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22-Jähriger versenkt 1,5 Millionen Euro in der Nordsee und alle sind begeistert

Das Projekt zur Rettung der Weltmeere ist gerade mitten auf der Nordsee in die entscheidende Phase gegangen—und wir waren dabei.
23 Juni 2016, 2:02pm
Boyan Slat vor seinem 1,5 Mio. Euro teuren Prototypen | Foto: Toon Heesakkers, MOTHERBOARD

Das Ocean Cleanup-Projekt hat diese Woche die bisher wegweisendste Testphase seiner vielbeachteten Geschichte eingeläutet. Nachdem Boyan Slat bei seinem letzten großen Laborversuch für das Ocean Cleanup-Projekt seine Schwimmelemente in kleinerem Maßstab und unter kontrollierten Bedingungen ausprobierte, enthüllte er am Mittwoch in Den Haag den ersten originalgroßen Prototypen, der zeigen soll, wie gut der ambitionierte Plan des 22-Jährigen, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien, unter Realbedingungen auf hoher See funktioniert.

Unter den Augen der niederländischen Umweltministerin Sharon Dijksma und Boskalis' CEO Peter Berdowski gab das Ocean Cleanup-Projekt damit den Startschuss für eine einjährige Testphase, in der die von Slat und seinem Team konzipierten Schwimmelemente auf der Nordsee im Einsatz sein werden.

Wie die Ocean Cleanup-Technik funktioniert, hat Boyan uns beim Besuch in seinem Uni-Labor erklärt

Zusammen mit der Hochsee-Baufirma Boskalis hat das Ocean Clean Up-Team 23 Kilometer vor der Küste Den Haags erstmals einen 100 Meter langen, 1,5 Millionen Euro teuren Prototypen installiert.

Simulationsbild des Testaufbaus in der Nordsee | Bild: The Ocean Cleanup

Ein Schlepper zieht den Prototypen des Schwimmelements zu seinem Bestimmungsplatz auf die holländische Nordsee. Bild: Toon Heesakkers, MOTHERBOARD

Für ein Jahr soll die als künstlicher Küstenstreifen fungierende und äußerst widerstandsfähige Gummibarriere Daten sammeln und neue Erkenntnisse zur Realisierbarkeit des Projektes liefern. Ziel des Ocean Cleanup-Pojektes ist es nämlich, im Jahr 2020 ein 100 km langes Plastikmüll-Auffangsystem zwischen Kaliforniern und Hawaii zu installieren. Die Auftriebskörper der Schwimmelemente sind 3 Meter hoch und sollen beim Test jeweils 1,5 Meter unter und über Wasser vor der niederländischen Küste befestigt werden.

Animation der Funktionsweise der Schwimmelemente und der Auffangbarriere an der Unterseite der Elemente. Quelle The Ocean Cleanup

Vor der versammelten Presse erklärte Boyan Slat am Mittwoch die Ziele des Tests: Neben den Daten zur Wetterbeständigkeit sollen auch Daten zur Umweltverträglichkeit des Prototypen gesammelt werden. Daher wurde auch eine Vielzahl von Sensoren und Kameras an dem Prototypen angebracht—effektiv Plastik aus der Nordsee zu fischen, ist allerdings nicht das primäre Ziel dieses Tests.

Boyan Slat betonte nochmals die Wichtigkeit dieses Testlaufs: „Dies ist ein historischer Tag auf dem Weg zu saubereren Ozeanen. Ein erfolgreicher Testverlauf bringt uns unserem Ziel, 2017 ein funktionierendes Pilotsystem zu testen, ein großes Stück näher." Dabei war ihm auch die Gefahr des Scheitern bewusst: „Ich denke, es besteht eine 30-prozentige Chance, dass die Schwimmbarrieren den Test nicht überstehen, aber auch in diesem Fall würden wir neue Erkenntnisse gewinnen, was den Test zum Erfolg macht."

Einen eigentlich ebenfalls für 2016 angesetzten Test des Gesamtsystems vor der Küste Japans verschob Slat derweil in die Zeit nach der einjährigen Testphase. Erst wenn die Schwimmelemente und deren Verankerungen erfolgreich getestet wurden, will er prüfen, ob das Gesamtsystem funktioniert und für einen Test bereit ist.

Animation der für 2017 geplanten Testinstallation vor der Küste Japans Bild: The Ocean Cleanup

Fest steht, dass der begonnene Testlauf der Schwimmelemente richtungsweisend für das gesamte Ocean Cleanup-Projekt ist. Ob der nun getestete Prototyp wirklich dabei hilft, das ambitionierte Umweltschutzprojekt zu realisieren, wird sich in den kommenden 12 Monaten herausstellen.