In diesem Restaurant gibt es den „My Little Pony Burger“ – aus echten Ponys
Pferdefleisch

In diesem Restaurant gibt es den „My Little Pony Burger“ – aus echten Ponys

Der Albtraum eines jeden Pferdemädchens, aber ein niederländisches Projekt kämpft damit gegen Verschwendung.
12.12.16

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Niederländisch bei MUNCHIES NL.

Mein Vater war früher Koch und hatte ein eigenes veganes Restaurant in Breda [einer kleinen Stadt in den Niederlanden]. Früher arbeitete dort ein junges Mädchen in der Küche, Babbe Hengeveld. Aus dem Mädchen ist mittlerweile eine junge Frau und progressive Köchin geworden, mit einem eigenen Restaurant namens Foodguerilla. Ich habe sie zusammen mit meinem Vater im STEK besucht, einem kreativen Hotspot für umweltbewusste Menschen, radikale Ex-Hausbesetzer oder Hippies, um einen „My Little Pony"-Burger zu essen. Dieser Burger wird aus ausgedienten Ponys aus dem Freizeitpark Slagharen gemacht.

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Babbe Hengeveld. Foto von Kas van Vliet

Wenn du Pferde liebst, stellen sich bei dir wahrscheinlich gerade die Nackenhaare zu Berge, allerdings ist das eigentlich das Logischste, was man mit diesem Fleisch machen kann. Pferdefleisch ist lecker und gesund—und es ist eigentlich eine schreckliche Sünde, das Fleisch einfach wegzuwerfen.

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Die Burger werden von Keuken van het Ongewenst Dier (etwa: Küche der unerwünschten Tiere) geliefert. Das Künstlerduo hinter diesem Projekt meint, dass Menschen Tiere wie Wegwerfartikel benutzen, so auch die Ponys in Slagharen. Wenn die Tiere zu alt sind, sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Sie sind dem Schlachthaus geweiht, weil sie nicht mehr den ganzen Tag mit Kindern auf dem Rücken umherlaufen können. Keuken van het Ongewenst Dier sorgt dafür, dass das Fleisch zu einem Pferdefleischer kommt, der aus dem Fleisch großartige Burger macht.

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Foto von Kas van Vliet

Burger aus altem Pferdefleisch? Wenn dir das Wort „alt" aufstößt, das kannst du auch ignorieren. Mein Vater meint, Burger werden oft aus älteren Tieren gemacht, weil sich ihr Fleisch dafür gut eignet. Keuken van het Ongewenst Dier stellt sicher, dass das Fleisch von einer Firma kommt, die keine Angst davor hat, engagiert gegen Verschwendung anzukämpfen.

Als der Burger serviert wird, ertappe ich mich dabei, wie mir von der Vorstellung, altes Pferdefleisch zu essen, ein bisschen übel wird. Ich bin eigentlich kein großer Fleischesser, aber dieser Burger ist verdammt gut, meine ich zu ihnen—und bin damit auch ein wenig von mir selbst überrascht.

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Foto von der Autorin

„Du hast früher oft Pferdefleisch gegessen", meint mein Vater. „Du wusstest es nur nicht, weil du nie danach gefragt hast." „Danke Papa!" Als ich ihn frage, warum er mir kleine Ponys zu essen gegeben hat, ohne es mir zu sagen, sagt er: „Ich mag Pferdefleisch mehr als Rindfleisch. Es hat mehr Geschmack, einen wilderen Geschmack."

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Babbe Hengeveld ist eine junge Mutter mit lebendigen Augen. Ich fühle mich bei ihr sofort wohl, aber sie hat, glaube ich, auch eine strengere Seite. Die Stadt Breda hatte sie gebeten, im STEK etwas auf die Beine zu stellen. Sie erzählt mir, dass sie generell Burger aus Pferdefleisch unterstützt, sie sich aber nicht sicher ist, ob sie die auf der Karte behält. „Die verkaufen sich nicht so gut, die Leute fühlen sich bei der Vorstellung, Pferdefleisch zu essen, schlecht", meint sie. „Manchmal muss ich das Fleisch wegschmeißen. Damit die Gäste es verstehen, muss man ihnen klarmachen, was es mit den ungewollten Ponys und dem Pferdefleisch auf sich hat. Wenn ich in der Küche stehe, habe ich nicht immer Zeit dafür."

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Foto von Kas van Vliet

Die Karte ändert sich ständig, da das Restaurant mit Essen kocht, das normalerweise weggeworfen werden würde. Die Tagesgerichte hängen also davon ab, was sie geliefert bekommen. Babbe selbst ist kein „Pferdemädchen", daher ist es ihr egal, ob sie einen Burger aus Pferd oder Rind macht. Sie meint, wir können jedes Tier essen, solang wir es nicht als Haustier betrachten. Mein Blick geht zu dem Hund, der das Restaurant bewacht, und ich frage sie: „Würdest du deinen Hund essen?" Sie guckt mich amüsiert an: „Nein, mein Hund ist für mich ein Teil meiner Familie, so wie das Pferd es auch für die Pferdemädchen ist." Sie meint weiter: „Aber auch Hunde kann man essen, ja." „Also würdest du Hunde aus einem Heim essen, die sowieso getötet werden würden?", frage ich sie. „Ja, genau."

Babbe Hengeveld erzählt mir, dass sie sich schon immer dafür eingesetzt hat, weniger Abfall zu produzieren. Ihrer Meinung nach hat sich in den letzten paar Jahren etwas verändert: Sogar große Firmen interessieren sich für ihre Methode. „Allerdings nicht aus guten Gründen", meint sie lachend. „Für Unternehmen geht es nur darum, ihr Image zu verbessern." Doch das stört sie nicht allzu sehr. „Wenn man das Ziel erreicht, ist der eigentliche Grund nicht mehr so wichtig."

Für eine Idealistin finde ich sie erfrischend realistisch. Und obwohl ich ein wenig heuchlerisch sein mag, muss ich gestehen, dass mir der Pferdefleisch-Burger wirklich geschmeckt hat.