Körper

Warum Frauen ihre Schambehaarung stutzen

Eine neue Studie hat nicht nur festgestellt, dass wir unserem Intimbereich mit Rasierern und Wachs zu Leibe rücken, sondern auch, aus welchen Gründen wir es tun. Die Ergebnisse sind überraschend.
6.7.16
Photo by Marcel via Stocksy

Eine neue Studie aus den USA hat—wie bereits viele andere Studien zuvor auch—herausgefunden, dass die meisten Frauen irgendetwas mit ihrer Schambehaarung anstellen. Im Gegensatz zu vorherigen Untersuchungen wurde nun allerdings auch festgestellt, warum sie das tun und das Ergebnis ist tatsächlich überraschend.

Die Studie, die vor Kurzem im Journal of the American Medical Association erschien, wertete die Daten von 3.372 Frauen aus, die bei einer Befragung im Jahr 2013 angeben sollten, wie sie sich untenherum pflegen. Anstatt nur demografisch oder geografisch homogene Gruppen zu untersuchen, hat die Studie erstmals repräsentative Daten gesammelt, deren Ergebnisse ein neues Licht darauf werfen, wie moderne Frauen mit ihrer Schambehaarung umgehen.

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84 Prozent der Frauen antworteten, dass sie ihre Schambehaarung schon „ein Leben lang" (also wahrscheinlich seit Einsetzen ihrer Pubertät) stutzen, während 62 Prozent sagten, dass sie irgendwann angefangen haben, sie komplett zu entfernen. Ungefähr 16 Prozent gaben an, dass sie sich überhaupt nicht rasierten oder den Haaren anderweitig zu Leibe rückten.

Besonders überraschend ist die Tatsache, dass Sex—anders als oftmals angenommen—für die meisten Frauen nicht der primäre Grund ist, warum sie ihre Schambehaarung regelmäßig in Form bringen. Tatsächlich meinten 59% der Befragten, dass sie ihre Schambehaarung aus hygienischen Gründen trimmen.

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Die Studie konnte keine Verbindung zwischen der Intimfrisur und dem Einkommen, dem Beziehungsstatus oder dem geografischen Standort feststellen, jedoch konnte—wie auch bereits in anderen Studien—ein Zusammenhang mit der ethnischen Herkunft der Frauen festgestellt werden. So konnte die Studie unter anderem auch zeigen, dass weiße Frauen ihre Schamhaare öfter stutzen als andere Gruppen. Nur 31,5 Prozent der Frauen waren der Meinung, dass ihre Genitalien durch das Entfernen der Schambehaarung ansprechender aussehen würden, während 21,1 Prozent angaben, dass sie es tun würden, um ihrem Partner zu gefallen. Ebenfalls interessant: Der Großteil der Befragten (93 Prozent) gaben an, sich selbst um die Enthaarung zu kümmern—statt beispielsweise in ein Waxing-Studio zu gehen.

Auch nach dem Zeitpunkt des Trimmens wurde gefragt. 55,6 Prozent erklärten, ihre Schambehaarung vor dem Sex zu stutzen, 46 Prozent widmen sich ihrem Intimbereich vor dem Urlaub und 40 Prozent bevor sie zum Arzt gehen.

Die Autoren der Studie brachten die Tatsache, dass sich immer mehr Frauen die Schambehaarung rasieren, klar damit in Zusammenhang, wie Vulvas in den Medien dargestellt werden—und zwar nicht nur in Pornos. In der Studie heißt es: „Die Darstellung von Frauen, die in den Mainstreammedien über eine Schamhaarentfernung sprechen oder dabei gezeigt werden, hat ebenfalls einen großen Einfluss darauf, wie Frauen ihre Schambehaarung pflegen."

Foto: kropekk–pl | Pixabay | CC0

Nachdem die Studie auch gezeigt hat, dass junge Frauen ihre Schambehaarung sehr viel eher in irgendeiner Form kürzen als Frauen über 45, habe ich einen auf Sex an the City gemacht und mit meinen Freundinnen darüber gesprochen, wie sie mit ihrer Schambehaarung verfahren. Während in der aktuellen Studie festgestellt wurde, dass Frauen ihre Schambehaarung vor allem aus hygienischen und sexuellen Gründen trimmen, habe ich festgestellt, dass Frauen die unterschiedlichsten Gründe dafür haben, wie sie mit ihrer Schambehaarung umgehen.

Dem feministischen Trend folgend, sagten viele meiner Freundinnen, dass sie ihre Schambehaarung überhaupt nicht entfernten. Eine hingegen erzählte, dass sie anfing sich zu rasieren, nachdem sie mit 13 von einer Klassenkameradin im Umkleideraum der Schule gehänselt worden war, weil sie sich „da unten" nicht rasierte. Sie rasiert sich bis heute, aber mittlerweile aus einem anderen Grund. „Irgendwann habe ich aufgehört, es wegen einem traumatischen Erlebnis als Teenager zu tun. Mittlerweile rasiere ich mich, weil ich es so lieber mag und mich wohler fühle."

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Auch das reine Kürzen der Intimbehaarung scheint in meinem Freundeskreis angesagt zu sein, wie mir eine Bekannte erklärte. „Im Prinzip benutze ich dazu die Damenversion eines Barttrimmers. Ich mache das in der Regel mindestens einmal die Woche, weil ich es gerne so kurz wie möglich halte, es jedoch hasse, meine Vulva und die Bikinizone mit einem Rasierer zu rasieren. Ich habe so verdammt sensible Haut, dass ich ständig Rasierpickelchen und eingewachsene Haare kriege. Deswegen versuche ich, das nach Möglichkeit zu vermeiden."

Eine andere Freundin erzählte mir, dass sie den Rasierer „wirklich nur sehr selten" benutzt und wenn dann nur, um „alles zurecht zu trimmen, wenn das Bikinihöschen nicht mehr richtig sitzt."

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Meine kleine Stichprobe deckt sich mit dem Endergebnis der Studie. Deren Fazit lautet nämlich, dass „Frauen ihre Schambehaarung aus den unterschiedlichsten Gründen pflegen. Diese lassen sich jedoch nicht verallgemeinern." Dennoch hoffen die Autoren, dass die festgestellten Tendenzen (und die Tatsache, dass sie die allgemeine Annahme widerlegen konnten, Sex wäre der Hauptgrund, warum Frauen ihre Schambehaarung trimmen) auch einen praktischen Nutzen haben werden. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Befragungen wollen sie auch Gesundheitsträgern zur Verfügung stellen.

Zwar sagen die meisten Frauen, dass sie ihre Schambehaarung aus „hygienischen Gründen" entfernen, gleichzeitig kann es jedoch auch ziemlich gefährlich sein, eine Rasierklinge in die Nähe seiner Genitalien zu lassen. Eine 2014 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass 60 Prozent der Frauen bereits gesundheitliche Komplikationen erlebt haben, nachdem sie ihre Schambehaarung entfernt haben—zum Beispiel Schnittwunden oder eingewachsene Haare. Das Risiko ist für übergewichtige Frauen sogar noch größer.

„Wenn man weiß, warum und wie Frauen ihre Schambehaarung entfernen, können Gesundheitsträger diese Erkenntnis nutzen, um Frauen über die Risiken der Schamhaarentfernung zu informieren", schreiben die Autoren der aktuellen Studie. Dennoch wird, wie sie sagen, noch mehr Forschungsarbeit erforderlich sein, um feststellen zu können, ob Ärzte wirklich einen Einfluss darauf haben, was eine Frau mit ihrer Schambehaarung macht.

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