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Musik

Ein Interview mit dem Künstlertypen von LCD-Soundsystem

23.7.10

Die Plattenfirma EMI startet diese Woche eine Kunstausstellung in Sydney, die sich jeder Partyeinladungskarte widmet, jedem Plattencover, jedem Computerentwurf und jeder Serviettenkritzelei, die jemals von oder für LCD Soundsystem gemacht wurde. Der Art Director der Band, Michael Vadino, ist für die Show eingeflogen worden, und nachdem ich die Fülle an Kunstwerken gesehen habe, die dabei sein werden, war meine erste Frage: "Dafür habt ihr wirklich einen Art Director gebraucht?"

Die Sache mit LCD Soundsystem und dem Artwork von DFA Records ist, dass es absolut elementar und willkürlich zusammengeklatscht aussieht, aber nachdem ich mit Michael gesprochen hatte, verstehe ich, dass das genau der springende Punkt ist und auch das, was ihr Zeug durchwegs einen Wiedererkennungswert gibt.

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Vice: Wie kommt es, dass du der Art Director von LCD Soundsystem bist?
Michael: Gut, es hat damit angefangen, dass ich die Flyer für ein paar ihrer Partys gemacht habe, und von da an sind die Leute einfach wegen solchen Sachen auf mich zugekommen. Ich mag die Vorstellung, dass es bei der Sache einen ästhetischen roten Faden gäbe. Wir werden das sehen können, denn es wurde vorher noch nie alles zusammen gezeigt.

Es ist eine Weltpremiere?
In dieser Fülle definitiv–wir nehmen sprichwörtlich alles mit. Ich meine, es gibt nichs Wertvolles in dieser Ausstellung, wir machen das nur zum Spaß, wirklich.

Ihr habt nie in New York ausgestellt?
In New York würde niemand hingehen.

Hornochsen.
Ich weiß, jeder hat an diesem Abend etwas weit Wichtigeres zu tun. Da bin ich selber schuld.

Das Party Karma?
Sowas in der Art.

Und wie wurdest du den Stil deiner Kunst beschreiben? Es ist irgendwie absichtlich…
Scheiße.

Das hast du gesagt.
Wir wollten immer, dass es sich wirklich selbstgemacht anfühlt, wie eine Rückkehr zum frühen Punk und No Wave - als gäbe es kein Geld dafür, echte Kunst zu machen. Es sah immer ein bisschen verpeilt scheiße aus. Ich mag, wie das aussieht - Ich finde das sehr erfrischend. Unser Zeug ist wohl auch eine Reaktion auf all das aalglatte Zeug, das in den 90ern rausgekommen ist.

Benutzt du überhaupt Computerprogramme für die Entwürfe?
Naja, ich habe mir bewusst gemacht, dass das Erste, was ich gemacht habe, ein Flyer für eine Party war. Ich wollte es wirklich schnell machen, also benutzte ich den Computer im Büro von DFA, aber James hatte nichts außer Photoshop. Ich habe es handgezeichnet, eingescannt und sprichwörtlich jeden Buchstaben einzeln manuell in Photoshop eingefügt.

Wie einen Erpresserbrief?
Ja, es hat ewig gedauert. Es war richtig nervtötend und lächerlich, aber es hat funktioniert und uns eine Art Leitsatz verschafft. Alles sieht ein bisschen unglücklich aus. Im Wesentlichen ist es eine Verbindung von Computer und Handarbeit.

Und wo kam der Blitzschlag her?
Naja, um den Blitz gibt es große Debatten. Eines Tages ging ich ins DFA-Büro, wo ein Stück Millimeterpapier mit einer Menge Gekritzel drauf lag und auch der Blitz, in den die Buchstaben DFA geschrieben waren. Ich bin voll drauf abgefahren. Es gibt einen Streit darum, wer den Blitz nun tatsächlich gezeichnet hat, aber wir lassen James denken, dass er es war und Tim ebenfalls, dass er es war. So ist es eigentlich perfekt. Ich habe ihn mir sowieso gegen deren Widerstand für einen Flyer zu Eigen gemacht, doch ich habe dafür gekämpft, und womöglich sind sie nun darüber hinweggekommen und haben angefangen, ihn zu lieben.

Und deswegen bist du der Art Director.
Ha, ja genau.