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Ich habe mir eine DIY-Traummaschine gebaut, um mich vom Licht berauschen zu lassen

Alles, was du für einen psychedelischen Trip brauchst, sind etwas Karton, ein Teppichmesser, eine Lampe, mathematische Grundkenntnisse und viel Geduld.

von Kristian Nielsen
15 August 2016, 4:00am

Alle Fotos: Janus Engel

Ich bin gerne drauf und mag es, mit der Welt zu verschmelzen. Halluzinogene Drogen bergen jedoch auch gewisse gesundheitliche Risiken, der Besitz kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und das Ganze ist unter Umständen sehr zeitaufwendig.

Als ich davon hörte, dass man auch nur mithilfe einer Glühlampe und eines löchrigen Zylinders halluzinieren kann, wollte ich eine solche so genannte "Traummaschine" deshalb sofort ausprobieren. Das Prinzip ist dabei denkbar einfach: Man schließt die Augen und das gleichmäßig flackernde Licht lässt einen dann diverse Formen und Farben sehen.

Der britische Maler, Autor und Geräuschpoet Brion Gysin hat im Jahr 1959 zusammen mit dem Ingenieur Ian Sommerville die erste Lichtinstallation dieser Art gebaut. Eine Traummaschine besteht dabei aus einem hohlen Zylinder mit mathematisch berechneten Ausschnitten, der auf einem Plattenspieler rotiert und in dessen Inneren sich eine starke Lichtquelle befindet. Wenn man nun mit geschlossenen Augen in Richtung dieser Lichtquelle blickt, sollte das stroboskopische Flackern Halluzinationen hervorrufen.

Grund dafür ist das Tatsache, dass das Licht mit einer Frequenz von 8 bis 13 Hertz durch den Zylinder scheint—also die gleiche Frequenz wie die der sogenannten Alphawellen des Gehirns, die kurz vorm Einschlafen, bei Tagträumen oder während einer Meditation auftreten. Schon seit Jahrhunderten bringen Künstler und Wissenschaftler diesen Bewusstseinszustand mit Kreativität in Verbindung.

Traummaschinen-Bauanleitungen findet man im Internet zuhauf. Eigentlich braucht man dafür nur ein großes Stück Karton, ein Teppichmesser, ein Lineal, einen Stift, einen alten Plattenspieler sowie eine starke Glühlampe. Und viel Geduld kann auch nicht schaden, denn man muss ziemlich wahrscheinlich auch die Größe und Stellen der Löcher neu berechnen. Früher liefen die meisten Plattenspieler nämlich mit 78 und nicht mit 45 Umdrehungen pro Minute. Zwar gibt es dafür auch diverse Umrechnungstabellen, aber die helfen leider nur bedingt weiter.

Und so kam es auch, dass ich stundenlang mit Block und Taschenrechner dasaß und mir verzweifelt irgendwelche längst vergessenen Mathestunden wieder ins Gedächtnis rief. Nachdem ich dann endlich alle Muster auf den Karton gezeichnet hatte, machte ich mich mit dem Teppichmesser daran, alles genauestens auszuschneiden. Als ich nach einer weiteren schlaflosen Nacht endlich mit dem Zylinder fertig war, verzierte ich ihn noch schnell mit etwas Sprühfarbe und befestigte das Ganze auf dem Plattenspieler. Anschließend führte ich noch eine Deckenlampe von oben in das Konstrukt und fertig war meine Traummaschine.

Ich lud ein paar Freunde ein, die meine Faszination für die psychedelische Welt teilen, und zusammen verbrachten wir einen Nachmittag, an dem wir isländischen Techno hörten und dabei mit geschlossenen Augen direkt in das flackernde Licht einer 100-Watt-Glühbirne blickten.

Christoffer und Katrine waren die ersten, die die Traummaschine ausprobierten. Jede Erfahrung soll einzigartig sein und die Schilderungen der beiden waren dann tatsächlich sehr fesselnd.

"Ich sehe Kreuze und Swastikas, vor allem in Rot und Blau, mit einem Übergang in Magenta", meinte Christoffer mit geschlossenen Augen. "In der Mitte meines Blicks ist eine Art Quelle—eine mächtige Sonne, die sich von einer Seite zur anderen bewegt. Es ist ungefähr so, als würde ich ein 3D-Bild ohne 3D-Brille anschauen. Oh, jetzt sind es Dreiecke. Meine Augenlider vibrieren und ich fühle mich so, als würde ich mich in den Augen einer Fliege befinden."

