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Triff die beiden Idioten, die sich eine Woche lang nur von Cheezies und Lakritze ernährt haben

Zwei Idioten haben sich für 127 Stunden nur von Maiskäsebällchen, Lakritze Wasser und einer Vitaminpille pro Tag ernährt, um Willensstärke zu beweisen und ihren Entdeckergeist zu schulen.
22 Mai 2013, 11:30am

Ich traf Rajiv zum ersten Mal vor ein paar Jahren, als ich ihn wegen seiner Band Oh No Forest Fires (R.I.P.) interviewte. Er hat nicht nur einen Bart, der Männer neidisch macht, sondern stammt auch noch aus Neufundland, was bedeutet, dass er so ziemlich jedes andere menschliche Wesen unter den Tisch trinken kann. Da ich ebenfalls von der Ostküste stamme und wir gemeinsame Freunde haben, kamen wir ziemlich gut miteinander aus und standen auch noch in Kontakt, nachdem er weg gezogen ist, um Medizin zu studieren. Als ich vor Kurzem Facebook durchstöberte, sah ich, dass er sich an einem merkwürdigen „Experiment“ beteiligte. Eines, bei dem er für 127 Stunden, also eine normale Geschäftswoche, nur Hawkins Cheezies (so Käse-Dinger), Wasser und eine Vitaminpille pro Tag zu sich nehmen durfte. Um diese Herausforderung noch etwas interessanter zu machen, erklärte sich sein Kumpel Ian bereit, für diese Zeit nur von Lakritze zu leben. Da das für mich alles unglaublich dämlich klang, redete ich mit den beiden ein paar Tage später, auch um sicherzugehen, dass sie noch am Leben sind. Ich wollte wissen, warum sie sich überhaupt solch eine Quälerei antaten.

VICE: Seid ihr Idioten?
Ian: Nein, wir waren nur bei einer Party, als sich Rajiv einige Cheezies in den Mund stopfte und meinte: „Wisst ihr, wahrscheinlich könnte ich mein ganzes restliches Leben nur von Hawkins Cheezies leben.“ Ich sagte sofort: „Wirklich? Was denkst du, wie lange du tatsächlich ausschließlich davon leben könntest?“ Auf eine gewisse Weise war ich es irgendwie leid, dass ständig solche Übertreibungen in den Raum geschmissen werden. Wir haben uns dann den Kopf darüber zerbrochen, wie lange er es wirklich durchhalten könnte. Irgendwann kamen wir auf eine Dauer von 127 Stunden. Um ihn wirklich dazu zu bringen, das durchzuziehen, habe ich mich dann dazu bereit erklärt, mich für genau die selbe Dauer auch nur von einer Sache zu ernähren. Er schlug mir Lakritze vor und obwohl das nicht wirklich zu meinen Lieblingssüßigkeiten gehört, stimmte ich aus irgendeinem Grund zu.

Rajiv: Ich glaube, die wichtigsten Charaktereigenschaften, die hier eine Rolle spielen—wenn man sie denn so nennen kann—, waren ungebändigte Sturheit, Neugier und das Verlangen, den anderen immer eine Nasenspitze voraus zu sein. In vielerlei Hinsicht also die gleichen Gründe, aus denen ich mal ein Glas mit dem Urin meines besten Freundes getrunken oder einen rohen Hot Dog aus einer Pfütze gegessen habe.

Du hast das Zeug aber nicht nur so gegessen, oder? Welche Methoden hast du noch benutzt, um die Snacks zuzubereiten? Ich hab das Vine vom Cheezies-Smoothie gesehen.
Rajiv: Yeah. Ich meine, ganz ehrlich, am besten schmecken sie direkt aus der Tüte und bei Raumtemperatur. Wir haben versucht, sie zu kochen, sie zu passieren und als ein pastaartiges Gericht zu essen. Was wir dann am Ende hatten, war warmer, matschiger und behandelter Maisbrei. Um ehrlich zu sein, war das gar nicht so schlecht. Der Smoothie war da um einiges schlimmer. Ich hab versucht, ihn schnell runterzubekommen, würgte kurz und kotzte das ganze Ding sofort wieder aus.

Ian: Ich habe verschiedene Methoden benutzt, um meine Mahlzeiten interessanter zu gestalten. Aber keine davon hat dazu geführt, dass es weniger nach Lakritze schmeckt. 1) Gefroren: Das machte sie nur härter und kalt. 2) Gebraten: Das schmeckte nur ein wenig schlechter als das Original. Allerdings etwas nach verbrannten Haaren, aber immerhin anders. 3) Gekocht: Die sind dann geschmolzen, wurden aber schleimig und schwer essbar. 4) Als Smoothie: Wasser mit Geschmack; nichts Besonderes.

