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Drogen

Endlich: Deutsche dürfen in Eindhoven wieder in die Coffeeshops

Der Bürgermeister hat entschieden, dass der Weed-Verkauf doch lieber wieder im Shop statt auf der Straße stattfinden soll.

von Michael Knodt
26 Juni 2015, 12:45pm

Da freut sich sogar die holländische Königin! Foto: imago/Belga

Die Zeiten, in denen man mal schnell mit dem Regionalexpress von Mönchengladbach oder Düsseldorf zum Kiffen nach Eindhoven gefahren ist, waren seit der Einführung des so genannten „I-Kriteriums" vor drei Jahren passé. Wo das „I-Kriterium" zur Anwendung kommt, dürfen nur in den Niederlanden gemeldete Personen Gras im Coffeeshop kaufen. Wer woanders wohnt, muss ganz draußen bleiben.

Das „I-Kriterium" beschränkte sich anfangs auf die drei südlichen Grenzprovinzen Zealand, Noord-Brabant und Limburg. Mittlerweile gilt es aber nicht nur in einigen grenznahen Gemeinden, sondern zum Beispiel auch in DenHelder im Westen des Landes.

Insgesamt scheint die einst sehr strenge Handhabung aber immer mehr Lücken aufzuweisen. Städte wie Arnheim, in denen es eine Weile galt, kontrollieren seine Einhaltung nicht mehr. Die Lage ist unübersichtlich, aber entspannter als 2013 und 2014.

Da die Kontrolle und Lizenzierung der Hanf-Fachgeschäfte in den Niederlanden in den Zuständigkeitsbereich der Städte fällt, ist es eigentlich das jeweilige Stadtoberhaupt, das über das Schicksal der örtlichen Coffeeshops entscheidet. Schuld an dem ganzen Stress ist Ex-Innenminsieter Ivo Opstelten (VVD), der jahrelang versucht hatte, mit immer wahnwitzigeren Regeln die Coffeeshop-Szene kleinzukriegen.

Sein erster Coup von 2012, das „I-Kriterium", stößt dabei aber auf lokaler Ebene auf immer mehr Widerstand. Opstelten selbst stolperte übrigens kürzlich über eine Falschaussage in einem Prozess gegen einen Haschdealer und musste zurücktreten.

Die Abschaffung des I-Kriteriums soll Kriminalität und Straßenhandel in den Griff kriegen

Coffeeshops sind auch in den Niederlanden ein Politikum, und so kommt es häufiger vor, dass im Rathaus mit einem neuen Bürgermeister auch eine neue Drogenpolitik einzieht. Vergangenes Jahr haben Vertreter von 53 Gemeinden die „Soft-Drug"-Politik kritisiert und gefordert, Cannabis im Rahmen eines „Joint Venture" stattdessen zu legalisieren und staatlich zu regulieren. Derzeit sind auch Coffeeshops nur geduldet und machen sich beim Einkauf ihres Weeds strafbar. Das heißt in Holland Backdoor-Problematik und beschreibt den Moment, wo Gras „legal" wird: Erst an der Hintertür des Shops.

Einer der Unterzeichner des „Joint Venture" war Eindhovens Bürgermeister Rob van Gijzel (PvdA). Nachdem das I-Kriterium in den Nachbargemeinden gerüchteweise immer lascher kontrolliert wurde, hatte van Gijzel kürzlich prüfen lassen, welche Städte in der Grenzregion überhaupt überwachen, ob Touristen in Coffeeshops bedient werden. Er stellte fest, dass Venlo, Arnheim, Heerlen sowie acht andere Gemeinden der Region Limburg das „I-Kriterium" schon seit geraumer Zeit nicht mehr kontrollierten.

Deshalb hat der Bürgermeister der fünftgrößten Stadt des Landes jetzt angekündigt, die Diskriminierung ausländischer Kiffer auch in Eindhoven offiziell zu beenden. Man setzt das umstrittene Regelwerk jetzt für ein halbes Jahr aus. Nach dessen Einführung klagten viele Anwohner in grenznahen Gemeinden mit I-Kriterium vermehrt über massiven Straßenhandel, den man in den Niederlanden seit der Einführung von Coffeeshops schon fast vergessen hatte. Damit ist es jetzt dort, wo Besucher wieder im Shop Weed kaufen dürfen, wohl wieder vorbei.

Insgesamt wenden weniger Städte das I-Kriterium an, als das noch vor ein oder zwei Jahren der Fall war. Doch besonders in Maastricht und Umgebung sieht es für deutsche oder belgische Tagesbesucher immer noch schlecht aus. Dort ist die Kriminalitätsrate seit Einführung des I-Kriteriums massiv gestiegen, der Straßenhandel blüht. Ex-Bürgermeister Onno Hoes und seine Nachfolgerin Annemarie Penn-te Strake weigern sich trotzdem beharrlich, den Maastricher Bürgerinnen und Bürgern die Straßenszene vom Hals zu schaffen, indem sie die Touristen endlich wieder in die Coffeeshops lassen.

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