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The VICE Guide to Europe 2014

The VICE Guide to Mailand 2014

Die Leute hier sehen so gut aus, dass sie nicht mal high sein müssen, um jemanden abzukriegen.

von VICE Staff
30 Juni 2014, 3:50am

Fotos: Glauco Canalis soweit nicht anders angegeben

Auch wenn die meisten Touristen es vorziehen, sich in Rom oder Florenz zu langweilen, hier in Mailand haben wir das beste Essen, die coolste Mode und die schönsten Menschen. Außerdem gehen wir alle gern früh ins Bett, weswegen du hier niemandem vormachen musst, dass du dir immer noch gerne die Nacht in irgendwelchen Clubs um die Ohren schlägst. Und falls du wirklich noch darauf stehen solltest,ist es sowieso an der Zeit, dass du dir mal eine Pause gönnst.

Zu den einzelnen Rubriken:

FEIERN
WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
LGBT MAILAND
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

Mailand langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 15 andere Städte-Guides.

Feiern

Die Milanesen sind nicht gerade als die größten Partylöwen des Planeten bekannt. Wir sind nicht mal die größten Partylöwen Italiens. Ehrlich gesagt gibt es wahrscheinlich Beduinen, die mehr von Raves verstehen als wir, und die meisten von uns sind froh, wenn sie früh ins Bett kommen und ihren Schönheitsschlaf bekommen.

Du solltest also nicht erwarten, dass irgendeine Lokalität hier länger als bis fünf Uhr morgens geöffnet hat. Trotzdem haben wir ein paar Clubs, die sich alle Mühe geben mit der Techno-Szene in London oder Berlin mitzuhalten. Wie zum Beispiel der Dude Club in Lambrate.

Im kleinen Rocket, das früher nur eine Barlizenz hatte, war das Tanzen bis vor einiger Zeit verboten. Inzwischen haben sie eine richtige Clublizenz und die Partys dauern bis zum frühen Morgen. Dabei weißt du hier nie, was du bekommst. Ein mal triffst du auf die gut aussehenden Indie-Kids, der Stadt, die zu den alten Hymnen von 2001 ihre Runden auf der Tanzfläche drehen. Ein anderes mal legt hier vielleicht irgendein Typ Italo-Schlager auf. Aber egal, was der Abend bringt, das Tanzen ist hier zumindest keine Straftat mehr, sondern eine Pflicht.

Eine weitere Ausgeh-Alternative ist der Tunnel Club unter einer Eisenbahnbrücke nahe des Hauptbahnhofs im Nordosten der Stadt. Die alten Backsteinmauern und Stahlrohre sorgen für die richtige Underground-Atmosphäre und die Gast-DJs zählen zu den Techno-Größen Europas. Ab und an gibt es auch Live-Gigs, wie zum Beispiel von den Wild Beasts und St Vincent. Davon abgesehen ist es eine viel schönere Idee, den alten Eisenbahntunnel als Club zu nutzen—und nicht als Lagerraum für Mafia-Leichen.

Und nun zu den schlechten Nachrichten. Einst hatten wir in Mailand ein Label namens Buka, das gerne zu fantastischen Club-Nächten voller Underground-Electronica in irgendwelchen zwielichtigen Lokalitäten einlud. Leider gibt es das Label heute nicht mehr, aber wir hoffen immer noch darauf, dass es irgendwann wieder auferstehen wird. Die Chancen dafür stehen nicht allzu schlecht, also haltet Augen und Ohren offen, wenn ihr hier seid.

Davon abgesehen sollte wohl klar sein, dass die überteuerten Clubs in der Innenstadt ein absolutes No-Go sind. Es sei denn du bist Fußballprofi oder jemand, der gern Sex mit einem Fußballprofi hätte (wobei es sich dabei um ein ehrenhaftes und durchaus umsetzbares Ziel handelt).

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WIE SIEHT´S MIT DROGEN AUS?

Seit 2006 hatte Italien die härtesten Anti-Drogen-Gesetze in ganz Europa, bekannt als die „Legge Fini-Giovanardi“ (nach Gianfranco Fini und Carlo Giovanardi, den beiden rechten Arschlöchern, die sie uns eingebrockt haben). Zum Glück hat sich die Lage inzwischen etwas beruhigt und die Gesetze sind nicht mehr in Kraft. Trotzdem ist Mailand alles andere als eine tolerante Stadt. 

