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Die längste Wahl der Welt

Van der Bellen sagt den Demagogen und Populisten den Kampf an

In seiner Rede anlässlich des Wahlsieges von Donald Trump zeigt sich Van der Bellen ungewohnt angriffig.

Seit am Mittwochmorgen bekannt wurde, dass Donald Trump tatsächlich die Wahl zum US-Bundespräsidenten gegen Hillary Clinton gewonnen hat, haben ihm einige österreichische Politiker zum Wahlsieg gratuliert—unter anderen Heinz-Christian Strache, Norbert Hofer und Reinhold Lopatka. Derzeit weiß niemand so genau, was Trumps Sieg für Europa, Österreich und die Bundespräsidentschaftswahl am 4. Dezember bedeuten wird. Manche denken, dass das Ganze nur Norbert Hofer nützen kann, weil er zeigt, was alles geht und dass man mit der Establishment-Erschütterer-Nummer ziemlich weit kommen kann.

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Am Donnerstagvormittag hat sich nun auch Alexander van der Bellen im Rahmen einer Pressekonferenz ausführlich zum Sieg von Donald Trump und dessen Auswirkungen geäußert. In seiner Rede, die auch live auf Facebook gestreamt wurde, betont Van der Bellen, dass der Wahlsieg von Donald Trump aufgrund des Wahlkampfstils und inhaltlichen Punkten auch für ihn ein Schock war—und dass der Sieg auch uns betreffen wird. Man müsse sich ähnlich wie beim Brexit fragen, was bei dieser Wahl in Bewegung gekommen ist und was mögliche Ursachen für das Erstarken von demagogischen und populistischen Phänomenen sei, so Van der Bellen weiter in seiner Rede.

Dann hat Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen eine Seite von sich gezeigt, die man bisher in dieser Form noch nicht kannte—er sprach eine regelrechte Kampfansage aus: "Jetzt ist sicher nicht der Zeitpunkt, wo man sagen darf: 'Naja, Trump hat gewonnen, der Brexit ist passiert, da kann man halt nichts machen.' Da kann man sehr viel machen—das muss und darf man nicht hinnehmen. Jetzt ist der Zeitpunkt, sich den Demagogen und Populisten, ob sie jetzt Le Pen oder anders heißen, entgegenzustellen und zu sagen: 'Mit uns nicht. Mit mir nicht.'"

Natürlich spricht Van der Bellen hier von der Bundespräsidentenwahl am 4. Dezember. Er geht auch auf seinen Kontrahenten Norbert Hofer ein: "Wenn mein Kontrahent von der FPÖ am 4. Dezember die Mehrheit erhalten sollte, kommt nichts weniger als die blaue Republik und die Machtübernahme der FPÖ. Darüber hat uns die Führung der FPÖ nicht im Zweifel gelassen. Sie erinnern sich ja: Man wird sich noch wundern, was alles geht. Und ich möchte nicht, dass Österreich das erste westeuropäische Land wird, an dessen Spitze ein rechtspopulistischer, deutschnationaler Burschenschafter steht. Ich bin mir sicher, dass die breite Mehrheit in Österreich das auch nicht möchte."

Er verstehe, dass in der Bevölkerung Frust herrsche—und zum Teil sei dieser auch berechtigt. Man dürfe den Unterschied zwischen realen Ängsten und gesäter Zwietracht nicht aus den Augen verlieren. "Denn wenn die Fenster in einem Haus undicht sind, ist das noch lange kein Grund, das Haus niederzubrennen. Dann muss man einfach die Fenster reparieren."

Verena auf Twitter: @verenabgnr