Dieser Fußball spielende Drogenboss nennt sich ‚Messi'

Abdellah El Haj soll für die Hälfte des in Spanien umlaufenden Haschischs verantwortlich gewesen sein. Dazu ist er ein exzellenter Fußballer, der mit „Messi" ans Telefon geht. Dummerweise ist er glühender Real-Fan – außer wenn Atlético spielt.

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10 Februar 2017, 11:45am

Foto: Twitter

In der südspanischen Stadt Algeciras hatte Messi mal grade wieder einen Hattrick geschossen. Die Rede ist aber nicht vom argentinischen Nationalspieler und Barça-Superstar, Lionel, sondern von Abdellah El Haj Messi, einem der größten Drogenhändler Spaniens.

Seine Mannschaft, DG, gewann Ende Dezember mit 5:2 gegen CD La Unión und ging als Tabellenführer einer 7-gegen-7-Amateurliga in die Winterpause. Allein in dieser Saison hat El Haj schon wieder 14 Tore geschossen. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar, weil er von 2014 bis zum letzten Jahr im Knast saß. 2016 wurde er dann gegen Kaution freigelassen und wartet seitdem auf ein abschließendes Urteil.

„Er war einer der wichtigsten Drogenhändler des Landes", erzählt mir der Journalist Andros Lozano, der für die spanische Tageszeitung El Mundo über die Machenschaften des Drogen-Messi(a)s berichtet hat. „Er wartet noch auf ein Urteil, doch Leute wie er kommen für gewöhnlich mit einem blauen Auge davon". Schon 2011 hatten sie ihn erwischt, damals entging er aber noch einer Haftstrafe.

Abdellah El Haj (mit der Nummer 21) bei seiner Präsentation beim Viertligisten UD Los Barrios. Foto: Noticias de la Villa

Und warum wird er Messi genannt? „Weil er bei den polizeilich abgehörten Telefonaten Anrufe immer mit ‚Hallo, hier ist Messi' entgegennahm", erklärt mir Lozano. Der Typ hält sich laut Lozano echt für eine Art Messi, für eine Reinkarnation der Nummer 10. Nur eben in einem anderen Feld, dem Schmuggeln von Drogen in Motorbooten. Gerüchten zufolge soll er bis zu 300 Euro pro Kilo verdient haben. Und wenn man bedenkt, dass in einige seiner Boote ein paar Tonnen reinpassten, wird schnell klar, dass auch der etwas andere Messi schwerreich sein muss.

Mit der 10 auf dem Rücken wurde Abdellah Messi zum Torschützenkönig der höchsten andalusischen Spielklasse. Seine Mannschaft, ACD Saladillo, erlangte auch schon mal nationale Berühmtheit, als in einem Spiel - in dem auch Messi auf dem Platz stand – sage und schreibe 19 Platzverweise verteilt wurden. Nach seinen 18 Toren wurde der Viertligist Unión Deportiva Los Barrios auf ihn aufmerksam und lud ihn zum Probetraining ein.

„Er spielte für uns in einem Freundschaftsspiel mit, hatte aber nicht die nötige Klasse. Als er zum ersten Training erschien, fuhr er mit einer Wahnsinnskarre vor, weswegen ich dachte, der muss echt was drauf haben. Doch es wurde schnell klar, dass das Auto nicht vom Fußball stammen konnte", erinnert sich für VICE Sports ein ehemaliger Mitspieler, der anonym bleiben möchte. „Er war sympathisch, ein netter Bursche und wollte immer etwas mit dem Rest der Mannschaft trinken gehen". Leider dauerte seine Karriere als Viertligaspieler nur zwei Wochen. Denn danach entschied sich der Trainer gegen eine Verpflichtung.

Pollo DG feiert den Gewinn der Meisterschaft 2014. Foto: Twitter

Seitdem hat Messi die semiprofessionellen Fußballplätze verlassen und sich ganz dem Amateurkicken gewidmet. Was uns zu der Mannschaft El Pollo DG bringt, die Messi 2010 gegründet hat. Hinter dem Namen steckt ein Hähnchenrestaurant (pollo = Hähnchen), das neben der Zubereitung von Geflügel noch einen weiteren Zweck verfolgte. „Der Typ wusch mit dem Hähnchengrill sein Drogengeld", erzählt mir Lozano. Und bei einer Mannschaft, die von einem Drogenhändler aus dem Boden gestampft wurde, waren Exzesse neben dem Spielfeld keine Seltenheit.

