Sex

Wir haben Vibratoren zwischen 1 und 400 Euro getestet

Man sagt ja: je teurer der Vibrator, desto intensiver der Orgasmus. Aber stimmt das auch wirklich? Ein Selbstversuch.

von Gwen Poonani
12 Dezember 2016, 12:17pm

Die Welt will, dass wir ständig upgraden und immer nur das Beste vom Besten besitzen—in anderen Worten: Geld ausgeben. Ist es jedoch wirklich nötig, stur unsere hart verdiente Kohle aus dem Fenster zu werfen? Können wir uns stattdessen nicht einfach wieder auf die alten Tage besinnen—Zeiten, in denen ein Handy noch ein Handy, ein Auto noch ein Auto und ein günstiger Vibrator noch ein Vibrator war?

Im Grunde ist das möglich, aber dafür darf das günstige Zeug nicht irgendwelcher beschissener Ramsch sein. Es ist sinnlos, sich einem Leben mit Durchschnittsmarken zu verschreiben, wenn man dadurch in ein unteres Mittelmaß abrutscht, in dem nichts funktioniert und in dem man sein Geld auch direkt die Toilette runterspülen könnte.

Also entschloss ich mich dazu, herauszufinden, ob ein hoher Preis tatsächlich auch für hohe Qualität steht—und zwar im Bereich der Vibratoren. Während ich mich im Billigwarenladen um die Ecke nach dem günstigen Spektrum meiner Testobjekte umsah, nutze VICE die Macht der Presse, um an verschiedene vibrierende Sexspielzeuge zwischen 30 und 400 Euro zu kommen.

Hier seht ihr die Ausbeute, die zusammen mehr Geld wert ist, als ich jemals auf meinem Konto hatte:

An meiner Stelle hättet ihr die Verpackungen wahrscheinlich aufgerissen und alle Vibratoren in einem Rutsch an einem batteriegetriebenen Abend ausprobiert. Zum einen bin ich aber kein gieriges Tier und zum anderen wollte ich für dieses unvoreingenomme Experiment bei jedem Testobjekt maximal horny und empfindlich sein. Anders gesagt: nur ein Vibrator täglich.

Und so machte ich mich ans Werk.

"Vibrating Bullet", aus dem Billigladen, ca. 1 Euro

Ich hätte niemals gedacht, dass ich irgendwann mal etwas über einen Vibrator aus dem Billigladen um die Ecke schreiben würde, aber 2016 ist wohl tatsächlich das Jahr, das einen immer wieder ins Gesicht schlägt. Durch diese komische silberne Verpackung erinnerte das Ganze an die Überraschung aus einem Ü-Ei—und fühlte sich auch so an.

Der Vibrator ist das Billigste, was ich jemals in die Nähe meiner Vagina gebracht habe. Und wie sich herausstellen sollte, hat er dort auch nichts verloren.


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Ich hatte ständig das Gefühl, dass der Vibrator gleich auseinanderfällt, und die Batterie klapperte so laut, dass ich das Teil gegen die Wand pfeffern wollte. Wenn du es schaffst, mit diesem Ding auch nur im Entferntesten erregt zu werden, dann kann ich dich nur beglückwünschen. Ein Plus hat die Vibrating Bullet jedoch schon: Falls du für das Weihnachtswichteln auf der Arbeit jahrelang aussorgen willst, dann ist der 30er-Vorteilspack wie geschaffen für dich.

Bewertung: -1 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 0 von 5

"WATERPROOF RABBIT VIBRATOR", 20 Euro

Die Rabbit-Vibratoren verursachen schon ein bisschen Fremdscham. Sexspielzeug für Frauen ist mit der Zeit immer schlanker und schnittiger geworden und erinnert zum Glück nicht mehr wirklich an einen Penis. Rabbits werden aber auch weiterhin die "spaßige" Tante bleiben, die dir ein G-String-Set zum Geburtstag schenkt und deren Popkultur-Referenzen bei Sex and the City anfangen und auch wieder aufhören.

