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Wie wird man das, warum wird man das? Wahrscheinlich ist es so wie mit allem im Leben: durch Zufall. Man trifft jemanden, der selbst bei einer Burschenschaft ist, lernt ihn kennen und schätzen, geht irgendwann zu einer Veranstaltung mit und ist dann entweder verwirrt, schockiert, fasziniert oder begeistert. Oder alles zugleich. (So wie es bei mir war.) Man kann hundert Bücher über Japan lesen und hat immer noch keine Ahnung, wie sich die japanische Kultur anfühlt.Genauso ist es bei einer Burschenschaft. Vielleicht hat jede ihre ganz eigene Art, vielleicht würde ich mich auch nur hier wohlfühlen, im Kreise meiner Burschenschaft Teutonia. Kann gut sein. Wegen der großartigen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte. Wegen der Erfahrungen, die ich machen durfte. Wegen der Erlebnisse, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde. Und nicht zuletzt auch wegen der Geisteshaltung bei Teutonia, Strenge und Härte gegenüber einem selbst, aber Freundschaft und Güte gegenüber seinen Farbenbrüdern zu leben.Eine Burschenschaft ist überschaubar, zeitbeständig, „entschleunigt". Sie bietet einen Rahmen, in dem man von Mensch zu Mensch im Guten wirken kann.
Man wirft uns Rassismus vor. Was soll man dazu überhaupt sagen? Wann haben Burschenschafter Asylantenheime angezündet, Einwanderer verprügelt oder zu rassistischen Gehässigkeiten aufgestachelt? Wie kommen wir dazu, dass uns solche Dinge vorgehalten werden, zu denen wir nicht das Geringste beigetragen haben? Oder liegt es allein in dem Umstand, dass die Deutsche Burschenschaft sich eben als Verein von vornehmlich deutschen Studenten betrachtet, so wie es auch viele andere Verbände mit anderen Prinzipien gibt? Dann möchte ich gerne wissen, wem es nur irgendetwas helfen soll, wenn wir uns wie andere halt in einen internationalen Studentenverein umwandeln. Wem ist damit geholfen? Unsere Kritiker beschäftigen sich mit solchen Albernheiten, während wirkliche rassistische Verfolgung in der Welt an der Tagesordnung ist. Das ist Heuchelei und Gutmenschentum per definitionem.Man wirft uns vor, wir seien reaktionär. Kein Vorwurf tut so weh wie dieser. Denn kein Verein ist in seiner ganzen Grundausrichtung so rebellisch, so staatskritisch, so freiheitsversessen wie die Deutsche Burschenschaft. Uns haben Kaiser verboten und „Führer" auflösen lassen. Denken die linksradikalen Gruppierungen, die uns attackieren, wirklich, wir würden uns von ihnen einschüchtern oder unterdrücken lassen? Wir haben schon ganz andere Zeiten überstanden. Soweit käme es noch.Kein Verein ist in seiner ganzen Grundausrichtung so rebellisch, so staatskritisch, so freiheitsversessen wie die Deutsche Burschenschaft.
Man wirft uns auch noch vor, Mensuren zu fechten. Offenbar sind manche mit ihrem eigenen Leben so unausgelastet, dass sie sich ernsthaft ständig darüber Gedanken machen müssen, was andere in ihrer Freizeit tun. Und ich verstehe wirklich nicht, warum man an einer völlig traditionellen sportlichen Betätigung so viel Anstoß findet—es wird ja auch geboxt, sogar im Fernsehen, und das ist jedem egal. Übrigens: Fußballverletzungen sind auch nicht ohne. Eishockey, Rugby, Schifahren, Formel 1, Paragleiten sind alles gefährliche Sportarten, bei denen auch Schlimmes passieren kann.Fußballverletzungen sind auch nicht ohne. Und ja, Mensurfechten ist ein bisschen verrückt. Na und?