„Vor manchen Spielen hat er auch schon mal ein gesamtes Stockwerk in einem Hotel für das Team gemietet. Und wenn sie dann gewonnen haben, hat er mit seinen Freunden nichts anbrennen lassen", so Lozano weiter. Die Mannschaft wurde in ihrer Liga 2011 und 2014 Meister und auch in diesem Jahr spielt man wieder ganz oben mit. Der größte Konkurrent um den Titel ist eine Mannschaft namens Manchester City FC, bei dem ein Bruder von Messi, Tarik, mitspielt. Der soll laut Polizei die Drogengeschäfte übernommen haben, als sein Bruder im Gefängnis saß. Man kann also den El Haj-Brüdern nicht absprechen, fußballbegeistert zu sein.

Ein Selfie von einem der vielen feuchtfröhlichen Abende mit seinem Team, Pollo DG. Foto: Twitter

Auch wenn wir von Amateurkickern sprechen, so muss man doch sagen, dass Abdellah El Haj immer bei erfolgreichen Mannschaften gespielt hat. So gelang 2011 ein 5:2-Sieg gegen Algeciras CF, die damals in der vierten Liga spielten. Und auch für gewisse ‚Anekdoten' war der Drogen-Messi immer gut. El Haj und einige Mitspieler beschlagnahmten einmal die Kameras des spanischen Staatsfernsehens TVE. Der Sender wollte eine Doku um die Verbindung zwischen dem islamischen Terrorismus und Drogenrouten drehen. Am Ende musste die Fernsehanstalt mit einem von Messis Anwälten verhandeln, um die Ausrüstung samt Bildmaterial zurückzubekommen.

Aber Messi ist nicht nur Drogenhändler, sondern auch Fanboy. Und auch als Fanboy hat man Vorteile, wenn das Portemonnaie reich gefüllt ist. Getreu dem Motto, dass Geld alle Türen öffnet, hat sich Messi – bevor gegen ihn ermittelt wurde – mit zahlreichen Sportgrößen ablichten lassen und die Fotos stolz in den sozialen Medien hochgeladen. Dass er (Messi!) dabei eine Vorliebe für Real-Verantwortliche hatte: geschenkt! Zwischen Messi und Sergio Ramos (dem echten!) soll dabei sogar eine Art von Freundschaft entstanden sein, auch wenn das dessen Bruder vehement bestreitet. „René Ramos, der Bruder von Sergio, bestreitet, dass der Drogenhändler und der Fußballer Freunde sind, fest steht aber, dass sich beide über Canelita, einen gemeinsamen Freund, kennen", erzählt mir Lozano.

Links: ein von Ramos handsigniertes Trikot für Abdellah. Rechts: der Drogenhändler und Florentino Pérez. Foto: Twitter

Auf Twitter hat sich Messi gleich zwei Profile zugelegt, die ihn beide bei jeder Menge Dolce Vita (bzw. Dulce Vida) zeigen. Dazu gehören auch zahlreiche Feierabende – mit der Betonung auf Feier – mit seinen Teamkollegen. Außerdem hat Messi diverse Male dem Bernabéu einen Besuch abgestattet, bevor er beim Champions-League-Finale Atlético Madrid die Daumen gedrückt hat. OK, noch ein Mal, weil's so schön ist: Er nennt sich Messi, ist stolzer Real-Fan und feuert dann Atleti an. OK.

Am Ende zählt aber auf dem Platz, und der ist für Messi immer noch das Drogengeschäft. Dort soll er laut Lozano für die Hälfte des in Spanien vertickten Haschisch verantwortlich gewesen sein. Man kann ihn also als Fußballfan belächeln, doch als Narco spielt er zweifelsohne in der ersten Liga – auch wenn's als Aktiver nur für den Amateurbereich reicht.