Was Menschen in den ärmsten Regionen der USA über den Wahlkampf denken

"Solange Amerika für Trump stimmt, wird alles gut. Es wäre es eine gute Sache, die ganzen Migranten rauszuschmeißen." – Fotos und Geschichten der Menschen entlang des Mississippis.

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Nov. 7 2016, 11:22am

Wir machten uns auf zu den Sümpfen Louisianas und bis nach Memphis. Entlang des Mississippis suchten wir nach dem Amerikanischen Traum—nach Hoffnung in einer der ärmsten Gegenden der USA. In das "Armenhaus Amerikas", wie die Region auch heißt. Dort, wo fernab der Großstädte Holzhütten, Ackerbau und Fischzucht die Landschaft des Mississippis prägen. Nicht ohne Grund entstand hier der Delta Blues.

Vielleicht mehr als in jeder anderen Region der Staaten zeigt sich hier, wie wenig sich die Menschen von der anstehenden Präsidentschaftswahl erwarten. Politik ist hier für viele ohnehin weniger drängend als die neue Beinprothese, die teuren Studiengebühren oder der Stundenlohn von weniger als drei Dollar. Sie werden wohl das kleinere Übel wählen—oder das, was besser klingt. Aber eigentlich wollen viele weder Donald Trump noch Hillary Clinton als Staatsoberhaupt.

Wir sprachen mit Studenten, Migranten, Enttäuschten und Hoffnungsvollen. Woran glauben sie, jetzt, so kurz vor der Wahl?

Jaylen (18), West Helena, Arkansas

"Du musst dich für die Person entscheiden, die dir selbst am meisten bringt. Ich werde vermutlich Clinton wählen. Trump hat zwar auch gute Punkte, aber du musst das Negative an ihm sehen. Wie kannst du für die Wahl zum Präsident antreten, wenn du dir aussuchst, zu wem du gut bist und zu wem nicht. Ein Präsident sollte alle Menschen gleich fair behandeln. Wenn ich etwas ändern könnte in diesem Land: Gleichberechtigung. Und jeder, der krank ist, sollte Hilfe bekommen."

Joe (71), Renter, West Helena, Arkansas

"Solange Amerika für Trump stimmt, wird alles gut werden. Er wird viel verändern. Er wird Amerika wieder zu dem machen, was es einmal war. Das Schulsystem muss deutlich besser werden. Kinder müssen hier ein, zwei Stunden mit dem Bus zur nächsten Schule fahren. Außerdem wäre es meiner Meinung nach eine gute Sache, die ganzen Migranten rauszuschmeißen. Es sind einfach zu viele. Für die Mexikaner ist es an der Zeit umzukehren. Aber ich kenne ein paar hier in der Stadt, die sind hier geboren und aufgewachsen. Das sind Amerikaner."

Ashley (17), Studentin an der Valley State University

"Trump ist ein Kapitalist, Clinton dagegen ist als Lügnerin bekannt. Die USA sind zum Scheitern verurteilt. Ich komme aus Nigeria und überlege, dorthin zurückzugehen. Ich wünsche mir, dass die Studiengebühren gesenkt werden. Uns wird erzählt: Geh zur Schule, sieh zu, dass du dich bildest. Aber wer einmal einen Collage- oder Uni-Abschluss hat, hat danach hohen Schulden, die du nicht so einfach zurückzahlen kannst. Ich selbst bekomme ein Stipendium für Leichtathletik. Aber selbst das reicht nicht, um die 7.000 Dollar pro Semester zu bezahlen. Ich finde, Michelle Obama sollte die nächste Präsidentin werden."

