berlin—das ist ,the place to be for fashion'." Leider war das weder damals noch heute wahr.

Selbst Fashion Weeks in Islamabad, Rio etc. verstrahlen mehr Flair, oder zumindest augenzwinkernde Ironie, als das Spektakel, mit dem sich Berlin zweimal im Jahr feiert und all die andere Scheiße, die in dieser Stadt passiert (Flughafendebakel, Flüchtlingsproblematik) versucht zu übertünchen.

Aber nun hat sie begonnen, die Woche des Gratis-Schampus, in der nichts so wichtig ist, wie durch irgendeine Bussi-Bussi-Einladung einen Platz auf der richtigen Gästeliste ergattern zu können und ein Selfie zu posten.

Wie jedes Jahr beginnt die Fashion Week mit der Erkenntnis, dass zwar 50 Designer angetreten sind, um ihre Kollektionen der Öffentlichkeit zu präsentieren, jedoch große Namen wie schon seit vergangenem Sommer schlicht fehlen. Boss, Rena Lange oder Escada glänzen mal wieder mit Abwesenheit, während die vermeintlich „Großen" wie Kaviar Gauche, Kilian Kerner und Lala Berlin eh bereits zum Inventar der Berliner Fashion Week zählen.

Die Farben der Saison lauten Türkis, Rost und „Hautfarben" (unter Kennern „Nude" genannt). Die Schnitte sind vorwiegend puristisch mit klaren Linien, ohne Knöpfe oder ähnlichem Firlefanz. Orange soll das neue Schwarz sein, aber das halte ich für ein Gerücht, das sich verselbstständigt hat.

Es haben sich aber dennoch drei Hypes herauskristallisiert: Gespannt wartet man auf das Label Umasan, das mit seiner veganen Mode (Obacht: Trend!) einen Wettbewerb des Berliner Senats gewonnen hat und nun einen der begehrten Runway-Auftritte hat. Auch ein Auge sollte man auf die Newcomer-Designerin Alena Akhmadullina werfen und zu guter Letzt will sich jeder in der Strahlkraft von Georgia May Jagger sonnen, der Tochter von Jerry Hall und Mick Jagger. Ansonsten werden wohl nur die üblichen Prominenten, die es dieses Jahr nicht ins Dschungelcamp geschafft haben oder schon da waren, auftauchen: Micaela hat sich bereits nackig gemacht und Sarah Knappik wurde unter Zetern von der Gästeliste verbannt.


Ein paar Impressionen der heißen Luft auf der Berliner Fashion Week 2014 findet ihr weiter oben.

Fotos: Claudia Rech

Selbst die Security-Typen sind laut eigener Aussage bei Modelagenturen beschäftigt.

Manche beginnen bereits während der Modewoche mit ihrem Post-Fashion-Week-Detox-Programm.

Der Trend für das Oktoberfest 2014 führt die 200-jährige Geschichte bierseliger Geschmacklosigkeit gekonnt weiter.

Ziggy Stardust 2.0.

Medientrubel bei Bagaz. Eingefrorene Models und zerbrochene Kronleuchter, das muss auf Instagram, am besten noch mit Vintage-Filter. Die Inszenierung hier sieht auch aus, als ob sie aus den 1920ern wäre.

Bester Bagaz-Look, weil dieses eher sportliche Top und der elegante Rock sich wunderbar ergänzen und in der eher schlichten und ein bisschen strengen Kollektion in All-Black einen sexy Ton setzen. Und ja, alle Models waren wie Gene Simmons geschminkt oder so wie Gene Simmons aussieht, nachdem er das Make-up zu 70% abgeschminkt hat.

Hier zwei Models von Bagaz, so sahen die Kleider aus: überlang, edel und elegant.

Ein Kleid von Barre Noire, vielleicht das beste. Die Kollektion heißt „A Night in Sacramento“ und ich kann mir gut vorstellen, wie man im Winter in Kalifornien in dem Kleid durch die Straßen schlendert, eine kurze leichte Jacke und ein langes sinnliches Kleid, das mit einem mitschwingt: edel und sportlich, eben genau Kalifornien. Auf den Punkt getroffen.