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Wisst ihr, woraus der Ball für uns junge Burschenschafter, die ihr jeden Mittwoch auf der Unirampe beschimpft, besteht? Aus einer stundenlangen Nervosität, sich hoffentlich bei der Eröffnung nicht völlig zu vertanzen, gefolgt von den paar Bier, die man sich als Student gerade so leisten kann. Meine Ballabende fühlen sich eigentlich immer so an wie bei Harry Potter und der Feuerkelch . Früher war ich wahlweise Ron oder Harry, mittlerweile schwelge ich ein bisschen wie Neville. Gott sei Dank, andernfalls wären Bälle wirklich unerträglich.Es wird behauptet, der Akademikerball sei ein Vernetzungstreffen Rechtsextremer. Ist euch überhaupt bewusst, dass ihr, wenn ihr uns am Bummel anschreit, praktisch die Hälfte aller aktiven Burschenschafter, Landsmannschafter, Corpsstudenten und so weiter vor euch habt? Wir sind ein paar Dutzend Studenten, diese Stadt hat 2 Millionen Einwohner. Wie kommt ihr dazu, euch gerade uns als Feindbild auszusuchen? Wie kommt ihr dazu, euch einzubilden, wir würden irgendwelche Machtpositionen innehaben? Beim Akademikerball treffen sich rund 1.000 Leute, das soll ein Vernetzungstreffen sein? Ich verrate euch jetzt den Witz des Jahres: Die brauchen sich nicht vernetzen, die kennen sich alle schon. Wir sind nämlich nicht mehr.Meine Ballabende fühlen sich eigentlich immer so an wie bei Harry Potter und der Feuerkelch . Früher war ich wahlweise Ron oder Harry, mittlerweile schwelge ich ein bisschen wie Neville.
Stattdessen liefert ihr so fadenscheinige Statements wie: Was sind schon ein paar zerstörte Fenstergläser in der Innenstadt gegen das Leid der Flüchtlinge allerorts? Nein wirklich, mit dem Zertrümmern von Glas helft ihr den Flüchtlingen ungemein—schön dass ihr euer Verhalten mit ihrem Leid rechtfertigt. Als ich neulich euer Refugees-Welcome-Transparent sah, ist mir eingefallen, wie damals beim Flüchtlingsprotest in der Votivkirche irgendwann die Forderung nach freiem WLAN in Asylheimen aufkam. Für mich sagt das alles über die österreichische Linke.Ihr habt keine Ahnung von der Welt, euer Tellerrand ist eure schicke WG und euer Horizont reicht bis zum Küsschen im Kaffeehaus. Ihr seid nicht mondän und weltoffen, ihr seid beschränkt und unglaublich befangen in eurer eigenen kleinen Lebenswelt mit ihren eigenen Regeln und 1.-Welt-Problemen.Wer an WLAN in Asylunterkünften auch nur einen Gedanken verschwendet, hat keinen blassen Schimmer davon, wie es in solchen Unterkünften ausschaut und was diese Menschen wirklich brauchen: eine Perspektive, endlich Sicherheit, die Möglichkeit zu arbeiten, psychische Betreuung und schnelle Verfahren. Was sie nicht brauchen, sind eure Anti-Burschenschafter-Demos—weder auf der Unirampe noch in der Wiener Innenstadt.Ob ihr begreift, dass Geld nicht auf den Bäumen wächst und dass man die Probleme der Welt nicht mit lautem Parolen-Geschrei löst, sondern nur mit knochenharter Arbeit, dem kühlen Rechenstift und offenen, sachlichen, demokratischen Debatten, oder ob ihr weiter meint, die Weisheit gepachtet zu haben und euch nie selbst reflektieren zu müssen, ist mir eigentlich egal.Vielleicht habt ihr ja Recht, und ich vollkommen Unrecht. Mag sein, man kann es nie genau wissen. Das ist auch der Grund, warum ich nie auf die Idee käme, Gewalt gegen euch anzuwenden.Ihr habt keine Ahnung von der Welt, euer Tellerrand ist eure schicke WG und euer Horizont reicht bis zum Küsschen im Kaffeehaus.