In Italien an gutes Gras zu kommen, ist gar nicht so einfach. Am besten lernst du erstmal ein paar neue Leute kennen und findest einen Dealer, dem du vertrauen kannst. Im Gegensatz zu härteren Drogen, deren Handel immer noch von der Mafia kontrolliert wird, wird das meiste Weed, das du hier bekommst, in Italien selbst angebaut. Haschisch ist inzwischen schwerer zu bekommen und deshalb teurer als Grass.

Wie du dir sicherlich denken kannst, gibt es in einer Stadt, in der die Modeindustrie eine so große Rolle spielt wie in Mailand, viel, viel Kokain. Abgesehen von Fashion-Partys, findest du es auf Raves, in Restaurants, in der Vorstadt und so ziemlich überall dort, wo Urinproben gelagert werden—schließlich hat eine Abwasserstudie im Jahr 2011 belegt, dass in der Stadt jährlich 330 Kilo Kokain konsumiert werden.

MDMA, Speed und Ketamin sind uns nicht gänzlich unbekannt, aber wir sind hier nicht in Berlin oder Amsterdam. Sorry, Leute. 

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Foto via)

POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

Mailand ist der Ort, an dem Berlusconi mit einer Ministatue der Kathedrale von Duomo aufs Maul gekriegt hat, daher sind wir merkwürdige politische Momente durchaus gewöhnt. Die 70er Jahre waren auch bei uns die Hochzeit des Terrorismus, sowohl von links als von rechts und noch heute ist die Stadt politisch in zwei Lager gespalten. Die Linken haben dabei zwar die Oberhand, doch die Rechten gewinnen an Stärke. Die Parteien beider Seiten haben ihre Niederlassungen in der Stadt, doch eigentlich sieht man ihre Mitglieder nur während großer Veranstaltungen in der Öffentlichkeit.

Natürlich gibt es in der Stadt noch viel mehr Gruppen unterschiedlichster Ideologien, die Mailands Straßen unter sich aufgeteilt haben. So findest du in der Conchetta Straße im Süden der Stadt das Cox 18, ein Haus, das von den Linken seit 1976 besetzt wird. Das Bier dort ist billig und manchmal veranstalten die Bewohner ganz anständige Gartenpartys, deren eigentliches Ziel es ist, die Nachbarn zu nerven. Wenn du auf Bücher und Bärte stehst, bist du hier definitiv am richtigen Ort. 

Ein paar Kilometer entfernt gibt es mit dem Vittoria ein weiteres besetztes Haus, wo du Rotwein aus Plastikbechern trinken und über Feminismus diskutieren kannst. Weiter nördlich findest du das Macao, das milanesische Künstlerhaus. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen Schlachthof, der jetzt für Performances und Installationen genutzt wird. Hier kannst du ganz entspannt einen Drink zu dir nehmen, ohne dass dich jemand sofort in ein Gespräch über Politik verwickeln wird. Die Besitzer sind zwar definitiv links, aber nicht von der militanten Sorte.

Der Norden der Stadt ist ebenfalls zwischen den linken und rechten Gruppierungen aufgeteilt. Hier findest du das Presidio (rechts), das T28 (links), das Leoncavallo  (Mittelklasse-links) und das Torchiera (Reggae-links). Das Presidio ist die Niederlassung der Forza Nuova, einer nationalen und rechtsextremistischen Partei. Am Empfang hängt alles voller Flaggen mit dem Keltenkreuz drauf und jeden Donnerstag gibt es irgendein Skinhead-Konzert. Das T28 ist ein besetztes Haus in der Nähe der Piazza Loreto. Das Haus sieht aus, als würde es jeden Moment auseinander fallen, dafür ist der Weinvorrat der Linken schier unerschöpflich. Das Leoncavallo ist ein traditionsreiches linkes Haus, in dem an Montagen politische Debatten abgehalten werden, während den Rest der Woche nur noch auf Goa-, Dub- und Psychedelic-Partys gefeiert wird. Weiter oben im Norden findest du das Torchiera, ein ehemaliges Bauernhaus, das an einen Friedhof angrenzt. Es ist eine Art Roma-Camp und gleichzeitig ein sehr guter Ort, um Reggae zu hören und Sangria zu trinken.

