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Was sind die besten Fallout-4-Survivalstrategien für einen nuklearen Winter?

Todeskrallen, Stimpaks und Rad-A-Way statt Brokkoli-Diät—wir haben einen Physiker gefragt, was dir in einer Welt nach der atomaren Eskalation wirklich hilft.

von Julian Claudi
13 Oktober 2015, 10:00am

Schaffst du schon. Alle Bilder: Bethesda

Es beginnt mit einem gleißenden Blitz am Himmel, heller als die Sonne und alles, was du bisher gesehen hast. Bäume, Autos, Gebäude und die Menschen in der unmittelbaren Umgebung fangen sofort Feuer. Die Detonation der Atombombe verschleudert eine so ungeheure Hitze und heftige Druckwelle, dass sie im Radius einiger Kilometern buchstäblich alle Strukturen zerstört und jedes Lebewesen tötet. Der einzige Grund, warum Du überlebst, ist, dass du Schweineglück hast: Du schaffst es, dich in den Atomschutzbunker zu flüchten.

Der globale nukleare Fallout findet am Samstag, den 23. Oktober 2077 statt. Die Vereinigten Staaten, China und die Sowjetunion verballern in einer folgenschweren Eskalation große Teile ihres Atomwaffenarsenals—mehrere Milliarden Menschen sterben: Willkommen in Fallout 4.

Alle Bilder: Bethesda (Verwendet mit freundlicher Genehmigung)

Am 10. November kommt mit dem fünften Teil von Fallout (wenn man New Vegas eigenständig zählt) das wohl heiß ersehnteste Videospiel des Jahres in Deutschland in den Handel. Der Spieler muss sich dieses Mal 200 Jahre nach dem nuklearen Krieg durch ein komplett zerstörtes Boston kämpfen. Ein katastrophales Szenario, das die Waffenarsenale der globalen Großmächte trotz Abrüstungsversprechen auch heute in der wirklichen Welt noch immer locker ausgestalten könnten.

Fallout setzt mit seinem post-apokalyptischen Gameplay dem für uns Unvorstellbaren jede Menge Science Fiction entgegen: Plasma-Technologie-Waffen, Super-Mutanten, Bruderschaften, nuklearversuchte Insekten und Todeskrallen. 200 Jahre nach der Eskalation liegt die Welt noch immer in Trümmern und die verbliebenen paar Erdbewohner kämpfen in dem Chaos schlicht ums nackte Überleben—gegen marodierende Banden, gegen die gesundheitliche Gefahr der noch immer allgegenwärtigen nukleare Verseuchung und um genügend Essen.

Fallout 4 ist auch die vielleicht realistischste Aufarbeitung des sogenannten „Second Order Death"—der Tatsache, dass der Mensch dank der Atombombe nicht nur Millionen Leben nehmen kann, sondern ein Werkzeug geschaffen hat, sich selbst als Spezies zu eliminieren.

Doch welche Fallout-4-Taktiken würden sich wirklich für ein Überleben in einer nuklear zerstörten Welt eignen? Wir haben mit dem Physiker Matthias Englert, Senior Researcher für Nukleartechnik und Anlagensicherheit am Öko-Institut e.V. über Survivalstrategien nach dem Fallout gesprochen und sie mit der Welt des Bethesda-Entwickler verglichen. Was würden wir eigentlich machen, wenn der Fallout wirklich passiert? Wenn ein Nuklear-Krieg tatsächlich stattfinden würde?

Rad-A-Way gegen Verstrahlung und Ghulifizierung

Der nukleare Gau wird auch die Ozonschicht angreifen, Hautkrebs durch UV-Strahlung wird wieder ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Falls Du wieder rausgehen kannst, solltest Du nicht nur Atemmaske, sondern auch Gesichtsschutz tragen.

Der Vault ist deine Rettung

Jeder einzelne Tag, den man drinnen statt draußen wartet, reduziert die Strahlenbelastung. Die Hoffnung: Viele radioaktive Isotope sind kurzlebig und zerfallen nach einer Weile.

Diese Karten simulieren, was passiert wäre, wenn die Bombe von Hiroshima über Berlin abgeworfen worden wäre

Faktisch kann man nichts anderes machen als warten, dass der Regen radioaktive Elemente aus der Luft herunterwäscht und die Strahlung tageweise abnimmt. Da der Großteil der Menschheit nicht über einen privaten Atomschutzbunker verfügt, bleiben Keller, Büro oder Wohnung—falls man es bis dahin geschafft hat. Fenster und Türen sollten logischerweise geschlossen bleiben. Auch ein Abstieg in die Kanalisation könnte schon helfen, auch wenn es da auf Dauer sicherlich nicht so prickelnd wie im Wohnzimmer oder einem Fallout-Bunker sein wird.

