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Betrunkene Zivilpolizisten haben einen Schwarzen angegriffen, als er einen Streit schlichten wollte

Liam G. wurde Zeuge, wie zwei Männer einen Schwarzen in einem Berliner Park verprügelten. Als er einschritt, wurde er ebenfalls verprügelt—und die Täter stellten sich als Polizisten heraus.

von Matern Boeselager
02 September 2014, 4:38pm

Der Goerlitzer Park. Foto: Georg Slickers | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Heute hat der Prozess gegen zwei Polizisten begonnen, die vor genau einem Jahr völlig betrunken einen Liam G. im Görlitzer Park angegriffen und verprügelt haben sollen. Zusammen mit mehreren anderen Zeugen hatte Liam G. am Morgen des 2.9.2013 beobachtet, wie zwei weiße Männer einen Schwarzen im Görlitzer Park verfolgten und ihn immer wieder mit Fußtritten und Schlägen malträtierten. Laut eigener Aussage, die im heutigen Prozess von mehreren Zeugen gestützt wurde, versuchte Liam G. das Handgemenge zu schlichten—worauf die beiden Männer ihn angriffen. Ihr erstes Opfer floh und verschwand, während die beiden Männer nun den Schlichter bearbeiteten.

Unbeeindruckt von den Rufen der kleinen Menge, die sich um die drei gebildet hatte, versuchten die beiden stark betrunkenen Männer weiter, Liam G. zu Boden zu schlagen. Als die Umstehenden die Polizei rufen wollten, gaben sie sich selbst als Polizisten zu erkennnen. Laut Biplab Basu von Reach Out Berlin, der Liam G. nach dem Vorfall beriet, schlugen die Zivilpolizisten danach aber weiter auf ihr Opfer ein, bis tatsächlich vier Polizisten in Uniform auftauchten.

Die ankommenden Polizisten wollten zuerst Liam G. verhaften und konnten nur mit Mühe von den Umstehenden überzeugt werden, dass er nur versucht habe, einen anderen Streit zu schlichten. Schließlich wurde gegen Liam G. eine Anzeige wegen Körperverletzung erstattet, gegen die beiden Zivilpolizisten eine wegen Körperverletzung im Amt. Laut Basu wurde die Anzeige gegen Liam fallengelassen, die die Ermittlungen gegen die Beamten haben schließlich zu dem heutigen Prozess geführt.

Im Prozess bestätigten mehrere Zeugen den Vorfall. Die beiden angeklagten Polizisten ließen ein Statement verlesen, indem sie angaben, so betrunken zu sein, dass sie nicht mehr genau sagen könnten, warum sie ihr erstes Opfer überhaupt verfolgt hätten. Der Mann hätte versucht, ihnen Drogen zu verkaufen, sie könnten aber auch nicht sagen, ob sie ihn deswegen verhaften wollten. Sie räumten laut Basu ein, sich nicht korrekt verhalten zu haben. Der Prozess wird am 23.9. fortgesetzt, dann sollen die herbeigerufenen Polizisten aussagen.

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