Illustration: Sarah Schmitt
Es ist ernüchternd. Bis auf den FC Bayern München, der mit 5:0 souverän Dinamo Zagreb überrollte, befinden sich die Bundesliga-Teams in der Twilight Zone. Wie in der bekannten Mysterie-Serie stehen sie in der Champions League noch im Zwielicht—zwischen Licht und Schatten, zwischen Traum und Realität. Auf der einen Seite sieht man sich als Top-Liga mit Potenzial für große Triumphe, manch einer spricht gar von der besten Liga der Welt. Auf der anderen Seite kriegen die Bundesligisten international von Teams aus Spanien, England und Italien auf die Mütze.Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach spielten in der Champions League attraktiv und stark auf. Gegen die favorisierten Teams von Titelverteidiger FC Barcelona und den beiden Millionentruppen aus Manchester waren sie zwischenzeitlich erschreckend überlegen und führten mit 1:0. Herrmann, Chicharito, Schürrle und Co ließen zahlreiche gute Möglichkeiten liegen. Nach 90 Minuten mussten sie sich mit 1:2 geschlagen geben. Mit ein wenig Glück und Kaltschnäuzigkeit hätten sie gewinnen können. Noch ist die Bundesliga aber nicht so weit.Der internationale Vorteil: Wegen des nationalem Leistungsgefälle können einige Top-Teams oft mal auf Sparflamme vor wenig Zuschauern spielen, um dann auf internationalem Parkett vor vollem Haus konzentriert anzugreifen. In der Bundesliga sind die Stadion eher an den Wochenende voll. Es gilt eher die Devise: Mach erst in der Liga deine Hausaufgaben. Und was bringt es der Bundesliga, wenn die im Keller stehende TSG Hoffenheim den abstiegsbedrohten Serie A-Klub FC Empoli wohl locker schlagen könnte, aber der SSC Neapel den VfL Wolfsburg vermöbelt?
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Wolfsburg und Gladbach gaben ihr Comeback in der Königsklasse. Leverkusen etabliert sich zwar zum Dauergast, doch mehr als das Achtelfinale war schon länger nicht mehr drin. BVB und Schalke, die ein wenig erfolgreicheren Königsklassen-Teams der letzten Spielzeiten, spielen nach einer enttäuschenden Saison mit Debütant Augsburg sogar nur in der Europa League.Es ist das leidige Spielchen, was keine Liga wohl so gut zockt wie die Bundesliga. Neben dem konstanten Rekordmeister aus München wechseln sich die „Bayern-Jäger" fast jedes Jahr ab. Nach einer fulminanten Saison auf dem eigenen sportlichen Zenit ziehen verdiente Starspieler weiter und es kommt zu einer Kater-Saison samt frühem Ausscheiden in den internationalen Wettbewerben. Das Problem: Die Liga ist von Platz 2 bis 18 so ausgeglichen wie nirgendwo anders, ein Wechselspielchen in jeder Spielzeit. Der Liga sind die internationalen Dauervertreter aus Spanien und England bis auf den FC Bayern enteilt—noch steht die Bundesliga auf Niveau der italienischen Serie A.Couragiert, mutig, punktlos. So kann man den Spieltag für Wolfsburg, Gladbach und Leverkusen zusammenfassen. #cl
— Marvin. (@Marv2punkt0) 30. September 2015
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Seit 1997 konnte kein anderes Bundesliga-Team als der FC Bayern die Champions League gewinnen und mit Bayer und BVB konnten nur zwei weitere Klubs in den letzten 17 Jahren ins Finale einziehen. In der Europa League, dem ehemaligen UEFA-Cup, sieht es noch düsterer aus: Seit dem Schalker Sieg 1997 konnte kein deutsches Team den Pokal gewinnen. Werder Bremen, zwischenzeitlicher Bayern-Jäger, schaffte es 2009 ins Finale, verloren gegen Schachtar Donezk und versank anschließend im Bundesliga-Mittelmaß. Aber die Twilight Zone könnte bald platzen.Christoph Kramer besucht die alten Kollegen in #Gladbach. Erklärt der @Borussia, dass "am Ende nur Scheiße bleibt."
— ruhrpoet ✏ (@ruhrpoet) 30. September 2015
Seitdem sich die Bundesliga 2013 den vierten Champions League-Startplatz der Serie A ergattert hat, kristallisieren sich fünf konstante Teams heraus, die über die nächsten Jahre irgendwann auch mal national die Bayern ernsthaft angreifen könnten. Die zwei wiedererstarkten Top-Teams von Schalke und dem BVB haben eine schlagkräftige und international erfahrene Mannschaft gespickt mit vielversprechenden Talenten. Sie profitieren von ihren letztjährigen Erfahrungen aus Final- oder Halbfinalspielen oder Siegen gegen Real Madrid und gehören in dieser Europa League-Saison zum Favoritenkreis. Die Teams aus Leverkusen und Wolfsburg, die sich mit Transfers wie Chicharito oder Julian Draxler entschlossen verstärkt haben, könnten die Twilight Zonen ebenfalls verlassen. Borussia Mönchengladbach kann trotzschlechtem Saisonstart noch eine gute Saison spielen und sich im Spitzenfeld etablieren.Die Bundesligisten setzen immer mehr auf die konstante Mischung aus erfahrenen Spielern und vielversprechenden Talenten, die nicht sofort nach einer Saison verkauft werden müssen. Spieler wie Jonathan Tah, Maximilian Arnold oder Mahmoud Dahoud zahlen noch Lehrgeld, aber werden wie Mats Hummels, Benedikt Höwedes oder auch Philip Lahm irgendwann von ihrer frühen (auch weniger erfolgreichen) Champions League-Erfahrung profitieren.Die Bayern würden sich über ernsthafte Konkurrenz freuen und der Liga würden ein paar Spitzenteams, die auch international was reißen, sicher gut tun. Um die Twilight Zone, für die die Kürze der erzählten Geschichten charakteristisch war, zu verlassen, braucht es nur ein wenig Erfahrung und Konstanz. Glück und Kaltschnäuzigkeit kommen dann von ganz allein. Und die Bundesliga wäre ihrem Traum, die beste Liga der Welt zu werden, ein Stückchen näher.Folgt Benedikt bei Twitter: @BeneNieTrotz allem - Vor drei Wochen war Gladbach gefühlt tot! Heute hält man mit Manchester City in der Champions League absolut mit! #skycl
— Florian Hellmuth (@chieff89) 30. September 2015
