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Pokémon Go führt elf Teenager direkt in die Arme bewaffneter Räuber

Wo viele Pokémon sind, sind auch junge Menschen nicht weit, die sie fangen und in digitale Süßigkeiten umtauschen wollen. Das nutzten Räuber aus—und stellten eine Falle.
11.7.16
Bild: YouTube/RejiitaRebikov.

In der Nacht zum Sonntag rückten Polizisten der Polizeibehörde von O'Fallon im US-Bundesstaat Missouri zu einem Einkaufscenter aus, in dessen Nähe es zu einem bewaffneten Raubüberfall gekommen sein sollte. Als sie am Tatort ankamen, fanden sie die Opfer glücklicherweise unversehrt vor, allerdings waren sie von vier Personen in einem schwarzen BMW mit einer Waffe bedroht und um einige persönliche Gegenstände erleichtert worden. Später am Abend konnten die Polizisten die vier Verdächtigen festnehmen, die auch prompt preisgaben, wie sie es geschafft hatten, ihre Opfer zu einem leeren Parkplatz zu locken: mit Pokémon Go.

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Das Augmented Reality-Game wurde erst vergangene Woche von Niantic, einem Tochterunternehmen von Google Alphabet, herausgegeben, und ist im Grunde genommen eine Geocaching-App, die voll und ganz unter dem Motto der Pokémon steht. Spieler steuern ihre Avatare im Spiel, indem sie sich selbst durch die echte Welt bewegen, jagen nach Pokémon und liefern sich mit anderen Spielern Kämpfe in Pokémon-Gyms. Hat ein Spieler nur noch wenige Pokébälle oder andere In-Game-Gegenstände, muss er sich an einen im Spiel ausgeschilderten PokéStop begeben, um sich dort neue zu holen—ist er jedoch bei diesen PokéStops nicht aufmerksam genug, kann es sein, dass er einem echten Team Rocket (sprich: vier tatsächlich bewaffneten Typen) zum Opfer fällt. So passierte es zumindest in O'Fallon.

Laut Sergeant Bill Stringer von der zuständigen Polizeibehörde hat dieses Schicksal seit Freitag bereits elf Leute in den Städten St. Louis und St. Charles ereilt. Wie die festgenommenen Verdächtigen selbst zu Protokoll gaben, lockten sie Pokémon Go-Spieler an abgelegene Orte und erleichterten sie dort um ihre Wertgegenstände. Die Opfer aus Missouri waren allesamt zwischen 16 und 18 Jahren alt.

Obwohl die genaue Vorgehensweise der Räuber nicht eindeutig ist, scheint es, als hätten sie an einem PokéStop Lockmodule genutzt, durch die noch mehr Pokémon angelockt wurden. Und wie wir alle mittlerweile wissen, sind dort, wo Pokémon sind, auch scharenweise Jugendliche anzutreffen, die versuchen, sie zu fangen, um sie dann gegen digitale Süßigkeiten einzutauschen. Es war dieses unstillbare Verlangen, sie „alle zu schnappen", durch das in Missouri elf Jugendliche Opfer bewaffneter Raubüberfälle geworden sind.

„Soweit wir wissen, kann man ein Poké-Lockmodul oder so [in der App] aktivieren, das dann Pokémans anlockt [sic] und andere Spieler auf den Standort hinweist", versuchte Stringer gegenüber Motherboard zu erklären. „Es ist eine tolle App, um Leute an die frische Luft zu bringen, es kann aber auch für niedere Zwecke missbraucht werden."

Obwohl es außerhalb von Missouri noch zu keinen ähnlichen Vorfällen gekommen ist, hat die App beispielsweise eine junge Spielerin, die auf der Suche nach einem PokéStop war, zu einer Leiche geführt. Außerdem kursiert eine virusverseuchte Fake-Version der Pokémon Go-App, die auf Android-Handys eine Backdoor installiert, über die Hacker die betroffenen Geräte angreifen können.

Denkt also dran, liebe Pokémon-Fans: Haltet die Augen und Ohren immer offen, denn kein Pokémon ist es wert, für ihn euer Leben zu riskieren—es sei denn, es geht um Mewtu.