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Hexerei in der Vorstadt

22.9.10

Hey, konservatives Amerika, ich höre, dass euch endlich bewusst wird, dass die große Hoffnung der irrsinnigen, christlichen Politiker eigentlich eine Hexe ist. Oder, wenn sie keine Hexe ist, hält sie mit ihnen zumindest heißblütige Rummach-Sessions auf satanischen Altaren ab. Für jemanden, der glaubt, dass man einen Freischein zur Hölle bekommt, wenn man sich einen von der Palme wedelt, muss Heavy Petting mit den Handlanger(inne)n des Teufels ein ziemlich ernsthaftes Delikt sein.

Wenn du meinst, du musst es unbedingt nochmal sehen, dann ist hier das Video ihres Schuldbekenntnisses:

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Hexerei in Vorstädten ist dennoch wirklich nicht so ungewöhnlich. Ich spreche aus Erfahrung, meistens versammelt sich dabei ein Haufen Nerds, die komisches Zeug mit Äpfeln anstellen. Nicht mal mit lebenden Tieren. Es sind schon ein paar Halloweens ins Land gegangen, dass ich einen Zug ins vorstädtische London genommen habe, um mit einer Gruppe Druiden abzuhängen. Vor allem habe ich erfahren, dass Druiden heutzutage meistens  Forstarbeiter mit Halbglatze, Therapeuten und einsame Tierärzte sind. Ich sollte sie alle am Abend vor Halloween in einem Pub treffen, um in die Riten eingeführt zu werden und damit wir eine kleine "Kennenlernrunde" abhalten, bevor ich an den Zeremonien teilnehmen konnte.

Als ich in der Bar ankam, trug der Führer der Gruppe einen Hexenhut. Ein anderer Typ, der als Pirat verkleidet erschien, hatte sich entweder verlaufen oder er war ein Idiot. Die "Volksversammlung" (so nennen es die Druiden, wenn sie ein paar Radler leeren) bestand daraus dass ich eine Stunde lang herumhockte, während sie über Internetverbindungen und eine Frau, die ihre Küche kindersicher machen will, gesprochen haben.

Am nächsten Abend, als ich am Pub ankam, wurde ich in einem Landrover zu den nahen Wäldern gebracht. Wir gingen in der Dunkelheit auf einem alten Hügel und nahmen unseren Platz um einen Picknicktisch aus Metal ein (dem Altar). Dann begann der Ritus. Ich habe niemandem erzählt, dass ich für eine Zeitschrift arbeite, also musste ich meine Fotos heimlich und ohne Blitz machen, deswegen sehen sie so scheiße aus.

Es war nicht die naturbelassene, mystische Sitzung, die ich erwartete. Der Tisch war mit beschissenem Graffiti beschichtet, das sie mit einem schwarzen Seidentuch abdecken wollten, Auf dem Tisch waren Kerzen, ein zeremonielles Kreuzzeichen, ein Brotmesser, ein ziemlich cooler Laib Brot mit einem Pentagramm drauf und ein kitschiger Mini-Kessel voller Feuerzeugbenzin.

Sie positionierten Laternen in den vier Himmelsrichtungen und wir bildeten einen Kreis um den Altar. Der Leiter der Runde besiegelte den Kreis, indem er um ihn wanderte und dabei von Waldgeistern plapperte. Ich hatte die Stimme eines heidnischen Priesters erwartet, der Hexerei als helle, sinnliche, satanistische Explosion ausübt - nicht das schlaffe nasale Geheul einer einsamen Jungfrau. Das hat mir auf irgendwie meine Mühen kaputt gemacht in Stimmung zu kommen.

Wir konzentrierten das Ritual auf die Äpfel, die wir mitgebracht hatten. Die Druiden schnitten sie mit dem Brotmesser in Hälften und uns wurde befohlen, uns die Geister unserer verschiedenen Liebsten in sie hineinzudenken, oder gar die unserer Haustiere. Wir legten die Apfelhälften vorsichtig in einen Korb, an dem noch das Preisschild dran war, und mit unseren sicher abgepackten, geistdurchtränkten Äpfeln betätigten wir uns etwas im Awen-Gesang. Das bedeutet, für einige Minuten sehr langsam "Awen" zu trällern. Als der Gesang verstummte, sagte der Rundenleiter: "Leute, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe es richtig gefühlt. Es war sehr stark." Mir ging es nicht so, doch wie ich schon gesagt habe, bin ich überhaupt nicht in Schwung von dem Ganzen gekommen.

Als das Ritual fast vorbei war, entfernten wir uns alle vom Altar und näherten uns einer vorgegrabenen Grube einer noch dunkleren Ecke des Picknick-Platzes. Wir standen um dieses grabsähnliche Loch herum und lauschten einer weiteren Rede über die Ehrerbietung für den Wald, bevor die Apfelhälften in der Grube versenkt wurden. Dann war es an der Zeit, die Grube zu füllen. Der Kerl, der den Dreck schaufelte, trug eines dieser dickbauschigen T-Shirts, die an der Brust zuschnüren - wie die alten Man U-Hemden aus den 90ern.

Wie dem auch sei, das machen also die Druiden. Es ist ziemlich langweilig, etwa wie ein Elternabend mit Kerzen und Pentagrammen. Das Brot ist trotzdem cool…