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Sex

Pokémon GO übernimmt Tinder und beeinflusst jetzt auch unser Liebesleben

Wer schon immer fand, dass die „Komm und schnapp sie dir“-Mentalität der inoffizielle Slogan für Tinder sein könnte, wird sich freuen: Die bunten Monster infiltrieren jetzt auch die Dating-App. Wir haben mit Nutzern gesprochen.

von Linda Yang
14 Juli 2016, 9:30am

Photo by Mattia Pelizzari via Stocksy; screenshots via Pokemon

Pokémon GO ist hier. Seit dem Launch ist der Börsenwert von Nintendo um 9 Milliarden Dollar gestiegen und die Pokémon-Trainerinnen und -Trainer spielen im Durchschnitt 43 Minuten pro Tag. Im Laufe des Wochenendes sind Berichten zufolge 11 Pokémon jagende Teenager in einen bewaffneten Raubüberfall spaziert; vermutlich waren sie allerdings noch weniger traumatisiert als die junge Frau, die eine Leiche gefunden hat.

Branchenkenner erwarten, dass Pokémon GO bald mehr täglich aktive Nutzer hat als Twitter. Die App hat bereits mehr Downloads als Tinder, was eindeutig beweist, dass Videospiele besser sind als Sex. Aber müssen diese zwei Dinge sich denn gegenseitig ausschließen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns auf Tinder nach Leuten umgesehen, die kürzlich etwas über Pokémon in ihre Bio geschrieben haben, und sie gefragt, wie sich die Suche gestaltet—sowohl nach Pokémon als auch nach Partnern.

Berichten zufolge haben Verbrecher schon Pokémon-Trainer in entlegene Gegenden gelockt, um sie auszurauben. Ich glaube, ich habe genau so jemanden auf Tinder gefunden. Zumindest schrieb Bradley, dass er die App benutzt habe, „um das Handy zu stehlen, von dem ich gerade schreibe." Hat Bradley einen nichts ahnenden Teenager in eine dunkle Gasse gelockt und ist dann mit dem Handy getürmt? Ich werde es wohl nie erfahren, denn auf mein Nachhaken (ganz lässig mit Zwinker-Emoji) kam nur zurück: „Glurak ist beste." (Wobei der den Namen des feuerspuckenden Drachen auch noch falsch schrieb.)

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Ich kontaktierte noch einen jungen Mann namens Ricky mit derselben Frage. Leider antwortete Ricky mir nicht. In seiner Bio stand: „Verwende [Tinder], um vor die Tür zu kommen, bis Pokémon GO rauskommt". Jetzt ist er also wahrscheinlich zu beschäftigt, um noch auf Tinder zu gehen.

Deswegen nahm ich Rickys Schweigen nicht persönlich und schrieb einen weiteren Pokémon-Enthusiasten namens Eric an.

Wenn man Erics Profil glauben kann, dann ist Eric eine ziemliche Fitnesskanone. Er trägt Sportkleidung und ist häufig in Workout-Posen zu sehen. Außerdem scheint er ein echter Romantiker zu sein. In seinem Profil steht „Wir haben alle Liebe verdient", direkt neben „Unser erstes Date sollte dort stattfinden, wo es die meisten Pokémon gibt". Als ich fragte, ob das Spiel sein Liebesleben negativ beeinflusst, antwortete er: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich wegen des Spiels kein Liebesleben habe lol"

Bei Michael stand im Profil: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich gerade Pokémon GO spiele, liegt bei 90 Prozent."

Michael schrieb ich meine neue Standard-Baggerfrage: „Spielst du Pokémon GO?!??!!" Ich bin fest davon überzeugt, dass die vielen Ausrufezeichen aufrichtiges Interesse suggerieren. Die Fragezeichen hingegen zeigen, dass ich immer bereit bin, mein Pokémon-Wissen zu erweitern. Michael stand mir in Sachen Enthusiasmus in nichts nach: Er antwortete in Großbuchstaben und zitierte das Titellied der Serie. Ein Wort war falsch, aber ich wollte mal nicht so sein.

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Als ich ihn fragte, ob Pokémon ihm geholfen habe, Frauen kennenzulernen, erzählte Michael, er habe neulich ein Lockmodul geworfen. Dieser Gegenstand lockt Pokémon an deinen Aufenthaltsort. Das Ergebnis? „Es gab einen riesigen Ansturm lmao."

Wie andere Tinder-Matches gestand er mir, das Spiel „beherrscht ehrlich gesagt mein Leben". Später sagte er noch, ich sei „eine von den Coolen", weil ich selbst Pokémon spiele. Dass ich erst eine Kollegin fragen musste, was ein „Lockmodul" ist, muss Michael ja nicht wissen.


Foto: Ernest | Flickr | CC BY 2.0