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Essen

Eine junge Frau hat sich wie ich nur von Nutella ernährt und mich als Pussy bezeichnet

Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und habe sie deswegen direkt angerufen, um mit ihr über die Erfahrung zu diskutieren.
28 Mai 2015, 4:00am

Ich am sechsten Tag—tief versunken im N-Hole

Mein Name ist David Allegretti. Vor Kurzem habe ich einen Artikel darüber geschrieben, wie ich mich eine Woche lang ausschließlich von Nutella ernährte. Es waren wirklich schreckliche sieben Tage und mir wurde dabei bewusst, dass meine Ernährung einen enormen Einfluss auf mein psychisches Wohlbefinden hat, denn in dieser Woche fiel ich in ein tiefes Loch.

Alix am sechsten Tag—mir doch egal

Eines Tages erreichte mich ein Tweet einer mir fremden jungen Frau namens Alix Giboulot aus London. Sie aß eine Woche lang ebenfalls ausschließlich Nutella und verpasste dem Ganzen den Namen #nutellachallenge—der Hashtag war bei Twitter allerdings nicht recht beliebt (ich habe natürlich sofort nachgesehen) und vorherige Verwendungen schienen nichts mit der eigentlichen Herausforderung zu tun zu haben.

Wie dem auch sei, Alix erzählte mir, dass sie schon am fünften Tag der Challenge angekommen war und keine Probleme hatte. Dazu bezeichnete sie mich noch als Pussy. Aber anstatt mich jetzt aus der Ferne von irgendeiner jungen Dame beleidigen zu lassen, besorgte ich mir ihre Nummer und rief sie direkt mal an. Natürlich schmeichelte es mir auch, dass meine dumme Aktion von einer Frau nachgemacht wurde, aber ein Teil von mir wollte mit Alix auch über die Einzelheiten meiner damals durchlittenen Höllenqualen diskutieren. Sie ist ja schließlich die Einzige, die mich zumindest irgendwo verstehen könnte.

VICE: Hey Alix. Wie geht es dir?
Alix Giboulot: Ich lebe noch, aber der Geruch des Essens meiner Mitmenschen bringt mich um. Ich halte dich allerdings trotzdem für eine Pussy. Vielleicht fehlen dir aber auch einfach nur die Schweizer Gene. Isst du noch Nutella?

Munchies: Gäbe es die ‚Anonymen Nutellaholiker', ich wäre dabei

Ja, ich esse noch Nutella. Ich pimpe damit meinen täglichen Kaffee, was ich ja damals während meiner Challenge entdeckt habe. Aber was meinst du mit Schweizer Genen?
Ich komme aus der Schweiz. Das erklärt vielleicht auch meine Schokoladen-Toleranz. Ich musste mich heute Morgen beim Duschen jedoch hinsetzen. Ich bewundere dein Durchhaltevermögen.

Alles klar. Fangen wir doch mal bei Null an: Wieso hast du dich der Nutella-Herausforderung gestellt?
Ähnlich wie bei dir ist auch mein Umfeld von den Mengen an Nutella fasziniert, die ich verdrücke. Alles hat damit angefangen, dass sich meine Freunde aufgrund der leeren Nutella-Gläser in meinem Zimmer Sorgen gemacht haben. Meine Freundin Eva hat mir dann deinen Artikel als eine Art Warnung vor einer Überdosis zugeschickt. Nachdem ich gelesen hatte, wie schlecht es dir bei dem Ganzen ging, dachte ich daran, wie auch ich schon oft drei oder vier Tage ausschließlich von Nutella gelebt habe—und das ganz ohne Challenge.

Ich war mir total sicher, dass ich das ebenfalls durchziehen könnte. Also haben Eva und ich den Wetteinsatz ausgemacht: Wenn ich es schaffe, dann macht sie eine Woche lang den Einkauf. Wir haben die Herausforderung dann sogar noch ein bisschen verschärft: Ich darf nur Wasser oder Tee trinken. Anschließend habe ich mich mit genügend Nutella eingedeckt und am nächsten Morgen ging es los. Jetzt bin ich schon bei Tag Fünf angelangt und wenn ich die ganze Woche durchhalte, dann schulden mir noch drei weitere Freunde je 5 Kilo Obst. Eigentlich war und ist das Ganze ein echter No-Brainer.

Nach welchem Essen sehnst du dich am meisten?
Oh Gott, ich vermisse Obst so sehr. Sogar die Bäume haben heute früh richtig toll gerochen.

Hier hat Alix bereits die Hälfte ihrer Herausforderung hinter sich.

Ein paar Tage nach dem Ende ihres Martyriums habe ich Alix ein weiteres Mal angerufen, um zu hören, wie alles ausgegangen ist.

Hallo Alix. Wie fühlst du dich jetzt?
Besser als erwartet. Ich sprühe nur so vor Energie. Mein Ego wurde durch das Bestehen der Herausforderung befriedigt und mein Magen durch die absurden Mengen an Essen, die ich seitdem verdrückt habe. Mit jedem vergangenen Tag der Nutella-Challenge wurde auch die Versuchung immer stärker, aber ich fühlte mich trotzdem gut, habe insgesamt drei 750-Gramm-Gläser geleert, wurde nicht krank und nahm sogar an einer Prüfung teil. Alles in allem bin ich mit dem Verlauf und dem Ausgang der Challenge echt zufrieden.

Ich kenne dieses Gefühl: Man stochert in der braunen Masse herum und der Müllbeutel hängt über dem Abfalleimer.

Wieso ist Nutella deiner Meinung nach ein so kultiges Lebensmittel?
Ich habe gehört, dass Menschen eine natürliche Vorliebe für Fett haben, und Nutella ist dafür einfach ein einzigartiges „Heilmittel". Ich habe bisher nur eine einzige Person kennengelernt, die den Brotaufstrich nicht mochte, und diese Person hat auch ein T-Shirt mit der Aufschrift „It won't suck itself!" getragen. Das ist doch eigentlich ziemlich bezeichnend.

Hast du während der Challenge abgenommen?
Mein Gewicht blieb im Verlauf der Woche überraschenderweise auf einem normalen Level: Ich bin immer zwischen 59,4 und 60,1 Kilogramm hin und her geschwankt.

Hier hat Alix die Challenge bereits beendet. Ich weiß nicht, was genau sie da isst, aber es sieht auf jeden Fall wie richtiges Essen aus.

Dein Körper hat das Ganze viel besser weggesteckt als meiner. Hast du aus der Erfahrung irgendetwas mitnehmen können?
Ich genieße mein Essen jetzt auf eine ganz andere Art und Weise. Ich finde, dass sich jeder Mensch der Nutella-Herausforderung (wahlweise auch mit irgendeinem anderen Lebensmittel) stellen sollte. Ich weiß nicht, wie das bei dir ablief, aber nachdem ich mich eine Woche lang beherrschen musste, waren die ersten richtigen Mahlzeiten fast so etwas wie eine spirituelle Erfahrung. Ich liebe Essen jetzt mehr als je zuvor.