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Das Cannabis-Verbot kostet Deutschland Milliarden Euro

Wir haben also wirklich Milliarden Gründe, Cannabis zu legalisieren. Wenn die deutschen Politiker nicht ganz so borniert wären, könnten wir alle reich sein.

Matern Boeselager

Letztes Silvester stellten tausende von Amerikanern Zelte auf der Strasse auf und machten sich daran, dort bei Minusgraden zu campieren. Obwohl das klingt, als würde ein Weltuntergangskult eine gigantische Party zum Jüngsten Gericht feiern, waren diese mutigen Menschen nicht da, um das Ende einer Ära zu feiern—sondern den Beginn einer neuen.

Colorado wurde der erste Bundesstaat, der Ende 2012 den Freizeitgebrauch von Cannabis legalisierte. Nach langen bürokratischem Hin und Her begannen die ersten 20 Geschäfte ab dem 1. Januar 2014, legal Gras und Hasch zu verkaufen. Was hat die Gesetzgeber in Colorado dazu bewegt?

Abgesehen von der üblichen „Pflanzen kann man nicht verbieten!“-Rhetorik hat vor allem die Erwartung eine Rolle gespielt, dass eine Legalisierung eine „grüne Wirtschaft“ schaffen würde—mit erheblichen Zusatzeinnahmen für den Fiskus. Schon jetzt kann man absehen, dass die Rechnung für Colorado aufgegangen ist.

Bis jetzt haben 136 Geschäfte eine Lizenz zum Verkauf von Cannabis bekommen, und das Forschungsinstitut Colorado Futures Center (CFC) rechnet mit einer Nachfrage von ungefähr 69,203 Kilogramm pro Jahr. Im Moment liegt der Preis für ein Gramm wegen der riesigen Nachfrage und gewisser Nachschubprobleme bei knapp 14 Dollar, wird sich aber im Laufe des Jahres wahrscheinlich auf 10 Dollar einschaukeln—ein bisschen mehr als der Straßenpreis, dafür aber legal und von hoher Qualität.

Wenn die Vorhersage des CFC stimmt, würde der jährliche Umsatz sich auf knapp 732 Millionen Dollar (526 Millionen Euro) belaufen. Der Staat würde dann allein an Mehrwertsteuer 22,2 Millionen Dollar verdienen, dazu kommt die neu eingeführte 10-Prozent-Cannabis-Steuer, die noch 73,2 Millionen Dollar zusätzlich in die Kassen spülen würde. Zusammen mit der Versteuerung der Gewinne, die beim Anbau entstehen, könnte der Staat bald jährlich zusätzliche 116,5 Millionen Dollar einnehmen—umgerechnet 83,8 Millionen Euro.

Menschen der Zukunft in Colorado.

Wenn das in Colorado funktionieren kann, warum dann nicht bei uns? Wenn man die moralische und politische Legalisierungsdebatte mal kurz ausblendet, lässt sich nicht leugnen, dass es sich auch in Deutschland um einen riesigen Markt handelt. Laut dem Lagebericht des BKA ist Cannabis für 61 Prozent der „Konsumdelikte“ in der Bundesrepublik verantwortlich. Durch eine Legalisierung von Cannabis könnte der Staat sich also nicht nur ein enormes Kriminalitätsproblem vom Hals schaffen. Er könnte auch noch richtig Geld dabei verdienen.

Es gibt keine genauen Zahl darüber, wie viel Cannabis in Deutschland konsumiert wird. Laut einer ESA-Studie von 2012 gaben 4,5% der 18- bis 64-Jährigen an, in den letzten 12 Monaten Cannabis geraucht zu haben. Insgesamt wären das an die 2,3 Millionen Konsumenten pro Jahr, und das ist noch eine sehr vorsichtige Schätzung.

Dazu gehören Menschen, die ein paarmal im Jahr an einem Joint ziehen, genauso wie Leute, die am Tag ein oder zwei Gramm konsumieren. Wenn man von einem durchschnittlichen Konsum von zwei Gramm pro Woche ausgeht, kommt man auf einen jährliche von 241,9 Tonnen Cannabis, die in Deutschland konsumiert werden.

