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Das passiert mit dir, wenn du verschiedene Drogen mischst

Kokain und Alkohol, MDMA und Ketamin, GHB und Mephedron—wir haben Experten gebeten, uns die Risiken zu erklären.

von Oliver Imhof und Charlie Brinkhurst-Cuff
02 Februar 2016, 2:25pm

Augen von Menschen, die alle möglichen Drogen konsumiert haben (Oben: Kokain; Mitte: Pillen, Ketamin und Speed; Unten: Ketamin) | Fotos von Gergana Petrova

Drogenkonsumenten nehmen selten eine Substanz alleine. Tatsächlich stellt Mischkonsum für die meisten Nutzer sogar eher die Regel als die Ausnahme dar.

Klar, du trinkst ein Bier oder rauchst ein bisschen Gras, ohne dich gleich genötigt zu fühlen, deinen Chef nach einem Gehaltsvorschuss zu fragen, um dir weitere sechs Gramm zu kaufen. Aber zieh dir irgendwas durch die Nase und du erwischt dich schnell dabei, wie du mit etwas Anderem nachlegst – Upper auf Upper, oder einen Downer, um runterzukommen, wenn du schlafen willst.

Trotz seiner Verbreitung ist Mischkonsum nur schlecht erforscht. Die meisten Studien untersuchen nur die Wirkungen der einzelnen Substanzen. Eines ist aber sicher: Mit jeder Substanz, die du nimmst, erhöhst du das Risiko für deine Gesundheit exponentiell. Typisches Beispiel: Viele Prominente nehmen jahrelang weitestgehend problemfrei Heroin und Kokain, bevor sie sich einen Speedball spritzen—und dann sehr öffentlich ableben.

„Es gibt verschiedene Kategorien von Substanzen: Aufputschmittel, Sedativa, Halluzinogene, Dissoziativa. Kombiniert man mehrere dieser Kategorien, erhöht man das Gesundheitsrisiko", sagt Dr. Owen Bowden-Jones, Gründer der CNWL Drug Club Clinic in London.

Bowden-Jones hat umfassende Studien zum Thema Partydrogen durchgeführt und kennt die Auswirkungen auf seine Patienten. Zwei aufputschende Drogen zu kombinieren, sei keine gute Idee, sagt er, da sie „den Puls und den Blutdruck erhöhen. Mehr als ein Stimulanz zu nehmen, kann diesen Effekt vervielfachen und damit auch das Risiko schwerer Schäden wie eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls erhöhen." Das gleiche gilt für zwei oder mehr Downer, die, wie er betont, „das Risiko einer extremen Betäubung oder eines Komas erhöhen."

Zwei Stoffe aus verschiedenen Kategorien zu kombinieren, ist aber auch nicht viel besser. „Viele Nutzer mischen ein Beruhigungs- mit einem Aufputschmittel", sagt Bowden-Jones. „Sie versuchen, die Wirkung des einen mit dem anderen auszugleichen, wobei das Sedativum den stimulierenden Rausch etwas abmildert." Das Problem dabei ist, dass es leicht ist, sich bei der Dosierung zu vertun: „Die Leute sind quasi Amateur-Psychopharmakologen. Sie mischen verschiedene Substanzen um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, doch was sie dabei häufig vernachlässigen, sind die Risiken."

Da wir uns im Klaren darüber sind, dass die Leute weiterhin ungeachtet der möglichen Konsequenzen zwei oder mehr Substanzen zur selben Zeit nehmen werden, haben wir zwei Experten—Bowden-Jones und Dr. Adam Winstock, Initiator der Global Drug Survey—befragt, um uns über die Gefahren der verbreitetsten Kombinationen aufzuklären.

Foto von Chris Bethell

Kokain und Alkohol

Eine weit verbreitete Mischung. Viele Kokainkonsumenten nehmen die Droge nur, wenn sie schon etwas getrunken haben. Es überrascht nicht—immerhin wird hier ein Upper mit einem Downer gemischt—, dass dies nicht besonders gut fürs Herz oder das allgemeine Wohlbefinden ist. Trotzdem sorgt die Kombination für ein ganz eigenes High, was auch der Grund sein dürfte, warum viele Leute zum Handy greifen, wenn sie schon ein paar Bier intus haben.

