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Vom Elitesoldat zum Bodyguard: Der Ex-Leibwächter von Brangelina im Interview

Mark Billingham war 27 Jahre bei der britischen Eliteeinheit SAS, er hat im Irak gekämpft—und die Jolie-Pitt-Kinder auf der Hüfte durch Hollywood getragen.

von Tom Usher
19 Oktober 2016, 8:10am

Mark "Billy" Billingham | Foto mit freundicher Genehmigung von Channel 4

Wer sind wohl die toughsten Bastarde der Welt? Es gibt einige Anwärter: MMA-Kämpfer, Shaolin-Kampfmönche, die amerikanischen Navy Seals, die deutsche GSG 9, oder die israelische Sajeret Matkal? Alles gute Vorschläge. Doch viele sagen, die härteste Eliteeinheit der Welt sei der britische Special Air Service (SAS). Kein Wunder also, dass viele SAS-Mitglieder nach ihrem Dienst für die Krone dazu übergehen, die Reichen und Berühmten zu schützen.

Mark "Billy" Billingham war 27 Jahre lang beim SAS. Er hat im Irak gekämpft und erhielt die Queen's Commendation for Brave Conduct, nachdem er einen IRA-Heckenschützen festnahm, dem er sich selbst als Köder präsentiert hatte. Er trägt außerdem den prestigeträchtigen Titel MBE, Member of the Most Excellent Order of the British Empire, und ist aktuell in einer Survival-Show im britischen Fernsehen zu bewundern, die den Namen SAS: Who Dares Wins trägt. Doch davor hat er als Bodyguard für Angelina Jolie, Brad Pitt, Tom Cruise, Kate Moss, Russell Crowe und Clint Eastwood gearbeitet.

Sean Penn. Er ist ein toller Kerl—wirklich super nett—, aber weißt du was? Er kann auf sich selbst aufpassen.

VICE: Hi, Billy. Wie bist du dazu gekommen, weltberühmte Menschen zu schützen?
Mark "Billy" Billingham: Das war einfach der naheliegende Schritt. Ich bekam schon die ersten Anfragen, bei A-Promis auszuhelfen, als ich noch zum Regiment gehörte. Der erste war Tom Cruise. Ein Freund hatte mich empfohlen, und dann hat sich alles daraus ergeben.

Warum arbeiten so viele Ex-SAS-Typen mit weltberühmten Promis?
Das läuft hauptsächlich über Mundpropaganda. Berühmtheiten wollen den besten Schutz, und der SAS bietet genau das. Sie hatten meist schon SAS-Bodyguards, also wollen sie natürlich weiterhin die besten.

Wie schwierig ist es, Mitglied des SAS zu werden?
Lass es mich so sagen: Es gab 280 Bewerber und sieben davon wurden genommen. Das sind die härtesten physischen und geistigen Prüfungen, die du dir vorstellen kannst. Du musst eine körperlich robuste Person [Mann, Anm. d. Red.] sein, aber das Wichtigste ist dein Geist. Es geht darum, wie du denkst, wie du Dinge siehst, wie du interpretierst. Ob du Integrität besitzt.

Was macht Menschen wie dich zu so guten Bodyguards?
Als Bodyguard dreht sich alles um vorausschauendes Handeln. Es geht nicht darum, ein Frauenschwarm mit Sixpack zu sein. Es geht darum zu wissen, wo die Fluchtwege sind, Alternativpläne zu haben, Situationen einzuschätzen. Bei uns geht es immer darum, unter Hochdruck die Ruhe zu bewahren und Konflikte zu meiden. Wenn alle anderen den Kopf verlieren, sitzt unserer noch und bleibt kühl.

Das Hollywood-Paar Angelina Jolie und Brad Pitt

Gab es Promis, die so schlimm waren, dass du dich ins Kriegsgebiet zurückgewünscht hast, nur damit du nichts mit ihnen zu tun haben musst?
Bisher waren alle wirklich nett, muss ich sagen.

Wie sieht es mit Kate Moss aus, wie war sie so?
Sie war Kate Moss. Sie war anders. Sie war professionell und gut in dem, was sie tat. Ich habe sie nicht so gut kennengelernt, weil damals viel los war. Wir hatten alle Hände voll mit den Paparazzi, die uns überall hin folgten. Aber sie hat mich respektiert und immer getan, worum ich sie gebeten habe, wir hatten eine gute Arbeitsbeziehung.

Wer ist die netteste Person, auf die du aufgepasst hast?
Ich habe die meiste Zeit mit Brad und Angelina verbracht, also bin ich wahrscheinlich in dem Punkt voreingenommen.

Wie sind die beiden so als Menschen?
Sehr professionell, sehr motiviert, unheimlich viel Energie—sogar noch mehr als ich. Sie waren so gut darin, ihr Leben zu planen und immer Zeit für ihre Kinder und ihre Charity-Projekte zu finden. Ehrlich gesagt finde ich es unglaublich—die beiden stehen unter so viel Druck, immer gut auszusehen und gut zu sein, während alle eine Schwäche oder einen Schandfleck suchen, weil sich das besser verkauft. Unter diesen Umständen so gut klarzukommen, ist eine Leistung.

Was war dein schlimmstes Erlebnis mit einem Promi? Ich schätze, die meisten Sachen sind recht trivial, aber hast du dir zu irgendeinem Zeitpunkt wirklich Sorgen gemacht?
Definitiv. Wie du schon sagst, die meiste Zeit macht man sich eher Gedanken darüber, was man tun soll, wenn ein Kleid einen Kaffeefleck abkriegt. Aber ich erinnere mich an einen Vorfall mit Brad und Angelina bei einem Filmfestival in Toronto. Ich war alleine mit den beiden im Auto und der Fahrer explodierte schon fast wegen der Menschenmenge. Es war das pure Chaos, die Leute versuchten, die Autotüren aufzureißen, und versperrten uns den Weg. Sie versuchten, mich aus dem Auto zu zerren. Brad und Angelina erwarteten von mir eine Lösung. Die Lösung sah so aus, dass wir das Fahrzeug da rausbekommen, die Innenstadt verlassen und die Party absagen mussten, die Brad und Angelina geben wollten. Wir können von Glück sprechen, dass wir niemand überfahren haben.

Musst du in gefährlichen Situationen auch manchmal gegen die Wünsche deiner Schützlinge handeln?
Mein Job ist es, die Klienten um jeden Preis zu beschützen. Wenn ich ihnen mitteile, dass eine Situation nicht sicher ist, dann akzeptieren sie das meist. Sie können sich natürlich darüber hinwegsetzen, aber bisher hatte ich immer das Glück, dass meine Klienten auch tun, was ich ihnen sage.

Welcher Klient war dein härtester Fall?
Sean Penn. Er ist ein toller Kerl—wirklich super nett—, aber weißt du was? Er kann auf sich selbst aufpassen.

Danke, Billy.

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