gaderobe

Scheiße, mit der du als Gaderobier konfrontiert wirst

Manche Leute schenken dir Drogen, andere zeigen dir als Geschenk ihren Penis.

von Benji Agostini
15 Februar 2016, 2:12pm

Foto: Isabella Khom

Wer hätte gedacht, dass das Leben als Garderobier alles andere als glamourös ist? Dabei bringt es genug positive Seiten mit sich, wenn man in einem bekannten Club arbeitet. Man kommt an freien Abenden immer gratis rein, kann dabei an der Schlange vorbeistolzieren und wird vom Türsteher durchgewunken, ohne auch nur ein Wort sagen zu müssen. Das macht einen noch nicht zu einer wichtigeren Person, fühlt sich aber trotzdem geil an. Außerdem gibt es Free Drinks und wer steht nicht auf Free Drinks? Wenn man einen guten Tag hat, kann man auch mal Freunde auf die Gästeliste setzen.

Um sich das zu verdienen, muss man allerdings erst den Wahnsinn durchstehen, an der Garderobe in einem Club zu arbeiten. Abgesehen davon, dass man oft selber lieber auf der Tanzfläche stehen würde, als sich mit Betrunkenen herumzuschlagen, fängt der oben erwähnte Wahnsinn schon bei den Arbeitszeiten an. Manchmal arbeitet man 14 Stunden am Stück, eingepfercht zwischen Jacken, die manchmal so stark nach Schweiß stinken, dass man glauben könnte, der Saunaverein wohnt tagsüber darin. Bei Partys, die manchmal in eine Afterhour münden, kann es schon mal sein, dass man zwischen diesen Jacken einen Powernap einlegen muss.

Während der Stoßzeiten von ein bis drei Uhr, regiert der Stress. Alle wollen so schnell wie möglich ihr Zeug ablegen, das im Winter natürlich aus tausend Schichten plus Schal besteht und deswegen einfach mehr Zeit benötigt, um aufgehängt zu werden. So richtig einsehen wollen das die wenigsten. Ja, niemand steht gerne Schlange an der Garderobe und wir wollen nicht, dass es zu Ausschreitungen mit Messerstechereien kommt, also versucht euch die Zeit irgendwie zu vertreiben.

Überlegt euch schon mal die besten Anmachsprüche oder noch besser, zählt schon mal das Garderobengeld. Nach drei Uhr mischen sich dann langsam Leute, die ihre Jacke schon wieder abholen wollen, unter die kommenden. So ein Interessenskonflikt verzögert alle Abläufe nur noch mehr. Chaos ist unausweichlich. In Clubs sind Leute betrunken und auf Drogen, das passt eigentlich so gar nicht mit einer Garderobe zusammen, die ordentlich sein sollte. Und das hier ist nur ein kleiner Auszug daraus, welche Scheiße mir und meinen Kollegen bisher so passiert ist.

Foto vom Autor

Wenn die Leute nicht schon völlig drauf kommen, sind sie es spätestens beim Gehen. Beides ist meinen Nerven nicht unbedingt zuträglich. Das merkt man, wenn sie einen begrüßen, als wär man schon ewig mit ihnen befreundet oder „Bruder" an jedes Satzende hängen. Leute auf MDMA wollen geliebt werden und das ist anstrengend, wenn man einfach nur ihre scheiß Jacke aufhängen möchte. Minutenlange Umarmungen sind ja eigentlich etwas Schönes, nur verzichte ich gerne darauf, wenn ich Besseres zu tun habe und die Schlange eh schon vor Ungeduld kurz vorm Ausrasten ist. Ein Typ mit Fedora hat mir in seiner Euphorie sieben Euro Trinkgeld gegeben und dafür zehn Minuten davon erzählt, wie oft er sein Handy und seine Geldbörse schon verloren hat. Ein paar Stunden später wurde er von den Securitys rausgeworfen, weil er auf die Tanzfläche gepisst hat. Eigentlich ein sympathischer Typ.

