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In Yiwu werden 60% des weltweiten Weihnachtsschmuckes hergestellt

Der besinnliche Festtagsschmuck wird teilweise unter unchristlichen Bedingungen hergestellt.

von Christine Kewitz
17 Dezember 2015, 3:13pm

Bild: imago/ China Foto Press

Letztendlich ist es wohl nur konsequent: Der Weihnachtsmann kommt aus China. Genauer gesagt aus der 700.000 Einwohner zählenden Stadt Yiwu, 300 Kilometer südlich von Shanghai. In mehr als 600 Fabriken entstehen dort über 20.000 verschiedene Artikel für das weltweite Weihnachtsgeschäft. Von roten Mützen, Schneemannlichterketten und Weihnachtsmannmasken bis zu Christbaumkugeln und leuchtenden Tannenbäumchen aus Plastik.

60 Prozent des weltweiten Weihnachtsschmuckes werden laut der chinesischen Presseagentur Xinhua in Yiwu produziert. Der Industriestandort ist nicht zuletzt aufgrund des florierenden ganzjährigen Weihnachtsgeschäfts stolzer Besitzer der einzigen chinesischen Zollbehörde auf Kreisebene.

Bild: imago/ Xinhua

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Die Ho-Ho-Hochsaison im sogenannten „chinesischen Weihnachtsdorf" findet zu eher unwinterlicher Zeit zwischen Juni und Oktober statt, und mit unserem besinnlichen, schneeweißen Geschenkefest hat die Produktion der Dekoration ebenfalls herzlich wenig zu tun.

Auch die fleißigen Wichtel, die den Festtagsschmuck fertigen, sind keine zwergenhaften Wunderwesen, sondern schlecht bezahlte Wanderarbeiter, die in 12-Stunden-Tagen und bei einem Monatseinkommen zwischen 250 und 450 Euro für ein Ereignis schuften, das ihnen nichts sagt.

Bild: imago/ China Foto Press

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„Ist das nicht das Neujahrsfest der Ausländer?", antwortet Xiao Wei auf eine Frage der chinesischen Nachrichtenagentur Sina. Der 19-Jährige arbeitet zusammen mit seinem Vater in der Produktion weihnachtlich-roter Schneeflocken. 5.000 Stück der Styroporflocken tauchen sie täglich in einen Bottich mit Klebstoff und überziehen diese anschließend mit einer roten Pulverspritzlackierung.

Pro Tag verschleißen Wei und sein Vater unter den gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen inmitten der versprühten Chemikalien bis zu zehn Gesichtsmasken, die ihre Atemwegen vor dem Eindringen von Feinstaub und Dämpfen schützen sollen.

Auch die Weihnachtsmütze auf ihren Köpfen ist kein verzweifelter Schrei nach Stimmung, sondern dient als Schutz der Haare vor den Farbpartikeln. Ob sie hier noch ein weiteres Jahr arbeiten werden bezweifeln die beiden. Sobald sie genug Geld verdient haben, wollen Vater und Sohn erst mal in ihre Heimatprovinz Guizhou zurückkehren, wo Weis' Verlobte schon auf ihn wartet.

Doch nicht in allen Fertigungsbereichen sind die Arbeitsbedingungen ähnlich fragwürdig wie in der Schneeflockenspritzerei. Manche Maschinen sind zwar durchaus als Gefahrenquellen zu betrachten, doch das Arbeitsumfeld, die Zeiten und die generelle Atmosphäre in den Fabriken scheinen dennoch angenehmer als in manch anderen chinesischen Werken.

Bild: imago/ Xinhua

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Die Produkte werden nicht nur in alle Welt verschifft, sondern auch in einem gigantischen Weihnachtsmarkt ausgestellt und zum Verkauf vor Ort angeboten. Statt Glühwein, Tannenduft und Lebkuchen befinden sich in der chinesischen Großmarkthalle 62.000 Buden auf vier Millionen Quadratmetern, die um die 400.000 Artikel feil bieten.

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