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Sex

Skinema: Take No Prisoners

Ich weiß nicht, wie es in den meisten Gefängnissen ist, aber wenn es nur halb so schlimm ist, wie Zeit eintakten, um eine Runde skaten zu gehen, nachdem man das eine Kind zum Bus gebracht hat und bevor das andere zur Kita muss, dann tun mir die...
3.4.15

Regie: Jules Jordan
Bewertung: 10
Jules.Jordan.com

Im September letzten Jahres landete ich für vier Monate unschuldig im Knast. Ich bin davon immer noch ziemlich durchgerüttelt und fühle mich nicht mehr wie ich selbst. Seit meiner Entlassung schlafe ich schlecht. Ich habe Schwierigkeiten, meinen Platz in der Gesellschaft wiederzufinden und mache mir Sorgen, dass diese langen Wochen, in denen ich herzzerreißendes Geschrei mitanhören, mieses Essen zu mir nehmen und niederste Tätigkeiten ausführen musste, meine Psyche dauerhaft beschädigt haben könnten.

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Das Traurigste an dem Ganzen? Meine Frau war Schuld an meiner Haft. Sie verbündete sich mit einem sehr überzeugenden Arzt und lockte mich in eine Falle. Ich arbeite daran, ihr zu verzeihen, aber es fällt mir nicht leicht. Wir haben seither eine Therapie begonnen und versuchen, diese Prüfung gemeinsam durchzustehen. Sie hat zugegeben, schon 2001, als wir uns kennenlernten, geahnt zu haben, dass sie mich irgendwann wegsperren lassen würde. Ich denke, dass Problem geht auf das Jahr 1975 zurück, in dem sie mit zwei Füßen geboren worden ist, aber ich überlasse da lieber dem Therapeuten das letzte Wort.

Ich bin kein Detektiv, aber die simplen Tatsachen sind, dass meine Frau im Alter von zwei bis 13 Jahren Tanzunterricht in Stepptanz, Jazz, Ballett und HipHop genommen hat (soweit eine recht ungewöhnliche Hintergrundgeschichte). Im Alter von 13 bis 31 unterrichtete sie dann aber Tanz (und wir alle wissen wie schmierig es in bestimmten Kreisen der Tanzszene zugehen kann), und in den letzten sieben Jahren hat sie als Personal Trainer gearbeitet (Fitnessstudios sind ja bekanntlich Brutstätten der Kriminalität). Wie reden also von fast 40 Jahren zwielichtiger Bewegungen auf ihren zwei Füßen, bis sie schließlich daran zerbrach. Ohne es je zu erwähnen, kämpfte sie schon zehn Jahre mit einem Dämon namens Morton-Neuralgie. Diese schmerzhafte Erkrankung der Füße führte schließlich dazu, dass sie im letzten August auf dem schmalen Grat zwischen Richtig und Falsch fehltrat.

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Das war der Moment, in dem der ränkeschmiedende Podologe auf den Plan trat.

Der gute Doktor murmelte meiner Frau seine Überzeugung in ihr wundervolles Dekolleté, dass eine sofortige Operation für sie unausweichlich sei. Daraufhin wandte er sich zu mir um, um mir todernst in die Augen zu sehen und sagte: „Es ist ein simpler Eingriff. In drei Wochen ist sie wieder auf den Beinen."

„Drei Wochen?", fragte ich.

„Drei Wochen," wiederholte er.

Ich glaubte ihm. Er trug einen weißen Kittel; ich glaube Männern in weißen Kitteln. Was mich hätte stutzig machen sollen, war das Stethoskop um den Hals. Warum sollte ein Podologe ein Stethoskop brauchen? Nach der Operation, gab er meiner Frau seine Handynummer und sagte, dass sie ihn jederzeit anrufen könne, falls es Komplikationen geben sollte. Doch was für Komplikationen sollte es nach so einem „simplen Eingriff" schon geben?

Jede Menge, wie sich herausstellte. Alles, was irgendwie schief gehen konnte, ging schief: Infektionen, innere Fäden, die sich nicht von allein auflösten, Fäden, die rissen, etc. „Drei Wochen" wurden zu sechs, und sechs am Ende zu 16, während derer sie die verschiedensten Schienen und Gipsverbände tragen und den Arzt allwöchentlich in seiner Praxis aufsuchen musste, damit er ihr in den tiefen Ausschnitt schielen konnte.

Derweil saß ich zuhause fest und spielte den guten Ehemann. Ich musste die Kinder baden, sie für die Schule fertigmachen, kochen, putzen und sie zur ihren Gymnastik- und Schwimmstunden bringen. Ich wusch Wäsche! Ich weiß überhaupt nicht, wie man das macht! ICH BEZAHLE DIE WÄSCHEREI FÜR SOWAS! Ich machte sogar bei ihren Schulweihnachtsfeiern mit! Ich weiß nicht, wie es in den Gefängnissen von Attica oder Mexiko so abgeht, aber wenn es nur annähernd so schlimm ist, wie das was ich zu ertragen hatte—die Zeit takten um schnell eine Runde skaten zu gehen, nachdem man das eine Kind zum Bus gebracht hat und bevor das andere zur Kita gefahren werden muss—dann tun mir die Millionen Frauen und Männer, die in den Gefängnissen Amerikas und der ganzen Welt einsitzen, aus tiefstem Herzen leid. Nach diesem viermonatigen Einsatz zu Hause, während dessen ich mich um meine Frau und die Kinder kümmerte, verstehe ich völlig, was Nas meinte, als er sagte, „Eingekerkert stirbt dein Geist." Ich habe glatt Lust bekommen jemanden umzubringen…

_Noch mehr Bescheuertes findet ihr auf _ChrisNieratko.com_ und @Nieratko auf Twitter. Foto von Bryce Kanights. Mehr von seinen Arbeiten könnt ihr auf BryceKanights.com oder @orignalbk_ sehen.