Ich habe meinen Rabbit weggeworfen, als ich keine Teenagerin mehr war. Deshalb hatte ich auch schon fast vergessen, wie sich der Vibrator überhaupt anfühlt. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der erneute Gebrauch wohl mit das Schönste war, was mir in meinem Leben jemals passiert ist. Bei der Vielzahl an Funktionen bist du die Herrin deiner eigenen Lust. Der Rabbit fühlt sich fast so an, als würden da unten drei Typen gleichzeitig ans Werk gehen. Der einzige Nachteil sind die erforderlichen Batterien, aber die nimmst du einfach von der Arbeit mit. Und die 20 Euro, die du für den Rabbit hinblättern musst, hast du auch direkt wieder drin, wenn du einen Abend mal nicht feiern gehst. Absolute Kaufempfehlung!

Bewertung: 5 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 5 von 5

"LOVE BULLET SILVER LIPSTICK VIBRATOR", 34 Euro

Es klingt vielleicht übertrieben, wenn ich sage, dass sich der Love Bullet Silver Lipstick Vibrator wie eine Bohrmaschine anfühlt, aber ich frage mich wirklich, wie die Entwickler es geschafft haben, eine Bohrmaschine in dieses kleine Gehäuse zu pressen. Wenn du dieses Sexspielzeug an einem anderen Menschen ausprobierst, solltest du auf jeden Fall vorher eine Risikoversicherung abschließen.

Dieser Bullet-Vibrator hat mehr Stufen als andere Vertreter, aber im Grunde sind diese Stufen alle gleich: absurd intensiv. Ich fand das Ganze etwas unangenehm und gleichzeitig ziemlich gut—wie gemacht für eine zweite Runde, wenn du eigentlich schon fertig bist, aber aus purem Hass auf dich selbst und die Welt trotzdem noch weitermachen willst. Für alle Menschen, die jegliches Empfindungsgefühl verlieren wollen, könnte sich das Gerät ebenfalls sehr gut eignen. Ach ja, das Ladegerät ist auch ganz nett.

Bewertung: 3 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 4 von 5

"MOTÖRHEAD LEISTUNGSSTARKER VIBRATOR MIT 7 FUNKTIONEN", 40 Euro

Die Motörhead-Vibratoren-Reihe wurde drei Monate vor Lemmys Tod veröffentlicht. Dieser Test fühlte sich deswegen auch wie eine passende Ehrung der Rock'n'Roll-Legende an.

Zuerst las ich mir jedoch einige Reviews durch, die alle sehr positiv ausfielen: "Schneller als ich 'Ace of Spades' sagen konnte, war meine Frau auch schon im Bett. Sie hatte den Vibrator mit einem auf Wasser basierendem Gleitgel überzogen und führte ihn sich nun geschmeidig in ihre Vagina ein. Sie war bereit, sich diesem geilen Teil komplett hinzugeben", hieß es in einem alarmierenden, aber auch vielversprechenden Eintrag.

Leider war mein Erlebnis dann nicht ganz so überzeugend, sondern eher durchschnittlich. Der Vibrator merkt sich aber zumindest, welche Einstellung du bei der letzten Benutzung hattest—falls du das Teil schnell unter deine Bettdecke packen musst, wenn dein Mitbewohner an deiner hellhörigen Tür vorbeiläuft.

Bewertung: 3 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 3,5 von 5

"SIRI 2", 149 Euro

Ja, die Ähnlichkeit zu Apple-Produkten ist nicht von der Hand zu weisen, aber dieses Spielzeug stammt nicht aus der Schmiede des weißen Riesen. Dennoch ist es sehr benutzerfreundlich, aber leider so klein, dass es mir in Kombination mit Gleitgel immer wieder aus der Hand rutschte.

Ich hatte mir vor der Benutzung natürlich nicht die Gebrauchsanweisung angeschaut und war deshalb total überrascht, als der Siri 2 im Takt der angeschalteten Musik vibrierte. Ich drehte die Musik leiser und machte stattdessen selbst komische Geräusche, um zu sehen, was passiert. Und tatsächlich: Wie ein sexuelles Echo pulsierte das Gerät im Takt meiner Stimme. Ich weiß allerdings nicht, wie nützlich diese Funktion jetzt wirklich ist.