Jetzt hast du eine ungefähre Ahnung davon, wie es hier so läuft.

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Proteste gibt es in Mailand mindestens ein paar mal im Monat. Manchmal gibt es aber auch wöchentlich eine Demonstration oder sogar öfter. Abgesehen von Streiks im öffentlichen Nahverkehr, passiert das meiste im Frühsommer zwischen April, Mai und Juni, wenn die linken Studenten lieber auf der Straße rumhängen als in den Vorlesungsräumen. Die rechten kommen dann auch raus, aber nur, weil sie Angst haben, dass man sie sonst vergisst.

Dann kommt der Sommer und die Proteste machen erstmal Pause. Über das ganze Jahr verteilt gibt es eine Reihe von historischen Gedenktagen. Die meisten von ihnen haben eine Verbindung zum Zweiten Weltkrieg und zum Italienischen Widerstand—Mailand wurde für seine Rolle im Widerstand vom Staat mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und es ist auch die Stadt, in der Mussolinis Leiche mit dem Kopf nach unten öffentlich aufgehängt wurde. Die Faschisten veranstalten ebenfalls Gedenktage, was wiederum die Antifaschisten auf den Plan ruft, die dagegen protestieren.

Manchmal geraten die Demos außer Kontrolle, besonders wenn die Polizei auf Kampfmodus umschaltet. Das größte Problem dabei ist jedoch, dass die Straßen während der Proteste gesperrt werden und nicht mehr passierbar sind. Wenn du shoppen gehen willst, solltest du also darauf achten, dass du dabei nicht aus Versehen auf irgendeine Demonstrationsroute gerätst.

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Im Jahr 2013 waren 20 von 100 Einwohnern von Mailand Immigranten. Die meisten von ihnen kommen aus Asien, Osteuropa und Afrika, und wie überall sonst auf der Welt, wohnen die verschiedenen Einwanderergruppen in bestimmten Teilen der Stadt: Die Chinesen und Philippinen leben gleich außerhalb des Zentrums, zwischen dem Friedhof Monumentale und Arena. Die Slaven teilen sich die zentrale Gegend um die Porta Venezia mit den Immigranten aus Eritrea, die in den 70ern nach Mailand kamen und inzwischen eine gut integrierte Gemeinde bilden, die eigene Restaurants, Bars und Shops betreibt. In der Padua-Straße kommt dann alles zusammen: Peruaner arbeiten als Lieferjungen, während die Ecuadorianer im Park sitzen und Heineken trinken. Die Marokkaner haben Schlachtereien und die Ägypter—die zweitgrößte Gruppe von Einwanderen in ganz Mailand—betreiben Pizzerias. In den Kiosken der Pakistanis wiederum bekommst du Bier für ein paar Euro. 

Das merkwürdige an Mailand ist, dass all diese Gruppen in direkter Nachbarschaft der Niederlassungen der rechten Parteien leben, die seit Jahren versuchen, die Einwanderung zu bekämpfen. Das Büro von diesem Typen hier, der ein großer Fan von Anders Breivik zu sein scheint, liegt direkt neben einem Roma-Markt, während Berlusconis Zentrale nur einen Steinwurf von der Padua Straße entfernt ist.

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Essen

Erba Brusca 
Alzaia Naviglio Pavese, 286, 20142 
„Sie bauen ihren ganzen Scheiß selber an!“ wäre eine unangemessene, wenn auch nicht falsche Aussage, um dieses schöne milanesische Traditionsrestaurant zu beschreiben, denn hier bekommst du ausschließlich Gemüse aus dem hauseigenen Garten serviert. Das 6-Gänge-Probier-Menü für 40 Euro ist die lange Anfahrt in jedem Fall wert. Fall du die Reise dennoch nicht auf dich nehmen willst, empfiehlt sich als Alternative das Un Posto a Milano. Ebenfalls ein rustikales Restaurant im besten Bauernhof-Ambiente, aber direkt in der Stadt.

Osteria Alla Grande
Via delle Forze Armate, 405
Absolut jeder Webdesigner auf dieser Erde könnte etwas von dem Mann lernen, der erkannt hat, dass man für eine traditionelle milanesische Trattoria am besten mit einem Nacktbild des Besitzers bewirbt, der sich eine Adlerstatue vor seine Geschlechtsteile hält. Das Essen beschränkt sich auf die besten lokalen Spezialitäten, weshalb du hier nach Burgern und anderem Fast Food vergeblich suchen wirst.

