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Warum ist Rockstars 'Max Payne 3' so untergegangen?

Max schmerzt wieder und sieht dabei aus wie ein Breaking-Bad-John McClane ...
27.6.12

Schreien wir als Einstimmung einfach alle im Chor: „Bullet Time!" Das klingt irgendwie nach der Catchphrase eines Low-Budget-Action-Dudes aus den geschmack- und schamlosesten Tiefen der 80er Jahre, der in meiner Vorstellung dann auch einen ähnlich pornoartig-selbsterklärenden Namen tragen würde wie unser lieber MAX PAYNE 3. Die „Zeit für Kugeln" ist Maxens besonderes Talent, die Zeit zu verlangsamen was sich gerade bei seinem äußerst frequenten Schusswechsel-Lifestyle als nützlich erweist. Slow Motion ist schließlich nicht nur Wes Anderson Pfadfindern und Transformer-Transformierungen vorbehalten.

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Wobei die Max Payne-Reihe offensichtlich hauptsächlich Matrix-infiziert ist, durch die Luft schwebende dunkle Helden mit ihren dunklen Mänteln etc, nur mit etwas mehr Selbsthass. Die Mischung aus New Jersey Mafia, Comic-Erzählstilistik und 9mm-Gruppenexekution hat quasi einen Spieleklassiker ergeben, „kultig" wie Leute, die kürzere Reviews als ich schreiben müssen, sagen würden.

In diesem dritten Teil der Lebensgeschichte des Mannes, der Frau und Kind saublöd verloren hat, zieht es uns weit weg von Jersey's Mafia-Guidos, obwohl diese Zeiten auch ihre zurückerinnernden Flashback-Auftritte bekommen. Max ist saualt geworden und hat ein bisschen zugelegt. Der Alkoholismus und die Wirtschaftskrise haben ihn ins arschwackelnde Südamerika gelockt. Das Die Hard Unterleiberl trifft auf Breaking Bad Glatze und auch für ein Partytiger-Hawaii-Hemd ist sich der Herr Schmerz nicht zu schade.

Ich lobe an dieser Stelle jetzt einfach die unpackable Grafik, das feine Umgebungs-Design und die szenische Atmosphäre dieses Spiels, und das nicht nur weil der Game-Chef des Environment Art Department Jason Zorn heißt. Selbstverliebt genug bin ich zwar, aber wer von euch die verdammt genial gebastelten Slums von Sao Paolo oder die fein polierten Einschusslöcher in den Grabsteinen eines New Yorker Friedhof gesehen hat, wird mir mein Amen geben. Mikro-Zerstörung nennt man das, und eine obsessive Liebe zum Detail.

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Wenn Max nachlädt klemmt er das Schießgewehr extra in die Achsel um das Magazin besser in die Uzi schieben zu können und die Pillendöschen, die ihn auf den Beinen halten rollen nach dem Konsum schön wie kleine Mona Lisas aus dem Bild. Ich stehe auf diesen Kleinscheiß, aber was hätten wir auch anderes von Rockstar erwarten sollen. Die Storyline des Alko-Max Teil 3 ist OK, ein bisschen Verrat hier, ein bisschen Mädchen beschützen dort, bisschen Koks und bisschen Samba. Es ist kein narrativer Geniestreich, sondern eher mehr in der Manier eines ernsteren Robert Rodriguez Films, aber spannend und jeder Headshot bringt einen schließlich ein Stück näher zum „Headmaster"-Achievement.

Zugegeben die elenden Störeffekte in den animierten Zwischensequenzen haben mich dann doch angekotzt. Ständig, doppeltes Bild, Statik, Unschärfe und manchmal einfach eine Handkamera, die zittert. Ich verstehe schon die Analogie, er ist permanent fett vom Saufen und den Pillen was sich im Bild widerspiegelt. Aber irgendwann würde ich lieber einfach ungestört die brillanten Einstellungen der brasilianischen Popos genießen.

Auch die Steuerung des Kampfkolosses ist leicht klobbig, was zwar zur Schrank-Physik von Max passt, aber sich manchmal anfühlt als ob man die Granny über den Zebrastreifen führt. Die Multiplayersachen habe ich deshalb auch gar nicht erst angerührt. Teilweise wurde es dann beinahe zu brutal und ich beginne zu sinnieren. Ist es okay, dass ich als ignorant-versoffener Gringo die portugiesisch schimpfende Population eines sexy Landes dermaßen dezimiere? Wahrscheinlich, alleine für das kleine aber feine Finale!

4 von 5 Löcher in brasilianischen Guerilla-Köpfen

Josef auf Twitter:

@theZeffo