Die vom REITOX-Jahresbericht ermittelten Durchschnittspreise liegen bei € 7,50 für ein Gramm Hasch und € 9,10 für ein Gramm Gras. In Deutschland wird laut BKA-Bericht ungefähr doppelt so viel Gras wie Haschisch konsumiert, also könnte man die 241,9 Tonnen dementsprechend aufteilen. Insgesamt kommt man so auf einen Umsatz von mehr als 2,072 Milliarden Euro jährlich. Das entspricht ziemlich genau dem Jahresumsatz der Computerspiele-Industrie in Deutschland, was ja ganz gut zusammenpasst.

Wie genau das besteuert würde, müsste sich der Staat noch überlegen. Wie wir unser Finaznamt kennen, würden sie sich bestimmt nicht mit der Mehrwertsteuer und einer Cannabissteuer nach dem Colorado-Modell begnügen, sondern eher in Richtung Tabaksteuer (58,3% des Packunspreises) denken. Der Einfachheit halber könnten wir von insgesamt 50 Prozent Steuern auf jedes verkaufte Gramm ausgehen. Der Ökonom Martijn Boermans, der dieser Frage am holländischen Beispiel nachgegangen ist, geht davon aus, dass der Cannabis-Preis bei einer Legalisierung wegen des erhöhten Wettbewerbs auf ungefähr die Hälfte reduzieren würde. Am Ende würde das Gramm also wieder bei ca. 9 Euro landen, nur dass der Staat jetzt davon € 4,50 einstreichen könnte—und die angebotene Qualität viel höher wäre.

Foto: Mark | FlickrCC BY 2.0

Kurz gesagt, der deutsche könnte von den knapp 2 Milliarden, die die Deutschen im Jahr für Cannabis ausgeben, genau eine Milliarde abzweigen. Das ist eine Menge Geld. Zum Vergleich: mit dieser Summe könnte man 21.000 Lehrergehälter in Berlin finanzieren, 4.150 neue High-Tech-Feuerwehrautos kaufen oder 5.000 neue Obdachlosenheime bauen. Alternativ, und das sollte sogar die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler überzeugen, könnte man von dem Geld genau 8,330 Geburtstagsparties für CSU-Landräte ausrichten.

Mit den reinen Steuereinnahmen ist es aber noch nicht getan: der Staat würde auch all die Ausgaben sparen, die durch die Bekämpfung der Cannabis-Kriminalität entstehen. Allein für die Verfolgung von Drogendelikten wurden laut einer Studie 2010 insgesamt 2,17 Mrd. Euro ausgegeben, für die Prozesse noch einmal 1,2 Mrd. Euro, und für die Unterbringung in Gefängnissen 849,5 Millionen. Wenn man diese Zahlen zusammenaddiert und auf die 61% Cannabis-Delikte herunter rechnet (das ist statistisch nicht lupenrein, aber es geht auch nur um einen Schätzwert), kommt man auf satte 2,573 Milliarden Euro, die jährlich für die Unterdrückung der Cannabis-Wirstchaft ausgegeben werden, und die sich der Staat direkt sparen könnte.

Am holländischen Beispiel wurde bewiesen, dass sich die Kosten für das Gesundheitssystem durch eine Legalisierung nicht erhöhen. Stattdessen entstehen neue Jobs und Vermögen, die ebenfalls zu versteuern sind. Aber schon die einfache Rechnung, bei der eine Menge Faktoren (wie der Wert der Zuchtpflanzen in Deutschland) fehlen, zeigt, dass es volkswirtschaftlich gesehen Wahnsinn ist, Cannabis nicht zu legalisieren. 

Noch einmal zum Posten: der deutsche Staat könnte 1 Milliarde Euro an Steuern einnehmen und 2,6 Milliarden Euro an Justizkosten sparen, wenn er die Leute rauchen lassen würde, was sie wollen. Insgesamt sind es 3,6 Milliarden Euro, die der Staat in den Kamin bläst. Und das im Kampf gegen eine Substanz, die erwiesenermassen das gesündeste Medikament der Welt ist.