Trattoria Sabbioneda Da Romolo
Via Alessandro Tadino, 32, 20124
Wenn du schon immer davon geträumt hast, eine italienische Großmutter zu haben, ist diese Trattoria der richtige Ort für dich. Hier gibt es traditionelle Gerichte nach Hausmannsart, wie sie auch unsere Großmütter nicht besser hinbekommen würden. Die Kellner sind unfreundlich und der Chef Romolo ziemlich furchteinflößend. Wahrscheinlich wirst du eine Reservierung brauchen, denn der Laden ist bei Einheimischen unglaublich beliebt. Warum? Weil wir es lieben, wenn die Kellner uns schlecht behandeln.

Luini
Via Santa Radegonda, 16, 20121
Halt dich fern von den Pizzaläden in der Innenstadt. Sie sind nichts anderes als Touristenfallen, die dir lediglich eine schlechte Nachbildung unserer berühmtesten Spezialität andrehen wollen. Wenn du eine echte italienische Pizza willst, hol dir ein Stück bei Spontini  oder gönn dir eine echte neapolitanische Pizza bei Tegamino. Um es aber wie die Einheimischen zu machen, solltest du unbedingt die Panzerotti bei Luini probieren. Sie sehen aus wie Plätzchen sind aber in Wirklichkeit kleine Calzoni. Und sie sind absolut großartig. Weil es bei Luigi keine Sitzgelegenheiten gibt, essen wir sie draußen auf dem kleinen Platz nebenan und beobachten dabei all die gut angezogenen Leute, die vorbei spazieren.

Valà
Daniele Crespi 14 (angolo Cesare da Sesto) 20123
In diesem Laden servieren zwei sehr coole junge Frauen aus Palermo und Modena jeden Tag ein anderes Menü. Auf der Tageskarte findest du dabei aber immer sizilianische und vegane Küche, sowie die berühmten Crescentine aus Modena (leckere, gefüllte Dinger aus Brot). Für veganes Essen empfehlen wir außerdem das etwas teurere Ghea in Porta Genova oder das sehr viel günstigere Alhambra Restaurant ihn Porta Venezia.

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WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Milanesisches Kotelett 
Panierte Kalbskoteletts am Knochen sind bei uns irrsinnig beliebt. Wenn du mit deinem Expertenwissen angeben und absolut niemanden beeindrucken willst, bestelle ein „Elefantenohr“. Die Koteletts haben angeblich eine entfernte Ähnlichkeit damit.

Milanesisches Risotto
OK, OK, Risotto ist jetzt vielleicht nicht, was du dir unter einer ausgefallenen Lokalspezialität vorstellst, aber wir sind nun mal Italiener. Ihr alle habt unser Essen geklaut und aus diesem Grund haben wir nicht mehr so viele Überraschungen zu bieten. Dafür machen wir das Zeug immer noch besser als ihr, also haltet die Klappe.

Casouela
Ich gebe zu, dass ein Gericht aus Schweineüberresten und Wirsingkohl nicht gerade vielversprechend klingt. Noch dazu, wenn das Ganze aussieht wie medizinischer Abfall. Trotzdem ist es wirklich gut.

Pizza
Du denkst du weißt, was Pizza ist? Gut, meinetwegen, wahrscheinlich weißt du tatsächlich, was Pizza ist. Aber wir haben sie erfunden! Zu meinen Lieblingsvarianten zählen die neapolitanische (das Original mit dickem, weichen Boden), die römische (dünn und knusprig) und die Panzerotti (die Mini-Calzoni, die wir dir bereits ans Herz gelegt haben). Natürlich gibt es noch viele, viele mehr. Die einzige Pizza, die du hier nicht finden wirst, ist die mit dem Käse im Rand.

Negroni Sbagliato 
Wenn du trinken willst, wie die Einheimischen, bestell dir einen Negroni Sbagliato als Aperitif. Es handelt sich dabei um die Abwandlung eines klassischen italienischen Cocktails. Er wurde in der milanesischen Bar Basso erfunden und ist eigentlich ein Negroni, bei dem du den Gin durch Prosecco ersetzt. Außerdem gibt es den Spritz, der aus Prosecco, Bitterlikör und Mineralwasser gemixt wird. Der Spritz kommt allerdings ursprünglich aus Venedig und ist somit nicht traditionell milanesisch. Aber egal, hier in Mailand geben wir uns Mühe, den zum Junggesellinenabschiedsgesöff verkommenen Prosecco wieder salonfähig zu machen.

