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the it's actually quite weird issue

Die schwarzen Teertitten Afghanistans

Mit etwas Zynismus könnte man behaupten, dass Afghanistan ein riesiges Heroinlabor ist, das nur zufällig auch als Nationalstaat firmiert.
31.5.12

Copyright UN Photo/UNODC/Zalmai

Mit etwas Zynismus könnte man behaupten, dass Afghanistan ein riesiges Heroinlabor ist, das nur zufällig auch als Nationalstaat firmiert. Das Land produziert 90 Prozent des weltweiten Opiums; die Droge wächst in ländlichen Gegenden wie der Provinz Farah auf familieneigenen Mohnfeldern und wird in Kabul am helllichten Tag von Junkies gespritzt. Was die Junkie-pro-Kopf-Rate angeht, werden Afghanistans mindestens 200.000 Süchtige bei einer Gesamtbevölkerung von 30 Millionen nur noch vom Iran übertroffen. Einer Statistik zufolge, sind die größten Opfer der Drogenepidemie Frauen, von denen viele ihr Leid still in einer Opiumwolke ersticken. 2007 gab es geschätzte 100.000 weibliche Abhängige im Land, was zu einem großen Teil mit den eine Million Witwen und den kürzlich zurückgekehrten Flüchtlingen zusammenhängt. Angesichts der konservativen islamischen Tradition, Frauen zu Hause einzusperren und Drogensüchtige zu stigmatisieren, sind 100.000 höchstwahrscheinlich extrem untertrieben. Drogendealer haben es, wie überall, auch hier besonders auf Frauen abgesehen. Der Professor für zentraleurasische Wissenschaften an der Indiana University Nazif M. Shahrani erklärt: „Sie ermutigen die Frauen, es zu probieren. Möglicherweise geben sie es ihnen sogar umsonst. Und irgendwann sind sie dann süchtig. Über kurz oder lang müssen diese Frauen losziehen und Geld beschaffen oder sogar stehlen, um ihren Stoff zu bekommen.“ Natürlich ruiniert die Abhängigkeit nicht nur das Leben der Frauen. Zunehmender Drogenmissbrauch hat tief greifende Auswirkungen auf die nächste Generation, die von Junkie-Müttern großgezogen wird. Einer Studie zufolge, die 2010 vom US-Außenministerium durchgeführt wurde, waren in 31 von 42 Haushalten, in denen erwachsene Drogenabhängige lebten, offenbar auch Kinder den Drogen ausgesetzt. Videos aus der ländlichen Gegend Wakhan im Nordosten des Landes zeigen Familien, die in Hütten kauern und die Opiumpfeife herumreichen. Wenn ihre Kinder vor Hunger oder Kälte schreien, blasen die Mütter den Kindern Rauch ins Gesicht oder reiben ihnen Opiumpuder auf die Lippen, um sie zu beruhigen—Praktiken, die einst auf kleine Volksgruppen wie die Wakhi beschränkt waren, und jetzt aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung, eine Folge der jüngsten Kriege, weit verbreitet sind. Und die Muttermilch aus einer Junkiebrust ist potenziell tödlich, eine Vorstellung, wie sie deprimierender nicht sein könnte.