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Musik

Musikreviews

Hier sind unsere Reviews zu Man Without Country, Fostercare, Eugene Mc Guinness und Freidenker.
21.7.12

FREIDENKER
Randale und Liebe
Hippie Rap Entertainment

Die badisch-brave Ausprägung von Conscious Rap ist in Deutschland ja weitgehend vom Radar verschwunden, ohne dass sie jemand als vermisst gemeldet hätte. Die Freidenker senden nun eine Art Lebenszeichen, das darauf hindeutet, dass irgendwo dort unten im Süden auch weiterhin mit schwäbischem Zungenschlag über die Scheinprobleme einer kleinbürgerlichen Existenz gerappt wird. Klingt zwar reichlich unspektakulär, ist aber zu begrüßen, solange es dem Erhalt musikalischer Artenvielfalt dient. Es ist im Grunde wie mit den Nacktnasenwombats im Zoo: Weder besonders schön, noch irgendwie nützlich, aber man ist trotzdem froh, dass es die kleinen Scheißer gibt.

THE LION KING

Eugene McGUINNESS
The Invitation To The Voyage
Domino Records

Aus der Kategorie „Jungspunde, die so tun, als wären sie schon 50“, ereilt uns hier das Schicksal des offensichtlich schon arg vom Leben gebeutelten Eugene McGuinness, der vermutlich seinem Nachnamen in flüssiger Form sehr zugetan ist und im Halbdelirium gerne über seine Tragödien und die der anderen schwadroniert. Das ist liedweise betrachtet – und auch dann, wenn du dich gerade selbst in einer mittelschweren Lebenskrise befinden solltest – ganz nett, ruft aber auf Dauer eher rollende Augen und das Verlangen, den Typen einfach mal kurz durchzuschütteln, statt wahrer Anteilnahme hervor.

YAMMON YAMMON

FOSTERCARE
Altered Creature
Robot Elephant Records

Bei Spülmittel gibt es ja diesen Kreislauf von flüssig zu Pulver zum Granulat zu Tabs und wieder von vorn, es eschert gewissermaßen ganz ordentlich alle paar Jahre durch die Aggregatszustandsdefinitionen. Aber wie in C-Horror-Movies eben auch die dämlichste Filmfigur nach der dritten Runde merkt, dass sie wieder im gleichen Raum angekommen ist auf ihrer Flucht vor dem Kettensägenmörder, so ähnlich funktioniert das auch bei Musikgenres: Was mal Witch-House war, wurde zu Zombie-Trance und Discolectro/Synthwave und ist jetzt wieder in den 90ern angekommen bei Endneunziger-EBM/IDM à la Haujobb oder Velvet Acid Christ. Und man fühlt sich beim Hören kurz verwirrt, dann wieder jung, dann retro, dann verarscht. Aber eben mehr so von der Welt insgesamt. Außer echt schlechtem Timing kann man Fostercare ja auch nicht viel vorwerfen.

BENDER DUMBO

MAN WITHOUT COUNTRY
Foe
Lost Balloon / Cooperative Music

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, worauf ein jeglicher Bürger auf M83 abzufahren hatte, gleich welchen Musikgeschmack er sonst bevorzöge. Es war aber auch einmal, jedenfalls, ein tapferer Ritter, der damals M83 nicht nur nichts abgewinnen konnte, sondern in völligem Unverständnis über die angebliche Wirkung jenes Musikstils immer wieder gegen Windmühlen, respektive Drachenweiber zu kämpfen hatte. Den Geisterfahrer-Kalauer konnte er schon nicht mehr hören, und seine Rüstung war irgendwann auch nicht mehr Punk, sondern Penner, so zwecklos erschien ihm der Kampf nach all den Jahren. Auch die Geheimwaffe des Druidenkumpels, ein Zaubertrank, der innerhalb von Sekunden stockbesoffen machte, konnte ihm nicht helfen: Alle waren M83 erlegen. Als eines Tages Foe von Man Without Country erschien, brachte sich der tapfere Ritter schließlich um, indem er sich zusammen mit einem Gedichtband von Lord Byron verbrannte. Seine letzten Worte waren „Für eine Welt ohne Diddlmaus!“, und wenn er nicht gestorben ist, dann schämt er sich jetzt irgendwo zu Tode.

CUPCAKE WURST