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Tod

Leute erzählen, wie ihr Begräbnis ablaufen soll

"Eigentlich soll alles genau so aussehen wie im 'Bitch Don't Kill My Vibe'-Video von Kendrick Lamar."

von VICE Staff
18 Januar 2017, 5:00am

CD Player: Norbert Schnitzler | Wiki Commons | CC BY-SA 3.0

Klar, Sterben ist nicht cool, und du solltest es vermeiden, solange es dir medizinisch irgendwie möglich ist (außer du bist der nächste Adolf Hitler). Das einzige, was vielleicht ein bisschen tröstlich ist, ist die Aussicht darauf, dass du nach deinem Ableben einen Tag bekommst, an dem es nur um dich geht! Dutzende, vielleicht hunderte Menschen werden ihren Alltag unterbrechen, nur um zuzuschauen, wie du eingegraben wirst, und um mit Kuchen und Schnittchen Abschied von dir zu nehmen. 

Alle werden über dich nachdenken und allein durch deinen Tod wirst du eine Gravitas erhalten, die du lebend niemals erreichen könntest (allein schon, weil du jetzt "Gravitas" googeln musst). Niemand wird sich je wieder daran erinnern, wie du mal mit dem Gesicht zuerst in einem Pissoir eingeschlafen bist—stattdessen werden alle ganz ehrfürchtig, wenn sie nur an dich denken.

Nur: Damit das wirklich klappt, solltest du dir Gedanken über die perfekte Beerdigung machen. Das tun tatsächlich überraschend viele Menschen, und uns haben sie erzählt, wie sie sich das vorstellen:

Franz, 23

Foto: Adam | Wikimedia Commons | CC 2.0

Der Gedanke an meine eigene Beerdigung ist mir selbst so fremd, dass ich an dieser Stelle nur wild ins Blaue darüber sinnieren kann, auf welche Weise ich gehen will. Ich verstehe diese ganze Celebration-of-Life-Grundidee vieler grundsätzlich ganz gut, gleichzeitig will ich aber eigentlich auch ordentlich betrauert werden, ganz klassisch mit Kirche, Tränen und Friedhof. Schön wäre ein brütend heißer Sommertag, an dem die ganz in Schwarz gehaltene Trauergemeinde in der Mittagshitze ausrinnt. Nachdem mein gläserner Sarg kollektiv geküsst wurde, verfüge ich hiermit, dass ein Olsen-Zwilling Avril Lavignes "Complicated" in Gedicht-Form vorträgt. Vorzugsweise Mary-Kate.

Die Grablegung soll musikalisch untermalt werden mit dem grauenvollsten Lied, das jemals geschrieben wurde, "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen. Die Leuten würden sich hoffentlich daran erinnern, wie leidenschaftlich ich diesen Song gehasst habe. Mit etwas Glück könnte das die Stimmung kippen.

Tori, 25

Ich weiß noch nicht, wie ich es meinen Zurückverblieben verklickern werde, aber auf meiner Beerdigung soll jeder einzelne Mensch weiß tragen—eigentlich soll alles genau so aussehen wie im "Bitch Don't Kill My Vibe"-Video von Kendrick Lamar. Damit würde ich 1. posthum kompensieren, dass ich zu Lebzeiten niemals auf einer Fête Blanche am Wörthersee war und mich 2. bei allen rächen, die mich wegen der weißen Hose verarscht haben, die ich letztens bei Weekday gekauft hab.

Grundsätzlich will ich deprimierende Stimmung auf meiner Beerdigung vermeiden, wo es nur geht—es ist schon schlimm genug, dass ich offensichtlich gerade erst verreckt bin. Wenn ich mir einen Zeremonienmeister für meine Trauerfeier aussuchen könnte, dann wäre es wahrscheinlich Chance The Rapper—ich würde ihm die Instruktion geben, beim musikalischen Teil alles genau so zu machen wie bei seinem SNL-Auftritt letztens. Am Ende des Leichenschmauses sollen die alten Gäste zu "September" von Earth Wind & Fire und die jungen zu "Bad and Boujee" von den Migos auf den Tischen tanzen.

Hanna, 26


Ich weiß quasi immer schon, wie mein Begräbnis aussehen soll. Ich möchte in einem Wald begraben werden, ob verbrannt oder nicht ist mir egal. Über mir soll ein Baum gepflanzt werden—welcher, das dürfen sich dann die aussuchen, die ihn pflanzen. Beim Begräbnis selbst soll "If you want to sing out" von Cat Stevens laufen. Am Ende soll jeder mindestens einen bunten Luftballon fliegen lassen.