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Trinken

Die besten Orte, um sich in Mailand zu betrinken, findest du in der Gegend um die Ticinese-Porta und Genova-Navigli in der Nähe des Darsena Flusses. Ein Fluss, der sich damit rühmen darf, dass die Kokainkonzentration in seinem Wasser fast so hoch ist wie in London. Trotzdem solltest du lieber nicht aus ihm trinken.

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ÜBERNACHTEN

Unsere Taxis sind überteuert und unserer öffentliches Nahverkehrsnetz ist die absolute Hölle. Um nicht darauf angewiesen zu sein, solltest du dir also eine Bleibe in möglichst zentraler Lage suchen. Deine erste Wahl ist daher das Ostello Bello (ein Bett im Schlafsaal ab 35 Euro), das direkt im Stadtzentrum liegt. Die Besitzer sind jung und haben es hingekriegt, dass das Hostel ziemlich cool aussieht. Außerdem gibt es hier Konzerte, zu denen sogar Einheimische auftauchen, was dir wiederum die Möglichkeit bietet, dir irgendwelche Songs anzuhören, die du garantiert noch nicht kennst, und dabei gleichzeitig ein paar schicke milanesische Freunde zu finden.

Als Alternative dazu kannst du im Monastery Hostel (hier bekommst du ein Bett ab 26 Euro) einen Eindruck davon bekommen, wie dein Leben aussehen würde, wenn du dich dazu entschieden hättest, dem Pfad der Tugend zu folgen. Das Hostel befindet sich in einem Flügel eines Franziskaner-Klosters, ist aber von der Kirche vollkommen unabhängig. Deswegen brauchst du dir hier auch keine Sorgen zu machen, falls du unverheiratet, schwul, jüdisch, trans oder irgendetwas anderes sein solltest, was  dem Vatikan nicht in den Kram passt.

Eine weitere, nette Alternative ist das Biocity Hotel (der Preis für ein Zimmer liegt bei 60 Euro die Nacht). Du findest es in der Nähe des Hauptbahnhofs, und wie der Name schon verspricht, sind sie hier sehr umweltbewusst. Das schlechte Gewissen, das dich wegen deiner CO2-intensiven Reise im Flieger plagt, wird sich dadurch bestimmt beruhigen.

Wenn Natur nicht so dein Ding ist und es dir nichts ausmacht, dein Lager  mitten im lebendigsten und lautesten Teil der Stadt aufzuschlagen, versuch es mit dem BB Hotel Navigli  (die Nacht im Doppelzimmer ab 63 Euro). Die Zimmer sind modern und elegant, und du kannst mit dem guten Gefühl ins Bett gehen, dass du dich hier wirklich im absoluten Epizentrum von Mailand befindest.

Airbnb gibt es hier natürlich auch.

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LGBT MAILAND

Es sollte dich nicht verwundern, dass Mailand als eine Stadt, die seit mehr als 2000 Jahren von der katholischen Kirche dominiert wird, nicht gerade über eine pulsierende Gay-Szene verfügt. Ein paar nette Läden findest du hier trotzdem. Für den Freitagabend legen wir dir das Q21 in der Padova Straße ans Herz, für den Samstag den Glitter Club.

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ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

San Bernardino alle Ossa

Diese kleine Kapelle auf der Piazza Santo Stefano ist vielleicht nicht der erheiterndste Ort auf dieser Erde, aber wenn du leicht morbide bist, wird es dir hier bestimmt gefallen. Die Kapelle aus dem 13. Jahrhundert wurde auf einem Friedhof errichtet und mit echten Knochen dekoriert. Das Highlight ist ein riesiges Kreuz aus Totenschädeln.

Milanesische Trattorias

Glaub ja nicht den Quatsch, dass die italienische Küche sonderlich gesund ist. Besonders nicht hier im Norden, wo selbst das gesündeste Gemüsegericht in Schmalz ertränkt wird. Trotzdem geht es in den Trattorias immer recht lustig zu—denn Schmalz macht gute Laune.