Permanent unter Null Grad: Die T 51b-Powerrüstung mit integriertem Recyclingsystem für Körperausscheidungen ist deine Kleidung der Wahl

Im Fall der Detonation mehrerer Atomsprengköpfe über der Stadt, in der du dich befindest, würden große Mengen an Ruß und Qualm aus den resultierenden Bränden in die Stratosphäre steigen und verhindern, dass für Jahre oder sogar Jahrzehnte Sonnenlicht auf die Erdoberfläche gelangt.

Oberflächentemperaturen werden drastisch fallen, im Worst-Case-Scenario auf unbestimmte Zeit in einigen Gegenden unter Null bleiben: Der lange nukleare Winter hat begonnen. Der Vorzug einer gefütterten Winterjacke ist also auch im Fall der nuklearen Totalkatastrophe nicht ganz zu unterschätzen.

Erhöhe deine S.P.E.C.I.A.L.-Attribute, um effizient Wasser aufzubereiten

Falls Du Glück hast und nicht direkt in der Impact Zone bist, während die Detonation stattfindet, renn ins Bad und lass die Badewanne jetzt volllaufen, so lange es noch sauberes Wasser gibt - immerhin brauchst Du unter Umständen für gute sechs Wochen Wasser, wenn du dich in einer stark verseuchten Zone befindest.


Falls dir die Lunchboxen ausgehen

Der Teufelskreislauf aus drastisch reduziertem Sonnenlicht, radioaktiven Niederschlägen und ausbleibender Ernte, letztlich Massentiersterben und Missernte erfordert kreative Notlösungen:

Kleine Insekten wie Ameisen, Grillen, Wespen, Heuschrecken und Käfer werden am ehesten langfristig überleben. So lange sie nicht aus verseuchten Regionen kommen, bieten sie gute Proteine zum Muskelaufbau und zur Aufrechterhaltung der Muskelmasse.

Rad-A-Way-Surrogat 1: Die Brokkoli-Diät

Da die Krebsraten insgesamt in die Höhe schnellen werden, sollte man versuchen, dem Krebsrisiko präventiv entgegenzuwirken.

Verscherbelt Deutschland gerade den Schlüssel zur Atombombe?

Die Inhaltsstoffe von Brokkoli und Kohl wirken gegen Zellstress. Angeblich können sie auch gegen gegen akute radioaktive Verstrahlung schützen: Zumindest Ratten und Mäuse sollen dank des Stoffs 3,3- Diindolylmethan (DIM) bereits dem sicheren Strahlentod entgangen sein. Alles steht und fällt mit den jeweiligen Strahlenbelastungen: Gemüse und Pilze, aber auch Wildfleisch könnten auf Jahre hinweg tabu sein. Die Strahlenbelastungen können allerdings regional stark schwanken.

Rad-A-Way-Surrogat 2: Jodtabletten

Radioaktives Jod wird vom Körper über die Luft, über Nahrung und Getränke oder über die Haut aufgenommen. Es reichert sich in der Schilddrüse an und kann dort zu Organschäden führen. Eine mit Jod gesättigte Schilddrüse nimmt weniger oder kein radioaktives Jod auf.

Allerdings sollte man wirklich erst Jodtabletten einnehmen, wenn eine radioaktive Wolke direkt über Deutschland anrollt. Zu viel Jod kann das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen ganz im Gegenteil auch steigern und die Tabletten schützen leider auch nicht vor anderen radioaktiven Stoffen, wie zum Beispiel Cäsium.

Hüte dich vor Todeskrallen, dem Wilden Ghul und sonstigem Gesocks

Wer auf die Idee kommen sollte, mangels tierischem Fleisch eventuell doch mal auf Menschenfleisch umzusteigen, sollte mehrmals überlegen: Die sogenannte Kuru-Krankheit, die der menschlichen Variante des Rinderwahnsinns gleicht, kann beim Verzehr von Menschenfleisch übertragen werden. Symptome: Torkelnder Gang, unkontrollierbares Zittern und Gelächter in unpassenden Situationen.

Bis Ende der 50er Jahre war es beispielsweise im Stamm der Fore auf Papua-Neuguinea üblich, die Hirne der Verstorbenen bei deren Beerdigung zu verspeisen—als Ausdruck des Respekts und der Trauer. Mehr als 2500 Eingeborene kostete diese Tradition das Leben, denn auf diese Weise verbreitete sich Kuru rasend schnell. Die Krankheit führt typischerweise innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach Auftreten der ersten Symptome zum Tod. Falls Du Dich also im nuklearen Winter befindest und jemand torkelt auf dich zu, ist aber definitiv nicht besoffen: Renn!