Bowden-Jones sagt: „Kokain ist ein Aufputschmittel und Alkohol ein Beruhigungsmittel. Die gleichzeitige Einnahme führt zur Entstehung von Kokaethylen im Körper, das selbst psychoaktive Eigenschaften besitzt."

Studien zeigen, dass Kokaethylen länger im Blutkreislauf bleibt als Kokain und deshalb die Euphorie verlängert, aber dafür auch schädlicher für das Herz ist—und demnach auf keinen Fall gut für dich.

MDMA und Ketamin

Die Kombination aus MDMA und Ketamin ist so verbreitet wie nur was. Die Leute nehmen „Matt Damon", um den Abend einzuläuten und legen im Laufe der Nacht mit Dips oder Bomben nach, bevor sie Keta nehmen, um noch ein bisschen higher zu werden oder, um runterzukommen, während sie durch irgendein Wohnzimmerfenster die Sonne aufgehen sehen.

Bowden-Jones sagt, dass er trotz der Beliebtheit der Mischung nur „sehr wenig Forschung zu den Wechselwirkungen der beiden" gesehen hat. „Wir wissen, dass Ketamin ein Sedativum sein kann und MDMA ein Aufputschmittel ist, aber die beiden richtig auszubalancieren, kann unglaublich schwierig sein", fügt er hinzu.

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Tom, ein 24-jähriger Student, hat das am eigenen Leib erfahren, als er auf einer Party spontan MDMA und wenig später Ketamin nahm. Er hatte noch nie Ketamin genommen, empfand die Mischung der beiden Drogen jedoch als ein schnell eintretendes, brutales High.

„Ich konnte immer noch das Mitgefühl vom Ecstasy spüren, aber das Ketamin hat mich ziemlich überwältigt," erzählt er. „Vielleicht war das K-Hole durch das MDMA weniger verstörend, aber generell hat es mir gar nicht gefallen."

MDMA und LSD

Laut Bowden-Jones ist MDMA und LSD eine weit weniger übliche Kombination als MDMA und Ketamin. Er hat Recht: Die Mischung wird dir bei deinem allwöchentlichen Zug um die Häuser eher selten begegnen, was wahrscheinlich auch ganz gut so ist, da die Kombination aus beiden Stimulanzien das Risiko birgt, „Herz- und Kreislaufprobleme zu bekommen, genauso wie furchtbar intensive Halluzinationen."

MDMA und Alkohol

„Die meisten Leute trinken Alkohol, wenn sie MDMA nehmen, was nicht die beste Idee ist", sagt Dr. Adam Winstock, der genau wie Bowden-Jones Experte für Mischkonsum ist. „Der Alkohol dehydriert dich noch mehr und verringert zudem die Wirkung des MDMA."

Er sagt, ein Glas Wein sei in Ordnung, aber nicht „zwei oder drei Flaschen, es kommt nämlich darauf an, wie viel man trinkt. Mit Wasser, Saft oder Milch bist du besser dran."

Gras und Alkohol

Die Mischung aus Gras und Alkohol ist eine althergebrachte Methode, um sich richtig beschissen zu fühlen. Wenn du auf Übelkeit und Schwindel stehst, sagt Winstock, dann achte zumindest darauf, dass du dich vom Lenkrad fernhältst. Wenn der Fahrer deiner Gruppe getrunken und gekifft hat, lass ihn erstmal ausnüchtern, um dich dann nach Hause zu fahren.

„Der Alkohol erhöht rasch die THC-Konzentration im Blut, er macht also bekiffter", erläutert Winstock. „Alkohol verringert die Fahrtüchtigkeit, Gras verringert die Fahrtüchtigkeit, zusammen verringern sie sie noch viel mehr."

Foto von Andoni Lubaki

MDMA und Gras

„Gras ist eine der am häufigsten gebrauchten Substanzen, um sich das unangenehme Runterkommen vom MDMA zu ersparen", sagt Bowden-Jones. „Die Leute kiffen oder nehmen Schlaftabletten, wenn sich die Nacht dem Ende nähert."