Der Preis scheint für einen so kleinen Vibrator außerdem etwas hoch—vor allem in Anbetracht dessen, dass es für quasi die gleiche Summe ein hübsches Geschenkset mit einem anderen Gerät gibt.

Bewertung: 3,5 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 3 von 5

"SMART VIBRATING BODY WAND LARGE", 191 Euro

Ich muss hier direkt erwähnen, dass dieser Vibrator richtig groß ist—ähnlich wie ein Polizeischlagstock. Ich würde ihn bei einer Reise vorsichtshalber auch in meinen Koffer packen, um beim Security-Check am Flughafen nicht rausgezogen zu werden. Außerdem ist das Gewicht für schwächere Frauen wie mich ein Problem: In Kombination mit der starken Vibration war meine Hand nach kurzer Zeit nämlich komplett taub.

Kommen wir zu den positiven Seiten: Lifehacker hätten mit diesem Teil wahrlich ihre Freude, denn man kann es vielfältig einsetzen—egal ob nun zur Rückenmassage, zur Selbstbefriedigung, zum Umrühren, zum Cosplay oder was auch immer. Der Vibrator ist somit etwas, das man eigentlich gar nicht braucht, aber trotzdem besitzen sollte. Nur für den Fall. Ich habe es dann auch etwas übertrieben und verpasste meinem Bein eine etwas komische Massage, bis es ebenfalls einschlief.

Wenn man fester zudrückt, wird die Vibration intensiver. Somit ist der LELO Smart Vibrating Body Wand klüger als die meisten Männer und der Preis wirkt irgendwie gerechtfertigt.

Bewertung: 4 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 5 von 5

"TIANI 24K", 399 Euro

Ja, richtig gelesen: 399 Euro.

Bei diesem Vibrator handelt es sich um das teuerste Gerät, das ich jemals in mich reingesteckt habe. Das Spielzeug ist für Pärchen gedacht und das erklärt—neben der Goldbeschichtung—wohl auch den Preis. Bevor du dich jetzt aber fragst, wer im Falle einer Trennung das Sorgerecht bekommt, dann kann ich dich beruhigen: Falls die Beziehung wirklich in die Brüche gehen sollte, dann ist es möglich, den Vibrator umzutauschen.

Das Spielzeug ist an sich recht klein und du führst einen der vibrierenden "Arme" in dich ein. So wirst du gleich doppelt stimuliert. Anfangs wirst du jedoch ein bisschen herumprobieren müssen, bis du den Dreh raushast. Ich empfehle außerdem, die Sache langsam anzugehen. Dein Partner bzw. deine Partnerin kann das Ding derweilen nach deinen Wünschen fernsteuern.

Während ich mir darüber Gedanken machte, welcher Promi wohl den Tiani 24K benutzt, wurde mir eine Sache klar: Mich machte hier vor allem der Umstand geil, dass meine Muschi mit 24-Karat-Gold in Berührung kam. Aber genau darum geht es doch auch. Luxus fühlt sich einfach anders an. Der Vorstellung, dass das alles hochwertig und besser ist, versüßt die Erfahrung immens. Und für dieses Gefühl bezahlt man halt ein bisschen mehr. Im Vergleich zum Rabbit zieht dieser Vibrator aber trotzdem den Kürzeren.

Bewertung: 4,5 von 5
Preis-Leistungs-Verhältnis: 3,5 von 5

Mein Fazit lautet: Zwar sind die meisten günstigen Vibratoren tatsächlich ziemlicher Müll, aber du musst im Sexshop dennoch kein Vermögen ausgeben, um ein befriedigendes Produkt in den Händen zu halten. Dank des Rabbits, den es zum Teil schon für 20 Euro gibt, brauche ich eigentlich keine Männer mehr. Und mir wurde bei diesem Experiment auch wieder eine Tatsache bestätigt: Mit einem Euro kann man 2016 nichts Ordentliches mehr kaufen.

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