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Keiner der Aufräum-Roboter von Fukushima kam bisher lebend aus der Ruine zurück

TEPCO steht auch nach fünf Jahren hilflos vor den Trümmern des nuklearen Desasters.

von Christine Kewitz
16 März 2016, 9:29am

Screenshot: YouTube

Fünf Jahre ist es nun her, dass ein Erdbeben und ein Tsunami das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima erschütterten und zu einer Reihe schwerer Störfälle führten. Und auch ein halbes Jahrzehnt später reißen die schlechten Nachrichten noch immer nicht ab: Nun wurde bekannt, dass die speziell konzipierten, ferngesteuerten Fukushima-Aufräumroboter alle auf Grund der hohen Strahlung in der Ruine kaputt gegangen sind.

Am 11. März 2011 war es nach einem verheerenden Erdbeben und Tsunami in drei Reaktoren des Atomkraftwerks zur Kernschmelze gekommen, außerdem wurden große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt, welche Luft, Böden und Wasser kontaminierten.

Um den Schaden zu beheben wurden bisher fünf maßangefertigte Roboter der Tokyo Electric Power Company (TEPCO) in die Anlage geschickt, die Unterwasser durch die Tunnel der Abklingbecken schwimmen und hunderte geschmolzener Brennstäbe einsammeln sollten. Doch die Maschinen waren den hohen Strahlungswerten im Inneren nicht gewachsen, welche ihre Schaltkreise zerstörte. Sie kehrten nie zurück.

Leider dauert die Entwicklung eines einzelnen nuklearen Putzroboters ganze zwei Jahre, da jede Maschine eigens für einen bestimmten Fukushima-Reaktor entwickelt und angefertigt wird. Scheinbar sind auch keine weiteren Untersuchungen zur Klärung des atomaren Problems angedacht und ein Roboter, der mit den hohen Strahlungswerten umgehen könnte ist ebenfalls nicht vorhanden. TEPCO hat also noch immer keinen Masterplan, wie die Katastrophe eingegrenzt oder gar behoben werden könnte.

Von einer Überforderung durch das Nukleardesaster zeugt auch die ausgefallene Idee des Unternehmens, eine unterirdische Eiswand um den Reaktor zu ziehen, damit das verseuchte Wasser nicht weiter austreten kann. Wie TEPCO schon bald feststellen musste, war dieser Plan ebenfalls zum Scheitern verurteilt.

Die erst kürzlich verreckten Roboter waren im Reaktor 3 unterwegs, der wesentlich höhere Strahlungswerte aufweist als die anderen Reaktoren. Allein aus diesem Reaktor müssten 566 Brennstäbe abtransportiert werden. Da die Brennstäbe jedoch durch ihre Sicherheitsbehälter durchgeschmolzen sind, weiß keiner so genau, wo diese nun eigentlich zu finden sind. Menschen ist es jedoch aufgrund der extremen Strahlung nicht möglich, diesen Teil der Anlage zu betreten.

Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden erst geschätzte zehn Prozent des von der Kernschmelze hinterlassenen Chaos aufgeräumt und die Anlage ist weiterhin undicht. Permanent fließen noch heute radioaktiv verseuchte Abwässer in die Erde und den Pazifik und wurden sogar schon an der amerikanischen Westküste gemessen.

Die Fertigstellung der Aufräumaktion wird also noch ein wenig auf sich warten lassen müssen. TEPCO geht davon aus, dass der Frühjahrsputz in dem Atomkraftwerk im Jahr 2021 ernsthaft aufgenommen werden kann und die ganze Aktion dann 30 bis 40 Jahre dauern wird.

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