Leute, die so riechen als würden sie gerade von der Hanf-Ernte kommen, sind leider auch nicht besser. Da passiert alles ein bisschen langsamer und dass die Garderobe 1,50 Euro kostet ist jetzt wirklich nicht so lustig, dass man minutenlang drüber lachen muss. Dass da andere Leute warten, die gerne ihre Jacke abgeben wollen, ist ihnen natürlich egal. Ein besonders freundlicher Gast hat mal vorgeschlagen, dass es doch eine gute Idee wäre, wenn die Garderobe Drogen verkaufen würde. Nach einer kurzen Diskussion, warum das leider nicht möglich ist, hat er mir aus Mitleid eine Überraschungseikapsel voller Gras geschenkt. Danke nochmal, verkaufen werde ich es aber trotzdem nicht.

Eigentlich darf man niemandem böse sein, wenn er im völligen Rausch seine Garderobenmarke verliert. Das passiert den Besten. Die Besten sind aber auch die, die sich dann zivilisiert verhalten und nicht aufgeben, uns ihre schwarze Jacke zu beschreiben, wenn ein Dreiviertel aller Jacken schwarz ist. Und nein, wir können euch nicht in die Garderobe lassen und eure Jacke selber suchen lassen.

Das hat einen Kollegen von mir schon dazu gebracht, einen Gast beinahe zu verprügeln, als dieser versuchte, eine Jacke von der Garderobenstange zu reißen, weil er dachte, es sei seine. Ein bisschen habe ich mir gewünscht, er hätte ihm wirklich eine reingehauen. Der Typ hat einfach nicht eingesehen, dass wir seine scheiß Jacke nicht suchen können, wenn noch 300 andere darauf warten, abgeholt zu werden. Pro-Tipp: Fotografiert eure Marken mit eurem Handy, das verliert man nicht ganz so leicht und kann uns viel Streit ersparen.

Foto: Isabella Khom

Zwei Kolleginnen von mir, ich nenne sie mal Patricia und Mona, haben an einem Abend 30 Minuten lang einen Rucksack gesucht, bis der Typ irgendwann sagte: „Sorry, war ein Denkfehler meinerseits. Ich hatte keinen Rucksack dabei. Ciao!" So etwas kommt öfter vor, als man glaubt. Ein anderer hatte seine Jacke schon, aber der Schal fehlte noch. Dass ein Schal mal vom Kleiderhaken rutscht, passiert leider öfter. Also hat Patricia brav danach gesucht, nur um nach ewiger Suche zu bemerken, dass der Typ den Schal schon die ganze Zeit als Turban trägt.

Das klingt ja eigentlich nach einem guten Lacher, viel lieber würde man solche Menschen aber erwürgen, wenn es fünf Uhr morgens ist und man vorher schon vier solcher Spaßvögel da hatte. Das andere Extrem sind Leute, die keine Geduld haben. Beschimpfungen wie „Huuuuure!" mussten sich Patricia und Mona auch schon anhören, weil sie für eine Jacke etwas länger brauchten. Am selben Abend versuchte ein Typ, Mona anzubaggern. Nachdem seine Anmachtour bei ihr nicht ankam, versuchte er es mit: „Fass mich mal an, vielleicht ändert das deine Meinung. Das ist echter Kaschmir." Der Kaschmirpulli hat ihn aber auch nicht interessanter gemacht. Patricia hingegen musste an ihrem ersten Tag eine etwas andere Anmache miterleben. Ein Typ (ja, alle Geschichten handeln von Typen) kam oben ohne zur Garderobe, hielt Patricia seine Garderobenmarke hin und ließ dabei langsam seine Hose runterrutschen, bis er ihr stolz grinsend seinen Penis präsentierte. Echt smooth. Patricia hat professionell reagiert und ihm einfach seine Jacke gegeben, damit er schnell abhaut. Das hat er zum Glück auch getan.

An einer Garderobe zu arbeiten kann verdammt stressig sein und manche Leute machen es einem nicht einfacher. Wenn ich also beim nächsten Mal um sechs Uhr morgens bei der Jackenausgabe nicht besonders freundlich gestimmt bin, wisst ihr warum.

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Dieser Artikel ist zuerst auf Noisey Alps erschienen.

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