Danach muss jeder viel Alkohol trinken, aber nicht auf die traurige Art, sondern auf die lustige. Vielleicht müssen alle ein Trinkspiel spielen. Wenn ich nicht ganz plötzlich sterbe, werde ich meinen Verwandten noch ganz nebenbei ein: "Ich habs doch eh immer gewusst ..." zuhauchen, damit sie beim Begräbnis was zu besprechen haben. Wenn der Baum groß genug ist, soll eine Tafel daran montiert werden mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz. Früher wollte ich eines, das ein wenig theatralisch war, heute wünsche ich mir eins, das jeden nur verwirrt. Zum Beispiel das:

Lieber Gott, ich liege
Im Bett. Ich weiß, ich wiege
Seit gestern fünfunddreißig Pfund.
Halte Pa und Ma gesund.

Ich bin ein armes Zwiebelchen,
Nimm mir das nicht übelchen.

Aber beim Gedicht überlege ich noch.

Verena, 24

Kennt ihr dieses Video von einer irischen Beerdigung, die damit endet, dass der beste Freund des Verstorbenen oben ohne auf einer Theke in einer vollen Bar steht, gemeinsam mit der Trauergemeinde aus tiefstem Herzen "Mr. Brightside" singt und schließlich auch noch einen Stagedive hinlegt? Diese Szenen sind so voller Liebe und so weit weg von einer klassischen Beerdigung voller Traurigkeit und gesenkter Blicke. Diese Menschen feiern, dass es den Verstorbenen überhaupt jemals gab. So stelle ich mir die Beerdigung vor—oder zumindest die Feier danach.

Nachdem meine Freunde und Familienmitglieder meine Asche ohne großes Tamtam begraben haben, am liebsten auf einem Friedhof in der Nähe eines Waldes, sollen sie feiern—auf meine Kosten. Sie sollen eine Compilation aus allen Hits meines Lebens erstellen und sich lustige Geschichten erzählen, die wir gemeinsam erlebt haben. Und meine beste Freundin soll ein letztes Lied für mich singen.

Sabrina, 27


Ich habe nur eine grobe Vorstellung davon, wie mein Begräbnis aussehen soll. Immer wenn ich daran denke, wer denn kommen und wie es ablaufen würde, kommen mir die Tränen. Meistens denke ich darüber nach, wenn ich Auto fahre. Was würde passieren, wenn ich jetzt einen Unfall hätte und sterbe? Vielleicht wäre es besser, mich beim Autofahren zu konzentrieren. Was ich aber sagen kann ist, dass ich mit Sicherheit nicht verbrannt werden möchte. Ich habe extreme Angst vor Feuer und die Vorstellung, dass mein Körper vollständig unter Flammen steht, macht mich panisch.

Ich könnte mir vorstellen, ganz klassisch am Friedhof im Familiengrab beerdigt zu werden—in einem schwarzen Sarg mit weißen Blumen darauf und in dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Die Gäste müssten nicht unbedingt schwarz angezogen sein und könnten beispielsweise Kleidung tragen, die sie anhatten, als sie mit mir etwas Schönes erlebt haben. Jeder von ihnen kann noch Briefe in das Grab werfen und Dinge daneben legen, die sie mit mir verbinden. Es wäre schön, wenn jemand über mich ein paar Worte sagen könnte, der mich geliebt hat.

Anna, 25

Foto via YouTube

Ich mag keine Friedhöfe. Ich geh ungern hin und wenn doch, dann fühle ich mich unwohl. Ich brauche keinen Grabstein, um mich an Verstorbene zu erinnern. Auch der Gedanke, dass mein Mann und meine drei Kinder (so stell ich mir das zumindest mal vor), nach meinem Tod noch eine Sache mehr haben, um die sie sich kümmern müssen, gefällt mir nicht.

Deswegen steht für mich schon lange fest, dass ich verbrannt werden will und meine Asche entlang des Mieswegs beim Traunsee, dem tiefsten See Österreichs, ausgestreut werden soll. Der Miesweg gehört zu den Lieblingsplätzen meiner Familie und ist zu jeder Jahreszeit wunderschön. Bei meiner Beerdigung soll getrunken, gut gegessen und gelacht werden—ein Picknick am See stelle ich mir schön vor. Mein Papa will sich auch dort bestatten lassen—vielleicht entsteht daraus ja eine Familientradition.

Benji, 26

Foto: bazzadarambler | Flickr | CC BY 2.0

Wenn ich morgen sterbe, möchte ich so gehen: Verbrennt mich und verstreut meine Asche als Dünger auf irgendeinem Maisfeld. Macht keine große Sache daraus und stellt mir kein Kreuz auf. Meine Eltern hätten es wahrscheinlich gern anders, aber wenn ich schon nicht mehr da bin, möchte ich auch wirklich vollständig gegangen sein und nichts hinterlassen. Der Gedanke, dass ich schnell vergessen werde, beruhigt mich.

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