Bagatti Valsecchi House

Wenn du einen Eindruck davon bekommen willst, wie es im Mailand des 16. Jahrhunderts zuging, hast du eine Reihe von Möglichkeiten, dir Kunst und Artefakte aus diese Zeit anzusehen. Um den Effekt noch zu steigern, kannst du dein Iphone zertrümmern, deines Kreditkarten zerschneiden und dich mit Tuberkulose infizieren.

Frip

Wenn du in Mailand als Einheimischer durchgehen willst, gibt es zwei Dinge, die du unbedingt beachten solltest. Erstens: Laufe nie barfuß durch die Gegend, weil du betrunken bist oder in deinen Highheels nicht mehr gehen kannst (Italienerinnen würden das auch unter den größten Schmerzen niemals tun). Zweitens: Statte der Frip in Ticinese einen Besuch ab und kleide dich neu ein—wir garantieren dir, dass du keinen angesagteren Ort für ausgefallene, neue Mode in der Stadt finden wirst. Wir können dich zwar nicht schöner machen, aber wir können zumindest dafür sorgen, dass du dich nicht weiterhin anziehst, als wärst du 14 und würdest den ganzen Tag vor deiner Playstation abhängen.

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WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST

In Mailand beherrschen die italienischen Taschendiebe ihre Kunst so wie nirgendwo sonst. Folglich solltest du immer ein Auge auf deine Tasche haben, besonders an so belebten Orten wie Bahnhöfen. Taschendiebe sind nicht immer leicht zu erkennen, manche von ihnen sind Jugendliche oder sogar Kinder. Und selbst in einer schicken Bar solltest du dein Portemonnaie oder Telefon nie unbeobachtet lassen, denn irgendjemand wird immer auf die Idee kommen, es dir wegzunehmen.

Davon abgesehen hat Mailand ein ernsthaftes Problem mit sexueller Belästigung von Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln—und wir schämen uns sehr dafür! Es fängt an mit Typen, die im Bus „aus Versehen“ deine Titten berühren und geht bis zu obszönen Beleidigungen und sexueller Gewalt. Dabei ist es völlig egal, ob du dich anziehst wie eine Nonne oder eine Nutte. Versuche dich im Allgemeinen einfach von den Typen fernzuhalten, die dich blöd anmachen—und du wirst vielen von ihnen begegnen—und bleibe in der Nähe von Aufsichtspersonal und Busfahrern, die manchmal echte Schutzengel sein können. 

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WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

In Mailand gibt es nicht so viele Touristen wie in Rom oder Florenz. Wahrscheinlich weil die Stadt, was Sehenswürdigkeiten angeht etwas weniger zu bieten hat. Im Allgemeinen lassen sich die Touristen hier in zwei Gruppen einteilen. Der ersten dieser beiden kann man nicht wirklich böse sein, obwohl sie uns dauernd überall im Weg stehen: dahin schleichende Familien, die sich auf der Piazza Duomo und in der Galleria Vittorio Emanuele versammeln, wo sie Pirouetten auf den Genitalien des Mosaikbullen drehen—das soll Glück bringen. Aber die zweite Gruppe macht uns wirklich wütend! Sie besteht aus shoppingbesessenen Horden, die sich an den Schaufenstern der Luxusboutiquen die Nasen platt drücken, obwohl es genau die gleichen Läden sind, die sie auch zuhause haben. Wenn du dich wirklich für Mode interessierst, halte dich von den großen Einkaufsstraßen fern.

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LEUTE UND ORTE, DIE DU VERMEIDEN SOLLTEST

Die Piazza Duomo am Samstag, besonders während der Karnevalszeit
In der Gegend zwischen der Piazza Duomo, der Corso Vittorio Emanuele und der Torino Straße findest du so viele langweilige Klamottenläden wie nirgendwo sonst auf der Welt. Am Samstagnachmittag versammeln sich hier außerdem alle gelangweilten Teenager der Stadt. In der Karnevalszeit bewaffnen sie sich mit Rasierschaum und spritzen die Leute voll—für sie ein großer Spaß, für alle anderen eher weniger.

Corso Como
Diese Straße erstreckt sich vom Bahnhof Porta Garibaldi bis in die schicken Stadtteil Brera. Die Clubs hier sind voll mit 40-jährigen Vollidioten auf der niemals endenden Suche nach „figa“ (Italienisch für „Muschi“).