Das größte Risiko ist, sofern du dafür anfällig bist, dass das Gras dich ängstlich und paranoid macht und damit die Angst und die Paranoia, die du sowieso schon vom Runterkommen hast, noch verstärkt. Von den Konsumenten, mit denen wir gesprochen haben, hatte jedoch niemand etwas Schlechtes über das Zusammentreffen von Mandy und Mary Jane zu berichten.

„Ich hatte viele Nächte, in denen ich mich auf MDMA fast auf den Mond geschossen habe, und alle wollten danach nur kiffen", sagt Matt. „Es wirkt nicht so stark wie sonst, aber es entspannt."

Ketamin und Alkohol

„Als wir vor ein paar Jahren Leute im Rahmen der Global Drug Survey gefragt haben, was sie als gefährlichste Kombination bezeichnen würden, sagten die meisten Ketamin und Alkohol", erklärt Winstock. „Das ist eine schlaue Antwort, da Alkohol die Blasenprobleme, die durch Ketamin ausgelöst werden, noch weiter verstärkt. Außerdem macht es dich träge und unausgeglichen, was das Risiko erhöht, ins K-Hole zu fallen."

Also: Wenn du trinkst, Finger weg vom Keta (und auch sonst).

Heroin und Crack

„Eine sehr verbreitete Mischung," sagt Winstock. „Das Runterkommen von Crack ist sehr unangenehm und Heroin wird genutzt, um es abzumildern."

Je mehr Crack du nimmst, desto mehr Heroin nimmst du also, um es auszubalancieren, womit du auch das Risiko einer Überdosis erhöhst.

GBL/GHB und Crystal Meth/Mephedron

GBL und GHB steigern die Libido. Crystal Meth und Mephedron helfen dabei, diese Lust über einen langen Zeitraum zu behalten. Allerdings sind alle auch Substanzen, die psychotische Symptome oder Paranoia verursachen können, sie zu mischen ist also alles andere als eine gute Methode, diese Risiken zu reduzieren.

„Klar ist das eine sehr häufige Kombination, besonders bei Leuten, die mit Chemsex zu tun haben", sagt Winstock. „GBL und GHB können die Achtsamkeit auf Verhütung verringern, also gibt es abgesehen von den unerwünschten körperlichen Wirkungen auch Verhaltenseffekte wie eine Zunahme an Hochrisikosex und sexueller Nötigung."

Der von Winstock erwähnte unvorsichtige Sex kann zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten führen. Mephedron, das die Haut austrocknet, kann das noch mehr begünstigen, wenn du nicht genug Gleitmittel benutzt.

Heroin und Kokain intravenös (Speedballs)

Während Kokain das Herz stimuliert, verringert Heroin die Lungenfunktion, weshalb die Mischung dieser beiden Substanzen gleichzeitiges Herz- und Lungenversagen hervorrufen kann.

„Es ist gefährlich, da man zwei sehr potente Drogen kombiniert, und sehr schwer zu kontrollieren, da sie normalerweise injiziert werden—wenn es einmal gespritzt wurde, kann man nichts mehr machen", sagt Winstock. „Die Leute spielen ein gefährliches Spiel, wenn sie diese Substanzen mischen, um das beste Erlebnis zu erzielen."

Alkohol/Benzos/Opiate

Das größte Risiko bei dieser Kombination ist die Gefahr, dass die Leute nicht realisieren, dass sie ein Problem haben.

„Du trinkst eine halbe Flasche Wein, nimmst vier Kodeintabletten und denkst: ‚Ich habe gar kein Problem, der Arzt hat mir die Tabletten doch verschrieben'", sagt Winstock. „Aber bei dieser Mischung gibt es ein hohes Risiko der Überdosierung, obwohl man die drei eigentlich mischen kann. Viele Leute sind auf verschreibungspflichtigen Opiaten und Benzos, aber gemischt mit Alkohol können sie schnell zum Atemstillstand führen."

Um an der Global Drug Survey 2016 teilzunehmen, klicke hier.