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Kunst

Diese interaktive Installation zeigt dir jedes einzelne Selfie auf Instagram

OnDisplay ist ein Spiegel unserer narzisstischen, vom Teilen besessenen Online-Kultur, die die Kontrolle über das eigene Bild schon lange abgegeben hat.
09 Juni 2015, 9:53am
Bilder mit freundlicher Genehmigung

Während die Atomkriegsuhr mittlerweile drei Minuten vor Mitternacht steht, scheint ein anderes Messgerät für das Wohlbefinden unserer Gesellschaft noch immer einen ungebrochenen Aufschwung zu verzeichnen: Die Selfie-Uhr. Dieser digitale Zähler, den Designerin Suwanna Ruayrinsaowarot im Rahmen ihrer Abschlussarbeit am California College of the Arts entworfen hat, visualisiert in Echtzeit alle Instagram-Fotos mit dem Tag #selfie.

Um Zugriff auf die Selfie-Uhr zu bekommen, musst du zuerst ein Selfie von dir machen und es dann dem unendlichen Strom an Selbstporträts auf Instagram zufügen, der zum Zeitpunkt dieses Artikels bei knapp 282.000.000 liegt. Suwannas Selfie-Uhr ist das zentrale Kunstwerk einer größeren Ausstellung namens OnDisplay, in der Computerstationen zu sehen sind, die es den Leuten ermöglicht, Selfies auf noch effizientere Weise hochzuladen und sie anschließend auf einer gigantischen Leinwand zu sehen.

OnDisplay.media from Suwanna Ruayrinsaowarot on Vimeo.

Wie bei anderen Instagram-Crowdsourcing-Projekten, wie zum Beispiel Michelle Chandras Chasing Double Rainbows und All Our Yesterdays, kannst du auch bei OnDisplay auf jedes Selfie klicken, um zum Account des jeweiligen Users zu gelangen und kommentieren oder liken. Klickt auf „See yourself“, um individuelle Selfies in kleinen Fenstern aufpoppen zu lassen und eure Augen mit jeder Menge narzisstischen Selbstporträts fluten zu lassen—gipfelnd in eurer eigenen, hastig geknipsten Visage (am besten läuft die Website mit Google Chrome–ihr müsst außerdem Zugriff auf eure Webcam erlauben).

„OnDisplay beschäftigt sich mit unserer Obsession, Dinge zu teilen“ erklärt Suwanna Ruayrinsaowarot gegenüber The Creators Project. „Technologie hat es uns leichter denn je gemacht, Bilder zu teilen. Informationen werden so schnell geteilt, dass es immer schwerer wird, die Privatsphäre zu schützen. Unser Wunsch, beliebt zu sein, verleitet uns dazu, in öffentlichen Foren zu posten. Der Aufstieg des Selfies in unserer heutigen Welt ist ein perfektes Beispiel für diese unglaublich narzisstische Kultur, in der viele die Kontrolle über ihre eigenen Bilder abgegeben, wenn sie sich selbst posten.“

>> Besucht Suwanna Ruayrinsaowarots Website