Hau dir ein paar Stimpaks für gute Stimmung rein

Sonneneinstrahlung: Mangelware. Studien sprechen von bis zu 70-prozentiger Tageslichteinbuße bei einem nuklearen Winter. Es könnte sein, dass der Wert einer Öllampe in astronomische Höhen schießen könnte und du die kommenden zehn Jahre auf künstliches Licht angewiesen bist.

Die fehlende Vault-Tec-Richtlinie: Katzenstreu

Du hast noch nie Katzenstreu gekauft, aber China und die USA stehen kurz davor, auszuflippen und ihre Atomwaffenarsenale zu verballern? Spätestens jetzt lohnt ein kurzer Abstecher in die nächste Zoohandlung um die Ecke: Sicherlich seid ihr zu mehreren in einem Vault für ein paar Wochen nach der Katastrophe eingeschlossen: Um unangenehme Gerüche auf ein Minimum zu reduzieren, können eine paar Kilo Katzenstreu den entscheidenen Unterschied liefern.

Lass einen Dienstroboter die Verseuchung abschätzen, statt dich selbst in Gefahr zu begeben

Ist das frisch erbeutete und zubereitete Wildragout nun nuklear versucht oder nicht? Die nuklearen Hotspots, also verseuchten Gebiete, lassen sich mit bloßem Auge nicht ausmachen. Bis dato ist die einzige Möglichkeit für einen Check nach wie vor der gute alte Geigerzähler.

So lange es keine organischen oder künstlichen Organismen (wie den Roboter Mr. Handy) gibt, die radioaktive Verseuchung feststellen, musst du das Glücksspiel spielen und blind essen, was du findest. Zwar setzt man sich bei verstrahltem Essen einem erhöhten Krebsrisiko aus, ein direkter Strahlentod steht aber nicht an: Den würdest du nur erleiden, solltest du direkt radioaktiven Abfall essen (oder ein unglücklicher russischer Agent sein, der in London gezielt mit Cäsium im Tee und auf dem Sushiröllchen um die Ecke gebracht wurde).

Mit Plasmawaffen gegen Blähfliegen, RAD-Kakerlaken und Todeskrallen

Da nicht alle Lebewesen, die du treffen wirst, dein höchstes Wohl im Sinn haben, wäre minimales Verteidigungsequipment sicherlich nicht verkehrt. Zu Beginn haben dabei diejenigen, die mit Feuerwaffen ausgerüstet sind, einen Vorteil, jedoch wird ihre Munition nicht ewig halten. Glücklich schätzen kann sich langfristig daher jeder, der die Herstellung von Pfeil und Bogen beherrscht.

Das Ödland erkunden oder im Vault bleiben?

Je nachdem was für ein Typ du bist und wie kuschelig deine Homezone im nuklearen Winter aussieht, solltest du dich langfristig entscheiden: Willst du das Ödland auf eigene Faust und mit guter Rüstung und Proviant erkunden oder hast du die Kapazitäten, dir etwas aufzubauen, wo Vorräte und Leben sicher sind?

Verderbe es dir nicht mit dem Aufseher und frag im Zweifel den Pip-Boy

Zwar muss man nicht unbedingt gleich davon ausgehen, dass die post-apokalyptische Menschheit im Nullkommanix zu einem „Herr der Fliegen"-Modell degeneriert, auf der anderen Seite wird die moderne Gesellschaft sicher zerfallen. Höchstwahrscheinlich werden sich Gruppen und Clans bilden. Angesichts der Nahrungsmittelknappheit solltest du dir überlegen, ob du in großen oder kleinen Gruppen reist oder haust.

Schließlich bemerkte Matthias Englert, „was bei dem 'Fallout 4' zu Gunsten des Spektakels ausgeblendet wird, ist der absoluter Horror, der stattgefunden haben muss." Für gute Einschätzungen der realen Folgen einer Detonation einer oder vieler Waffen, empfiehlt er den Blick in die Konferenzserie „Humanitarian Consequences of Nuclear Weapons"

Selbst wenn der atomare Krieg „nur" über einer Stadt stattfinden würde, wäre die Infrastruktur eines Landes komplett überfordert. „9/11 mal eine Millionen sozusagen", erklärt Englert.Man solle beim globalem Nuklearkrieg „schon so mit zwei - drei Milliarden direkten Toten und Folgetoten rechnen." Englert halte es da mit Einstein: „Ich bin [mir] nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen." Eine Technologiewelt à la „Fallout" werde es da nicht mehr geben.„Fallout 4" wird vom Bethesda Game Studio entwickelt und von Bethesda Softworks veröffentlicht. Es ist der neueste Teil in der postapokalyptischen Fallout-Serie, und wird auf Microsoft Windows, PlayStation 4 und Xbox One am 10. November 2015 veröffentlicht.
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