Timm Süßbrich von Barre Noire inszeniert sein bestes Model, ein kesse Rothaarige, mit einer GoPro. Too cool for school. Note to self: Der Runway dieser Fashion Week hat auch Lichtblicke und ist nicht nur laute Musik und mal schnell rauf und runter.

Ein kleiner Reminder, dass ich noch immer auf der Berliner Fashion Week bin. Ich hole mir jetzt auch einen Sekt, um zu vergessen.

Was ist passiert? Ist jetzt Ed Hardy wieder redcarpet fähig? Übrigens sind solche Momente, Klassiker der Berliner Fashionweek. No Names die sich auf den Redcarpet schleichen und Fotografen verwirren.

Ein neuer Zugezogener. Er kommt aus Korea nach Berlin, um hier Architektur zu studieren und ist auf der Fashion Week, weil sein Freund Karten für irgendetwas hat. Dieser nette Junge mit gutem Stil weiß nicht, auf was er sich beim Betreten des Zeltes einlässt.

Die Süße links hat, glaube ich, keine Speicherkarte in ihrer Kamera ... oh oh

Bitte schafft den ollen Red Carpet ab. Ist das der von Tokio Hotel? Ach nein, schon wieder so ein Bild von einem Nobody, der es geschafft hat, der Aufsicht zu entgehen und über den Teppich zu laufen.

Clutches, die Bijou-Teile so groß wie ein Obstkorb dran haben, ergeben einfach keinen Sinn. Clutches sind doch so gut, weil sie wie Brieftaschen sind und einfach in die Hand passen, bitte merkt euch das, Designer.

Ep_Anoui by Eva Poleschinski. Bestes Model auf der ganzen Fashion Week, weil sie gelaufen ist, wie ich es noch nie gesehen habe.

Hien Le hat die Fashion Week mit seinen tollen schlichten Kleidern eröffnet. Seine Kollektion ist zeitlos und edel. Aber leider konnte das Model in ihren Heels kaum laufen.

Die gesamte Kollektion von Hien Le nochmal.

In der Pause zwischen zwei Shows wird ordentlich geputzt.

2014 trägt man das Dekolleté tief. Und am Arsch.

Fashion is Murder?

Vokuhila ist tot. Lang lebe WTF.

Berlin ist und bleibt eine dreckige Stadt. Da ist das ständige Saugen auf der FW nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Immer wieder wird gestaubsaugt.

Ein Cowboy in Berlin.

Ein Fotograf rennt Georgia May Jagger hinterher und fällt dabei beinahe auf die Fresse.

Schnell in der Pause die Blogs updaten, bevor jemand anderes mit dem Scoop online geht.

Orange Is the New Black. Staffel 2 kommt bald.

Ich habe es geschafft und Georgia May Jagger fotografiert—leider nur ihren Hintern, aber immerhin habe ich den einzigen A-Lister hier vor der Linse.

Hier zwei selbsternannte Fashionistas.

Posen gehört hier zum guten Ton.

Ein Promi mit einem anderen Promi. Und der Frau eines anderen Promis. (Anm. d. Red: Rolf Scheider, Jan-Henrik Scheper-Stuke und Mirja du Mont)

Seit den 80ern das Ambrosia der dünnsten aller dünnen Models.

Enie van de Meiklokjes ist und war immer sympathisch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Kitschige Rauchszene—New York Style, aber musste wohl sein.

Fotografen haben einen der härtesten Jobs auf der FW. Sie stehen im Rudel in der Kälte herum, um dann alle die gleichen hunderttausend Fotos von den selben Leuten zu machen.

Für diesen Hut mussten zwar keine Singvögel sterben, doch für die Tasche und den Leo-Mantel wurde ein ganzer Safari-Park ausgeräuchert.

Am Ende des Tages schält sich jeder aus dem Designer-Fummel und muss ganz menschlichen Bedürfnissen Tribut zollen.