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Nach Adderall-Skandal: eSport-Turniere führen Dopingkontrollen ein

Die Electronic Sports League hat beschlossen, Kontrollen und weitere Anti-Doping-Maßnahmen einzuführen.

von Emanuel Maiberg
23 Juli 2015, 9:46am

Foto: TurksInexpugnable ,CC-BY SA 3.0

Die Electronic Sports League (ESL), eine der größten eSport-Organisationen der Welt, hat angekündigt, auf ihren Veranstaltungen schon bald Dopingkontrollen einzuführen.

Diese Entscheidung wurde rund eine Woche nach der öffentlichen Doping-Beichte von Kory "Semphis" Friesen bekanntgegeben. Der professionelle Counter-Strike: Global Offensive Spieler hatte zugegeben, bei einem mit 250.000 US-Dollar dotierten ESL-Turnier in Polen gemeinsam mit anderen Spielern seines ehemaligen Teams Cloud9 das Psychostimulans Adderall eingenommen zu haben.

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Anna Rozwandowicz, leitende Pressesprecherin der ESL, erklärte gegenüber Motherboard per E-Mail, dass die Liga in Kürze weitere Details des neuen Regelwerks veröffentlichen werde. Für den Moment habe man „Schritte in Richtung Drogenkontrolle, Aufklärung und Prävention unter den Teilnehmern der Wettbewerbe [der ESL] unternommen."

Friesen und die übrigen Teammitglieder von Cloud 9 werden für ihren mutmaßlichen Adderall-Gebrauch bei ESL-Veranstaltungen nicht bestraft.

„Es gibt für uns keine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, ob Semphis—ungeachtet dessen, was er gesagt hat—überhaupt Adderall genommen hat oder nicht", so Rozwandowicz weiter. „Wir können niemanden bestrafen, wenn wir keine hundertprozentige Sicherheit haben, dass er schuldig ist. Und wir haben vier Monate nach dem Event keine Möglichkeit mehr, ihn zu testen. Wir werden diesen Fall nicht weiter verfolgen oder gar ein Verfahren einleiten."

Die ESL ist nur eine unter vielen eSport-Organisationen, wenn auch eine sehr bedeutende. Ihre neue Anti-Doping-Linie wird sich daher vorerst nicht auf die gesamte Welt des eSports auswirken. Es gibt andere große Organisationen, wie die League of Legends Championship Series (LCS) oder das Dota 2-Event The International (TI) , die auf den jüngsten Drogenskandal bisher nicht reagiert haben.

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Es ist allerdings beschämend, dass ein derart eklatantes öffentliches Geständnis von Friesen notwendig war, bis von offizieller Seite auf das offene Geheimnis „Doping im eSport" überhaupt reagiert wurde.

Natürlich wird der eSport jetzt nicht sofort sauber oder eine radikale Kehrtwende in Sachen Dopingpolitik vornehmen, aber wenn die Szene weiterhin wachsen und ernst genommen werden will, müssen Organisationen wie die ESL Regeln und Verfahren einführen—nicht nur in Bezug auf leistungssteigernde Drogen, sondern auch was Hacking, Match-Fixing oder auch Handverletzungen angeht.