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Sex

Zeigst du mir deins, zeig ich dir meins!

Am Dienstag durfte ich Alice im Wunderland spielen. Mein Weg führte mich in die Bio-Dildomanufaktur von Stefanie Dörr.
10.11.10

Am Dienstag durfte ich Alice im Wunderland spielen. Natürlich ohne den blöden Hasen, der ständig unter Stress steht und das Loch ohne Boden habe ich mir auch gespart. Mein Weg führte mich in die Bio-Dildomanufaktur von Stefanie Dörr. Hier werden in liebevoller Handarbeit  laut Öko-Test ökologisch wertvolle  Mädchenträume wahr.

Als mir die Tür aufgemacht wurde, fühlte ich mich dann aber doch, wie in diesem bunten Tim Burton-Spektakel.

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Vice: Wir sind hier mitten in Kreuzberg, auf dem Weg von der U-Bahnhaltestelle bis hier her sind mir viele Kopftücher entgegen gekommen. Gab es schon mal Probleme, dass hier eine Dildomanufaktur existiert?

Stefanie Dörr: Nein Probleme gab es noch nie. Auf die großen Werbebanner über der Tür habe ich trotzdem verzichtet.

Wie kamst du auf den Dildo?

Ich habe in Bonn Bildhauerei studiert und bin zwei Jahre nach dem Mauerfall in Berlin angekommen. Damals hab ich mit einer Freundin zusammen gewohnt und wie es in einer WG üblich ist, stand ihre Zimmertür immer offen. Einmal entdeckte ich auf ihrem Nachttisch etwas eigenartiges, erst konnte ich es nicht glauben. Doch da stand wirklich ein Vibrator.

Kannst du dich noch daran erinnern wie das Teufelsding aussah? Konnte man einen richtigen Penis erkennen?

Er war aus Hartplastik und in der Farbgebung weiß oder beige. Nein, es war eher etwas abstrakteres. Ich fand ihn nicht besonders attraktiv, ein Stab, der so einem Massagegerät sehr ähnlich sah.

Wenn Träume wahr werden.

Meistens hören meine Mitbewohner auch, wenn bei mir gerade die Post abgeht. Du wolltest uns Mädchen also von diesen Bohrmaschinen befreien?

Mutig habe ich mich 1992 an das Projekt heran getraut. Drei Jahre habe ich mit Form und Material experimentiert. Ich wollte weg von dieser Standardvariante: schwarz, Hautfarben, groß, hart. Nach einem Jahr hatte ich meine ersten Erfolgserlebnisse. Kontakte wurde geknüpft und Kundinnen gefunden. Es wurde ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Masturbation einfach gesund für den Körper ist. Dafür sollte Frau keine Plastikdinger mit strengem Chemiegeruch benutzen. Die eigene Lust sollte einen selbstverständlichen Stellenwert bekommen.

Jedes Spielzeug ist von Hand gefertigt. Steckt in jedem ein bisschen Liebe?

Ja, natürlich. Mir war es wichtig, dass keine Massenproduktion dahinter steckt. Ich habe eine Herstellungstechnik entwickelt, mit der ich und mein Team in Serie herstellen können. So bleiben meine Goodies bezahlbar und trotzdem besonders.

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Sie haben zwei Mitarbeiterinnen. Gibt es eine spezielle Ausbildung, Fachfrau für Dildoherstellung?

Nein eine Ausbildung dafür gibt es nicht. Sie kommen aus dem handwerklichen Bereich.

Muss ein Vibrator vom TÜV geprüft werden, bevor er verkauft werden darf?

Nein, verkauft werden kann alles was gefällt.

Aber ich weiß, dass Öko- Test deine Vibratoren getestet hat.

Ja, genau. Sie haben den „Lipstick“ getestet, zweimal in Folge und jedes mal gab es das Testurteil Sehr Gut.

Ich finde es gibt ja gerade eine riesige Bio-Bewegung, man riecht es förmlich aus allen Ecken. Gab es nach der Veröffentlichung, eine großes Feedback von ökologisch bewussten Frauen, die genau diesen Vibrator haben wollten?

Ja schon. Ich habe auch einen großen Bio-Versand, den ich mit dem „Lipstick“ und anderen Spielzeugen beliefere.

Ein Bio-Sextoy-Versandhaus?

Nein ein ganz normaler Onlineshop, der alles mögliche anbietet. Früher war er sogar im Katalog, jetzt gibt es die Vibratoren ausschließlich auf der Homepage.

Für das Prachtexemplar rechts oben, durfte ein richtiger Mann Modell stehen

Wir wissen ja alles über Sex. Doch in meinem Zimmer saß schon manches geschocktes Gesicht, weil wirklich ein Dildo neben meinem Bett liegt.

Ja das stimmt. Ich glaube es dauert noch ein paar Generationen, bis ein Dildo kein Aufsehen mehr erregt. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Hast du Männer, die für dich Penis-Model spielen?

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Ich habe mit einem schwulen Pärchen einen Dildo entwickelt. Sie haben mich angesprochen und ich fand das eine interessante Herausforderung. Es war eine sehr intensive Zusammenarbeit, die sich über einige Wochen hinzog. Wir wissen ja alle, wie ein Penis aussieht, deswegen nutze ich eher selten die reale Vorlage. Ich bin ja weiterhin auch Bildhauerin und unsere Spielzeuge sind eine Verbindung von Skulptur und erotischem Spielzeug.

Probierst du jeden Dildo auch selber aus?

Ja natürlich. Ich finde ein Orgasmus ist Wellness für den Körper.

Man kann abends auch super danach einschlafen.

Genau. Der Höhepunkt ist neben Lust und Genuss ja auch Körperpflege, gerade heute in unserer leistungsorientierten Gesellschaft ist es doch super bequem sich ein wenig Entspannung zu besorgen.