Dieser Kölner DJ produziert Trap-Beats mit seinem Kaktus
Igelkaktus | Shutterstock
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Dieser Kölner DJ produziert Trap-Beats mit seinem Kaktus

Die Sukkulenten sind ein erstaunlich facettenreiches Instrument.
15.4.16

Man weiß ja bekanntlich nie, wann einen die Muse küsst. Daniel Gourski ereilte eine neue musikalische Inspirationals er seine Pflanzen goss: Mit den Nadeln seines Igelkaktus ließen sich interessante Klänge erzeugen, wie er überrascht feststellte. Der Kölner DJ ließ sich also von den neu entdeckten Tönen auf Ideen für die Suche nach neuen Sounds bringen und machte aus seiner Beobachtung—natürlich—einen Trap-Song.

Anschließend hat Gourski aus den individuellen Klängen der unterschiedlichen Nadeln eine Melodie komponiert: Sein Kaktus-Trap besteht nur aus den Tönen der einzelnen Kaktusnadeln und aus einem darunter liegenden, tiefen Bassrhythmus. Der DJ hat die mit dem Kaktus erzeugten Töne zwar nicht heruntergepitcht, sie aber noch durch einen Kompressor geschickt. Kompressoren werden in der elektronischen Musik genutzt, um zu laute Töne leiser und zu leise Töne lauter zu machen, wodurch der Tonumfang insgesamt komprimiert wird.

Jetzt musste der Kölner nur noch den passenden Bassrhythmus für die Kaktusklänge finden. Trap definiert sich vor allem durch den Einsatz von Drum aus der 808. Laut Gourski stellte sich genau dieser 808-lastige Bass-Sound als perfekte Ergänzung zu seinen Kaktustönen heraus. Und schon war der Kaktus-Trap geboren.

Obwohl Gourski wahrscheinlich der erste ist, der mit einem Kakuts Trap gemacht hat, wurden Sukkulenten schon früher dafür genutzt, Musik zu produzieren—tatsächlich stellt die Nutzung von Pflanzen als Instrumente ein eigenes Genre dar. Der berühmte amerikanische Komponist John Cage bereitete in den 70er Jahren mit seinen zwei Songs „Child of Tree" und „Branches" dem Genre „Amplified Cactus" den Weg. Beide entstanden im Rahmen seines Experiments zu aleatorischer Musik (auch Zufallsmusik genannt) lediglich aus mit Kakteen und anderen Pflanzen generierten Tönen.

Im Moment ist sich Gourski nicht sicher, ob er weitere Beats mit Kakteen produzieren wird—grundsätzlich zeigt er sich der Idee gegenüber aber nicht abgeneigt.

„Es macht mir einfach Spaß, mit neuen Ideen zu arbeiten und etwas auszuprobieren, was ich noch nie gemacht habe", erklärte Gourski Motherboard gegenüber per Mail. „[Nach dem Kaktus-Trap] habe ich mir ein kleines Tonbandgerät zugelegt, das ich jetzt immer mit mir rumtragen werde."