Katrine saß neben ihm und obwohl sie beide aus dem gleichen Blickwinkel in die gleiche Lichtquelle blickten, nahm ihr Gehirn das Ganze offensichtlich anders wahr. "Ich sehe Flammen. Natürlich und rot. Total intensiv. Ich muss jetzt erstmal ordentlich durchatmen, um weitermachen zu können", meinte sie und holte dabei tief Luft.

"Jetzt sehe ich einen Wald, der sich in eine regenbogenfarbene Sonne verwandelt. Das Licht strahlt dabei aus der Mitte heraus", fuhr sie fort. "Ich habe das Gefühl, in einer Sonnenblume zu sein. Alles umarmt mich. Ich nehme auch Licht wahr, das hinter meinem Rücken scheint. Das ist fast schon zu viel."

Nach 15 Minuten brauchte Katrine dann wirklich eine Pause. Ihren Platz nahm Erik ein und auch Mads quetschte sich noch daneben. Nachdem sich alle eine Zeit lang dem Licht gewidmet hatten, meinte Erik: "Wow, jetzt sind überall Punkte!"

Ich bat die Jungs auf dem Boden darum, mir genauer zu beschreiben, was sie da sahen. Christoffer lehnte sich zurück, um dem Licht nicht mehr so intensiv ausgesetzt zu sein, aber hielt seine Augen trotzdem noch geschlossen und genoss die Erfahrung weiter. "Ein Sternenhimmel kommt mir entgegen", meinte er. "Wie bei diesem alten Windows-Bildschirmschoner. Es kommt echt gut, mal kurz wegzuschauen und die Augen dabei trotzdem geschlossen zu halten. In meinem Kopf schneit es."

Schließlich probierten meine Freunde auch noch ein paar andere Dinge aus. So bewegten sie sich zum Beispiel ein bisschen hin und her oder kniffen die Augen fester zusammen—und stellten direkt fest, dass das einen großen Unterschied machte. "Wenn du deinen Kopf in den Nacken legst und dann die Augen nach unten richtest, geht's richtig ab", sagte Erik. "Bei mir ist jetzt alles blau, eine richtig tiefe Dunkelheit", fügte Mads hinzu. "Wenn ich mein Gesicht mit meinen Fingern verdecke, dann kann ich meine Hände durch die Augenlider hindurch sehen."

Die anderen probierten das Handmanöver direkt aus und stimmten zu. "Wenn man die Augen fester zusammenkneift, dann ist es so, als würde man durch eine Membran schauen. Und wenn man wieder lockerlässt, löst sich alles in einer Farbenexplosion auf. Fast so wie bei einem Kaleidoskop", erläuterte Christoffer und lehnte sich wieder zurück. Nach fast einer halben Stunde brauchte dann auch er eine Pause, weil er doch etwas benommen war. Im Allgemeinen heißt es, dass man sich dem flackernden Licht mindestens zehn Minuten lang aussetzen soll, um das visuelle Spiel richtig in Fahrt zu bringen. Der dreifache Zeitraum ist da schon fast ein Garant für eine sehr intensive Erfahrung. Erik und Mads blieben aber auch weiterhin sitzen und ließen sich verzaubern.

"Das Ganze ist wie ein wunderschöner Sonnenuntergang", sagte Erik lächelnd. "Und wenn ich meine Hand vor mein Gesicht halte, verwandelt es sich in das Bildrauschen von alten Fernsehgeräten. Die Dunkelheit ist jedoch auch richtig tief und besitzt mehrere Dimensionen. Und kleine weiße Lichter."

Schließlich setzte ich mich zusammen mit meiner Freundin neben die beiden. Ich konnte mich leider kaum konzentrieren, weil die anderen ja schon fertig waren und eingehend über ihre Erfahrungen diskutierten. Irgendjemand drehte dann einen Joint und irgendjemand anderes legte neue Musik auf. Nach ein paar Minuten, in denen sich das Rot vor meinen Lidern langsam in grüne, pulsierende Punkte verwandelt hatte, öffnete ich meine Augen wieder und schaute meine Freunde an.

Die Traummaschine erzeugt eine visuelle Erfahrung, die man paradoxerweise mit geschlossenen Augen macht. Wenn man genügend Geduld mitbringt, dann kann diese Erfahrung einer wilden Achterbahnfahrt gleichen. Einen euphorischen Bewusstseinszustand ruft sie jedoch nicht hervor. Und sie transzendiert auch weder die Seele noch die Welt. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass diese Erfahrung nicht schön ist oder sie sich nicht lohnt. Ganz im Gegenteil: Ich kann wirklich nur empfehlen, sich mal selbst am Bau einer Traummaschine zu versuchen. Einen schönen Lampenschirm bekommt man so nämlich auf jeden Fall. Und man bringt seine Mathekenntnisse auch mal wieder ein bisschen auf Vordermann.