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Tech

Der Urheber des Super-Samples Amen Break kriegt dank Crowdfunding endlich sein Geld

Technologie nimmt, Technologie gibt.
25.2.15
Dem ehemaligen Frontman der Winstons, Richard L. Spencer, gefällt das (auch wenn er nicht so begeistert guckt). Bild: Gofundme

​Verspätete Tantiemen sind besser als keine Tantiemen. Und die Sechziger-Band The Winstons haben sich mit einem kleinen Drumbreak, der als „Amen Break" zehntausendfach unerwähnt gesamplet wurde, mehr als verdient in der Musikgeschichte gemacht:

Der 2006 verstorbene Schlagzeuger Gregory C. Coleman spielte die vier Takte 1969 für die B-Seite der sich ganz ordentlich verkaufenden Single „Color Him Father" ein. Als die ersten einfachen Sampler Anfang der 80er Jahre in immer mehr Wohnzimmer-Studios auftauchten nahm sich die Technologie, was sie wollte. Spätestens seit die vier Takte auf  der Compilation „Ultimate Breaks and Beats" auftauchten, hatten es die DJs und Producer einfacher, die kraftvolle Drumloop einzubauen.

Der aufrechte Funkliebhaber Martyn Webster aus Großbritannien will die Ungerechtigkeit dieser einseitigen Verwertung nun ändern und hat endlich mal wieder eine nützliche und herzerwärmende Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen—und schon nach wenigen Tagen ist er auf dem besten Wege, die Amen-Break-Schöpfer mit dem gesammeltem Geld leicht verzögert zu entlohnen.

Bald griffen Musikmagazine die Geschichte auf: Binnen kürzester Zeit (nicht einmal sechs Tage) hat die Aktion inzwischen die 11,000 Pfund-Marke durchbrochen. Und der Frontman der Winstons zeigte angesichts der Aktion selbstverständlich entzückt und schrieb Martyn Webster einen netten Brief:

„Lieber Martyn, bitte danke all den freundlichen Menschen, die Teil dieses Ereignis sind. Für mich ist das eine Erinnerung daran, dass Europäer wie du historisch einen großen Einfluss als Hüter der afroamerikanischen Musik haben. Vielen, vielen Dank, Richard L. Spencer"

Für den mit 130 bpm recht schnellen und ansonsten eher unauffälligen Funkbreak sahen die Winstons nie einen Cent—bis ins Jahr 1996 wusste ihr Frontmann noch nicht einmal um den Ruhm des Breaks, auf dem unter anderem ein Großteil des Jungles aufbaut. (Spencer erholte sich zu diesem Zeitpunkt gerade von einem Herzinfarkt und hatte wohl wichtigeres zu tun.)

Als sich jemand höflich per Telefon nach den Rechten zu dem Song und dem Mastertape erkundigte, war der damalige Winstons-Frontman Richard Spencer völlig verblüfft. Die olle Kamelle habe eine solche riesige Anhängerschaft?

Hatte er: Die sechs Sekunden verwandten sich über die Jahre zur treibenden Kraft hinter HipHop-Klassikern, zur Allzweckwaffe im Repertoire der der 90er-Jungle-Produzenten und zur tausendfach bis zur Unkenntlichkeit verwursteten Grundlage in Songs von NIN, N.W.A. bis Squarepusher.

Nun wachsen die Gelder für Spencer weiter an und das Internet findet zumindest in Teilen sein musikalisch-urheberrechtliches Gewissen wieder: Die Facbookseite The Unsung (Heroes of The break Beat), zollt den selten erwähnten Drummern mit Namen und Credit Tribut, die sich als das Rückgrat von gern gesampleten Songs verantwortlich zeichnen.

Martyn Webster hat auch schon die Geldübergabe geplant: Alles Geld geht an Richard, vielleicht auch an die Tochter und Stieftochter des Drummers Gregory Coleman. Wenn genügend Kleingeld zusammenkommt (und das ist wahrscheinlich), träumt Joseph davon, Richard einen Scheck persönlich zu überreichen und per Flugzeug von Northhamptonshire in die USA zu fliegen.

Kleine Anmerkung zum Schluss: Obwohl der Amen Break gerne als der meistgesampelte Break bezeichnet wird (auch in der aktuellen Berichterstattung), gebührt dieser Titel aber letztlich wohl „Impeach The President" von den Honey Drippers—oder dem aus dem ebenfalls in der Musikgeschichte überstrapazierten „Funky Drummer" von James Brown. Ehre wem Ehre gebührt—aber der ebenfalls bereits verschiedene olle Chauvi braucht nun wirklich keine nachträgliche Vergütung mehr aus der digitalen Kollekte.