Sex

Fotos von geheimen Orgien in Billig-Hotelzimmern

In Manchester organisieren Männer über Craigslist Sexpartys. Joseph Finegan ist dabei, um sie zu fotografieren.

von Morgan Harries
07 September 2016, 9:00am

Joseph Finegan will vor allem eines klar machen: Er ist nichts weiter als ein nomaler Typ, der in einem Nachtclub arbeitet und in seiner Freizeit Fotos macht. Nur sind das Fotos von Männern, die Sexpartys über Craigslist organisieren und in Manchesters billigen Hotelzimmern abhalten.

Vergangenes Jahr haben wir Joseph darum gebeten, seine Erfahrungen beim Fotografieren dieser Partys zu schildern. Kürzlich kam er wieder auf uns zu, um uns über die Veröffentlichung seines neuen Buches zu informieren. Dieses Buch—Do Not Disturb—ist inzwischen veröffentlicht.

Um herauszufinden, was sich seit letztem Jahr verändert hat, habe ich ihn kurz angerufen.

VICE: Hi Joseph. Du hast uns letztes Jahr von deinem Projekt berichtet. Warum setzt du es jetzt in einem Buch um?
Joseph Finegan: Hätte ich daraus kein Buch gemacht, würde ich wahrscheinlich nie damit aufhören können—es gäbe kein Ende. Also dachte ich: "Wenn ich ein Buch rausbringe, kann ich es vielleicht mal sein lassen. Ich kann damit abschließen." Es ist etwas, das ich greifen kann, und jetzt ist es vollendet, es wurde belegt.

Also willst du aufhören, diese Fotos zu machen?
Vielleicht versuche ich es mit einem anderen Ansatz. Lustigerweise hatte ich genau dieses Gespräch mit einem Freund, der sagte, das könnte das Ende für mich sein. Für viele andere Menschen, die meine Bilder noch nie vorher gesehen haben, könnte es aber auch der Anfang sein. Darum sollte ich vielleicht doch noch etwas weitermachen, schließlich habe ich zwei Jahre lang versucht, Zugang zu dieser Gemeinschaft zu bekommen—und meinen Weg in eine Gruppe aus echten Menschen gefunden. Wahrscheinlich ist es eine Verschwendung, das ganz abzuschütteln.

Was würdest du stattdessen fotografieren?
Bevor ich anfing, wollte ich einfach etwas machen, das noch nie jemand vorher gemacht hat. Ich fotografierte also eine Weile lang Cam-Girls und wollte danach auch mal in die Swinger- oder Doggingszene. Dann wiederum wollte ich nicht, dass sich alle meine Arbeiten um Sex drehen, und wollte einfach etwas Schönes machen—Fotos von Blumen oder sowas. Aber um ehrlich zu sein, wird es in Zukunft wahrscheinlich überwiegend wieder um Sex gehen. Es ist einfach interessant, etwas zu zeigen, das die Leute nicht jeden Tag sehen.

Was mir beim Betrachten der Fotos eingefallen ist: War es schwierig oder zumindest unangenehm, den Film zu entwickeln?
Ja, einmal wollte ich den Film abholen, aber der Typ sagte nur: "Wir konnten das nicht entwickeln" Er gab ihn mir einfach zurück. Ich verließ das Geschäft und dachte mir: "Das ist nicht mal einen Versuch wert." Zum Glück ist da noch diese liebenswürdige, alte Frau, zu der ich nun seit zwei Jahren gehe. Natürlich sieht sie die Fotos, die ich mache, aber trotzdem ist sie so unschuldig und macht bloß einen Kommentar wie: "Ich habe hier die komischen Bildchen für dich!" Worauf ich etwas sage wie: "Ach, was mach ich nur für Sachen!" 99 Prozent der Leute würden sie nicht entwickeln—sie ist der Hammer.

Hat sich etwas an deiner Methode verändert, seit du angefangen hast?
Ich habe früher einfach auf Craigslist gefragt: "Wer möchte Fotos von sich?" Dann bin ich bei den Leuten zu Hause aufgekreuzt—ich meine, wie gefährlich ist das? Ich mache das nun seit zwei Jahren, aber als ich damit anfing, war ich ziemlich naiv. Ich wollte einfach dieses eine krasse Bild. Aber dann fing ich an, stattdessen in Hotels zu gehen. Es ist lustig, ein Freund von mir hat mal kurz in einem Hotel gearbeitet und eigentlich ist das sehr altmodisch—als würde man in der Zeit zurückreisen. Da gibt es immer noch Prostitution und ab und zu auch Suizidfälle, also kein wirklich schöner Ort zum Verweilen. Ich habe schlussendlich nach dem Shooting nie dort übernachtet, sagen wir es mal so.

Wie war die Stimmung jeweils im Zimmer? Waren die Männer nicht skeptisch, wenn du da warst?
Was nun im Buch ist, sind zwei Jahre Trial and Error. Du lernst, dich in dieser Situation in einer Art zu verhalten, damit du das Bild so kriegst, wie du es willst. Für mich war das Wichtigste der Augenkontakt—wenn dich jemand direkt ansieht, zeichnet sich das ab. Nur für eine Aufnahme da eindringen zu wollen, ist schwierig. Angenommen es dauert eine Stunde, dann musst du einfach in den Hintergrund treten und warten, bis sie sich in ihrer eigenen, kleinen Welt verlieren und du eintreten kannst. Meistens bin es ich, der einfach irgendwo in den Ecken des Zimmers herumlungert. Es brauchte viel Zeit, um den ganzen Prozess richtig hinzubekommen.

Ist jemals etwas schiefgelaufen?
Es gab schon ein paar Male, wo ich aufgekreuzt bin und mir die Filme ausgingen oder die Batterie der Kamera aufgebraucht war. Dann musste ich einfach da warten, bis alle wortwörtlich fertig waren. Oft habe ich auch ein Zimmer gebucht und schlussendlich ist niemand aufgetaucht oder schlimmer noch: Nur eine Person ist gekommen. Die fragen dann häufig: "Kommt sonst noch jemand?" Oder es kommt jemand und ich sage: "Alles klar?"—und dann haut der einfach wieder ab. Aber mit der Zeit hast du ein paar "Stammgäste" zusammen. Zum Beispiel der eine liebe Typ, der mir immer E-Mails schreibt und mir immer, wenn er kommt, eine Kiste Bier kauft. Das ist total nett. Aber sonst gibt es nicht so viele nette Erlebnisse, wirklich. Ich mache mir damit keine Freunde.

Hat sich etwas bezüglich deiner Einstellung gegenüber Sex verändert?
Nun, ich bin in dem Sinn weit von den Partys entfernt, dass ich nie selbst darin involviert bin. Ein guter Freund hat mich schon oft gefragt: "Hast du denn nicht mal ... ?" Und ich so: "Nein!" Es ist nichts, das ich jemals in mein Privatleben einbringen werde. Aber vielleicht hat es mich über die Jahre etwas verändert. Ich denke, ich wurde unempfindlich, weil ich das alles gesehen habe. Aber ich denke nicht, dass es einen persönlichen Grund gibt, wieso ich das machen würde. Es ist eher wie eine Urkunde, etwas, wofür ich sehr hart gearbeitet habe, um etwas völlig Ungesehenes zu zeigen.

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