Schnösel
Die schlimmste Art Mensch, die dir in Mailand begegnen wird, sind die schnöseligen Typen, die auf der Corso-Como-Straße rumhängen, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, sich um ihr Wirtschaftsstudium an der Bocconi Uni zu kümmern. Alle von ihnen träumen davon, eines Tages der neue Berlusconi zu werden, und sind schon jetzt mindestens genauso selbstverliebt wie er. Das einzige, was diese Typen genauso sehr lieben wie sich selbst, ist Touristen anzumachen, also halt dich von ihnen fern.

Modeopfer 
Ebenso wenig solltest du dich mit Modedesignern oder Modedesign-Studenten einlassen, weil sie glauben, dass ihr Beruf ihnen das Recht gibt, jedem, der nach Mailand kommt, eine modische Totalerneuerung zu verpassen. Also werden sie dich durch sämtliche Boutiquen der Stadt jagen, bis du nicht mehr einen einzigen Cent in der Tasche hast. Taxifahrer verfolgen in puncto Geld das gleiche Prinzip: Sie sind Arschlöcher, die dich ausbluten lassen wollen.

Eataly
Eataly ist die italienische Luxus-Supermarktkette, wo es das teuerste Essen gibt. Weißt du, wo du in Italien sonst noch gutes Essen bekommen kannst? IN JEDEM SUPERMARKT. Die meisten von ihnen sind genauso gut, haben aber keine Preise, bei denen ein russischer Millionär sofort einen Ständer kriegen würde.

Die 90er Buslinie nach elf Uhr abends
Bis vor kurzem war die Linie 90 die einzige Buslinie, die nach ein Uhr nachts noch fuhr. Sie verbindet die beschissensten Gegenden von Mailand miteinander, und nach elf Uhr stehen die Chancen, dass du im Bus auf jemanden triffst, der entweder nackt, sturzbesoffen oder beides ist, äußerst günstig.

Jede Bar, in der es einen Spielautomaten gibt
Spielautomaten sind momentan ein großes Übel in Italien, weil sie immer mehr Leute süchtig machen. Halte dich also von Läden fern, in denen Menschen ihre letzten Münzen in den gierigen Schlund der Automaten stecken. Es ist nicht sonderlich höflich, Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich ihr Leben ruinieren, und Spaß macht es auch nicht.

Taxis
In Mailand bedeutet Taxifahren, dass der Fahrer dir halbstündige Vorträge darüber hält, wie ihm die Konkurrenz (zum Beispiel Über) das Geschäft verdirbt, während ihr im Verkehr feststeckt und das Tachometer in unermessliche Höhen steigt.
 

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TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld

In Italien musst du kein Trinkgeld geben. Die meisten werden es nicht ablehnen, aber im allgemeinen ist Trinkgeld geben hier nicht üblich und wir tun es nie. Zumindest nicht, wenn es um so profane Dinge geht wie eine Taxifahrt, einen Kaffee oder eine Pizza. Unsere Großmütter geben manchmal Trinkgeld bei besonderen Anlässen—Jubiläen oder Geburtstagsessen, bei denen die ganze Familie zusammenkommt—oder wenn der Service besonders gut war. 

Manchmal lassen Italiener einen Schein auf dem Tisch liegen und das Restaurant kann den Rest des Geldes behalten (zum Beispiel einen Fünfziger, wenn die Rechnung 48,50 Euro beträgt).
 

Nützliche Vokabeln
Ciao – Hallo
Bella – Wunderschön
Grazie – Danke
Baciami – Küss mich
Ciao, Balotelli – Hallo, Italiens zweitbester Fußballspieler
Grazie, Berlusconi – Danke, Typ, der nicht mehr Ministerpräsident von Italien ist
Coglione – Idiot
Pezzo di merda – Du Stück Scheiße
Che cazzo vuoi? – Was zur Hölle willst du?

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DIE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER MUSIK AUS MAILAND

Hier ist ein kleiner Vorgeschmack auf Sachen die du hören wirst, während du in unseren Bars abhängst. Definitiv ist nicht alles so fantastisch wie unsere Schuhe.

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DER VICE-STADTPLAN

So, bitteschön. Habt eine gute Zeit und schmeißt bitte euren Müll in die dafür vorgesehenen Tonnen.


Ciao,

– VICE Italien

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