Lana (26) , Kellnerin, Memphis, Tennesee

"Ich mag Hillary nicht besonders, doch ich stimme dennoch für sie, auch wenn Tennessee immer republikanisch bleiben wird und meine Stimme somit für die Präsidentschaftswahl nicht zählt. Die Menschen hier im Süden stimmen für Trump, da sie zu beschäftigt sind mit ihrem harten Alltag und sich nicht um Politik kümmern wollen. Ich hoffe, dass die Demokraten im Kongress die Mehrheit bekommen. Dann wäre Hillary handlungsfähiger, als es Obama die letzten Jahre war. Außerdem hätte Bernie Sanders den Vorsitz. Das wäre gut. Wir brauchen ein Grundeinkommen, keinen Mindestlohn. Ich habe ein abgeschlossenes Bachelor-Studium und arbeite trotzdem als Kellnerin für 2,35 Dollar plus Trinkgeld."

Joe, Rentner, Lafitte, Louisianna

"Ich fühle mich alleingelassen. Nach einer OP entzündete sich mein Knie, und mein Bein musste amputiert werden. Ich habe 15.000 Dollar für einen Anwalt ausgegeben, doch er hat nichts erreicht. Ich habe nie eine Entschädigung gesehen. Wir brauchen eine vernünftige Krankenversicherung. Außerdem sollten wir mehr für unsere Veteranen tun. Trump wäre der Richtige. Hillary lügt zu viel."

David (20) aus Kandada, Student an der Valley State University

"Viele meiner Freunde haben gesagt, sie wollen zu mir nach Kanada kommen, wenn Trump gewinnen sollte. Ich weiß nicht, ob die alle in mein Haus passen werden. Ich glaube, die momentane Situation ist ziemlich vermasselt. Bei beiden Kandidaten weiß man nicht, was sie in der Zukunft machen werden, wofür sie stehen, da sie ihre Aussagen so oft verändert haben."

Bethany (18), Atlanta, Georgia

"Hillary manipuliert die Leute und Trumps 'Locker Room Talk' hätte nicht sein müssen. Ich glaube nicht alles, was Trump sagt, aber ich glaube, dass sein Weg der einfachere sein wird. Ihrer dagegen wird schwerer. Beide sprachen in den Debatten vom Gleichen, nur wollen sie es anders umsetzten. Es ist schwer für jemanden wie mich, sich zu entscheiden. Ich bin politisch nicht ausreichend gebildet. Da geht es mir wie vielen jungen Leuten. Uns interessiert viel mehr der Entertainment-Kram als die wichtigen Dinge. Also sind wir einfach für das, was gut klingt."

Craig, Gun Show, Atlanta

"Er ist nicht perfekt. Keiner der beiden ist perfekt genug, um Präsident zu werden. Das größte Problem, das wir haben, ist der Mangel an Jobs. Gerade für die Jugendlichen. Die rutschen ab, wenn sie nichts zu tun haben. Trump weiß, wie man Sachen organisiert, um sie auch erledigt zu bekommen. Wir brauchen Veränderung. Es gibt zu viel Korruption in der Politik. Trump ist noch kein Politiker, daher gebe ich ihm eine Chance. Wer weiß, ob er es überhaupt schaffen wird."

Arjeh, Rabbi, New Orleans, Louisianna

"Obama ist clever, Trump nicht. Allerdings sollte es Mauern geben, jeder braucht Mauern. Nicht um zu separieren, sondern um Strukturen zu behalten. Ich glaube auch, dass Hillary eine Art Mauer bauen wird. Ich hoffe, dass niemand Waffen besitzt, allerdings weiß ich sicher, dass Leute hier Waffen haben. Und wir brauchen mehr Waffen. Ich sollte eine Maschinenpistole zu Hause haben, um mich und meine Familie vor den Bösen zu schützen. Wenn verantwortungsbewusste Menschen Waffen besitzen, würde ich mich hier sicherer fühlen. Wie in Israel. Aber generell bin ich gegen Waffen. Du kannst sie nicht alle aus diesem Land entfernen, das ist unrealistisch. Für mich gibt es aber Wichtigeres als Politik. Gott."

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