Rajiv, du studierst Medizin und willst Arzt werden. Du solltest besser als jeder andere wissen, wie unglaublich ungesund diese Aktion war.
Rajiv: Ja, genau dafür bin ich wieder in der Schule. Ich sehe allerdings nicht, was sich dadurch ändert. Ich habe dort schließlich immer noch angemessen gut funktioniert. Am schlimmsten waren die ganzen täglichen Fragen von den Leuten, die unser Experiment bei Facebook und Twitter gesehen hatten: „Wie geht’s dir mit den Cheezies!?“ oder „KANN ICH DIR EIN PAAR CHEEZIES BESORGEN!!!!!“ Das war vielleicht der härteste Teil der Aufgabe. Mich selbst dazu zu bringen, den Leuten nicht jedes mal zu sagen, dass sie die Klappe halten sollen.

Aber vielleicht ist das auch nicht fair. Hauptsächlich weil ich ja den Facebook- und Twitter-Aspekt dabei liebe. Ich erzähle gerne von solchen Sachen. Merkwürdigerweise hat das ein halbes Dutzend Leute in mein Leben zurückgebracht, von denen ich schon eine Weile nichts mehr gehört hatte. Das ist also ein Vorteil. Trotzdem: Meiner eigenen Einschätzung der gesundheitlichen Risiken habe ich sicherlich nicht vertraut. Daher habe ich vorher auch einen Chirurgen konsultiert. Er sagte, und ich zitiere:

„Du kannst eine ganze Woche, ohne etwas zu essen, auskommen, ohne dass etwas passiert. Es ist trotzdem Schwachsinn. Du solltest das besser absagen.“

Zu welchem Zeitpunkt warst du am ehesten davor aufzugeben?
Ian: Etwa 14 Stunden nachdem wir angefangen hatten, bekam ich richtig Hunger und war sehr kurz davor, Rajiv anzurufen und zuzugeben, dass die ganze Idee total lächerlich war. Ich dachte mir, dass ich wenigstens versuchen werde, durch den Tag zu kommen. Aber ich glaubte nie daran, wirklich für die gesamte Dauer durchzuhalten. Tag Zwei und Drei waren dann recht einfach. Wahrscheinlich, weil mein Magen keine Nahrung mehr erwartete. Am Dienstag ging ich dann mit ein paar Leuten essen und konnte nicht anders, als die ganze Zeit das Essen zu riechen. Die Reaktionen von anderen Leuten—dass sie uns ständig gesagt haben, wie bescheuert wir sind—waren letzten Endes doch eine ziemliche Motivation, schätze ich. Ganz offensichtlich denken wir von uns, dass wir enorm willensstark sind und Kontrolle über unseren Körper haben. Ich persönlich wollte einfach nur sehen, wie weit ich gehen kann.

Im Großen und Ganzen hat sich mein Körper die ganze Woche lang furchtbar angefühlt. Ich hatte durchgehend Kopfschmerzen, mein Magen war sauer auf mich und mir war die ganze Zeit schwindelig. Ich versuchte, beschäftigt zu bleiben, ohne zu aktiv zu werden, und meine Gedanken auf etwas zu lenken, dass nicht mit Essen zu tun hatte. Am Mittwoch aß ich mit meinem Vater zu seinem Geburtstag zu Mittag. Nachdem meine Eltern etwa eine Stunde lang versucht hatten, mich mit Gewalt zum Essen zu bringen, kam die Wahrheit ans Licht. Ich versuchte, alles zu erklären und bekam den enttäuschten Blick, den ich erwartet hatte. Zum ersten Mal in dieser Woche fühlte ich mich ziemlich bescheuert.

Rajiv: Nicht einmal habe ich daran gedacht aufzugeben.

Haben sich deine Körperfunktionen irgendwie verändert?
Rajiv: Keine offenkundigen Veränderungen. Meine Kacke wurde nicht orange/fing nicht an zu glühen/tötete mich nicht, wie viele Leute mich ständig fragten. Eines Nachts wachte ich allerdings mit ziemlich fiesen Schmerzen in der Magengegend auf, die ich bisher noch nie hatte und auch nie wieder haben möchte. Die Farbe meiner Pisse hat sich übrigens auch nicht verändert. Um ehrlich zu sein, hatte ich eher Angst, dass ich an Herzversagen krepiere würde oder ich mir wegen dem ganzen Natrium ein Ödem [ein schickes Wort der Ärzte für „Schwellung“] am Knöchel einhandle.

Was hat dir diese Erfahrung über die Grenzen des menschlichen Körpers beigebracht?
Rajiv: Ohne Zweifel gibt es Leute, die das gerade lesen, dabei auf dem Klo sitzen und denken: „Das ist auf so viele Arten so unglaublich dumm!“ Aber falls man in der Aktion vielleicht etwas Romantisches sehen möchte, könnte man sagen, dass wir ohne diese Art von Entdeckergeist und Respekt vor der natürlichen Welt niemals auf dem Mond gelandet wären. Yeah, genau das ist es.