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Trolololobet Eduard Khil

Jede Trololo-Loop hat irgendwann ein Ende: Eduard Khil, der Meister des Sowjet-Memes, ist tot. Wir sagen danke für 10 Stunden Heiterkeit.
4.6.12

Selbst die längste Trololo-Loop hat irgendwann ein Ende – mit dieser makaberen Lektion begrüßte das Internet heute seine Besucher, die wir alle nichtsahnend aus dem Wochenende herübergespült wurden, nur um in der nächsten Sekunde zu bemerken, dass der Strudel nicht vom letzten Kater, sondern von der Klospülung des Schicksals herrührte, die irgendein Gott nach seinem gleichgültigen Schiss in unsere Herzen ein bisschen zu fest gedrückt hatte.

Troll-Jäger und "LOL"-Verweigerer auf der ganzen Welt trauern dieser Tage um Eduard Khil, auch bekannt als Trololo-Mann und Meister des Feel Good-Memes. Denn bevor Gott unsere Herzen zuscheißen konnte, brachte Eduard Khil sie mit seiner stimmlich puren Sowjet-Politur aus textloser Glückseligkeit zum Glänzen. Zuletzt sogar noch dieses Jahr, als der jungebliebene Eduard diese neue Version seines späten Internet-Hitsongs vor Live-Publikum (und in stilechtem Vintage-Playback) einsang – hier habt ihr Trololo in neu aufgelegtem Technicolor:

Und weil es schließlich kein Meme ohne Mimikry gibt beziehungsweise man immer erst weiß, dass es sich wirklich um ein Meme handelt, wenn die ersten Imitatoren sich eine Fettscheibe aus dem Sensations-Schenkel schneiden, gibt es hier quasi als Beweis noch die Trololo-Referenz von Christoph Waltz bei Jimmy Kimmel. Und ohne jetzt groß spoilern zu wollen, kann man glaube ich doch sagen, dass das harmlose Ständchen hier eine unerwartete Neuinterpretation erfährt, bei der vor allem eine Lampe, ein Telefon, eine Ukulele und Christophs Waltze eine entscheidende Rolle spielen:

Ein bisschen weniger freiwillig, aber nicht unbedingt weniger schön ist da schon die Verpflanzung des sowjetischen Songguts nach Mittelerde, wo Saruman durch den Zauber des Tonspur-Austauschs zum Schlagerstar geadelt wird. Eduard Khil selbst hat vom späten Erfolg seines Trololo-Lieds ja durch seinen Enkel erfahren, der das vom kapitalistischen Textdiktat befreite Meme-Manifest neben seinem Opa dahintrololote und ihm damit 2009 einen Flashback der seltsamen Sorte ins Jahr 1976 bescherte, als er die Nummer aufgenommen hatte. Ich stelle mir trotzdem gerne vor, dass Khil sein Lied selbst entdeckte, als er zufällig über diesen neu vertonten Herr der Ringe-Ausschnitt gestolpert ist und sich vielleicht fragte, warum der Zauberer ihm seine Stimme geklaut hatte.

Bevor ich euch am Schluss dieser Grabrede noch einmal den Kommi-Klassiker in seiner 10-Stunden-Version präsentiere (für alle, die entweder zu viel Marschierpulver inhaliert oder bisher zu wenig vom Internet mitbekommen haben), möchte ich noch kurz meinen investigativ-journalistischen Pflichten nachkommen und auf jenen Typen verweisen, der für die Sensation verantwortlich ist: Real Papa Pit nennt sich der Russe, der Eduard Khils Lied, das eigentlich den Titel "Ich bin sehr froh, weil ich endlich wieder zu Hause bin" trägt, 2009 in seinem YouTube-Kanal hochlud. Ansonsten postet Real Papa Pit auch noch anderes Volksliedgut und Videos von missglückten Roundhouse-Kicks (In Sovjet Russia, Roundhouse Kicks kick you!). Und jetzt Manege frei für den großen Troll-Dompteur:

Keine Ahnung, welche Art von Begräbniszeremonie für Eduard "Swag" Khil geplant ist, aber wenn ihr mich fragt, muss der Sarg eindeutig zu Trololo in die ewige Bettung tänzeln. Mir egal, wenn es dafür Hydraulik-Vorrichtungen von der Größe der Freiheitsstatue und Sondergenehmigungen wie beim Grand Prix von Abu Dhabi braucht, Eduard Khil ist ein verdammter Gott, der das Leben selbst getrollt hat und dem ihr alle karmisch ein bisschen etwas schuldig seid, wenn ihr auch nur einmal seinen Song benutzt habt, um jemanden threadzurapen, ohne LOL sagen zu wollen. Wenn wir alle zusammenlegen, kriegen wir vielleicht auch eine Grabstätte im Weltall hin, die 24 Stunden am Tag die Radiowellen von "Ich bin sehr froh, weil ich endlich wieder zu Hause bin" durchs Vakuum zu anderen Planeten pumpt. Und falls es mit den Spenden allein nicht getan ist, fragen wir einfach Johnny Depp, der zahlt gerne extravagante Sterbefeiern, wie alle Hunter S. Thompson-Fans wissen. So viel also dazu. Billigbier, ruhig Blut, alles wird gut. Mahalo!