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Frankreich

Die „Weinterroristen“ von Frankreich

Die militante Winzerbewegung CRAV hat zuletzt eine ganze Stadt mit Rotwein geflutet.
8.8.16
Foto von lance robotson via Flickr

Stell dir vor, du wachst eines Morgens in einem kleinen verschlafenen Städtchen im Süden Frankreichs auf. Von draußen hörst du das Rauschen eines Flusses und durch das Fenster wabert der zarte Geruch nach Grenache. Du schaust aus dem Fenster heraus auf die Avenue du Maréchal Juin und siehst, wie die Straße in Rotwein versinkt. Das muss ein Traum sein.

Aber es ist kein Traum, sondern ein Albtraum, zumindest der eines örtlichen Weinhändlers. Denn diese unglaublich französische Szenerie hat sich wirklich in dem kleinen Hafenstädtchen Sète Anfang der Woche abgespielt: Fünf riesige Weintanks der Firma Biron wurden sabotiert und entluden ihren Inhalt auf die Straßen der Stadt.

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ARTIKEL: Zerstören Frankreichs Winzer gegenseitig ihre Weinberge?

Wie viel Wein braucht man, um das Zentrum einer Kleinstadt zu fluten? Berichten zufolge reichten für die Straßen in Sète 20.000 bis 50.000 Liter. Die eigentliche Frage ist doch aber: Wer würde so etwas überhaupt mit Wein tun? Die Antwort ist schockierend: französische Winzer selbst.

? Vin déversé à #Sète : le CRAV revendique le sabotage des cuves https://t.co/bP6QKnFdYo pic.twitter.com/TIqUQwcqbv

— Midi Libre (@Midilibre) August 3, 2016

Ein paar Stunden später berichtete France 3, dass die Vereinigung CRAV, eine Gruppe militanter Winzer (oder „Terroristen", je nachdem wen man fragt), die auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, dahintersteckt. Von Anfang an verdächtigte man die CRAV, die sich am Ende zur Tat bekannt hat. „Unsere Stimme wird nicht gehört", so ein Vertreter der Vereinigung mit verzerrter Stimme und unkenntlich gemachtem Gesicht in einem Video des Fernsehsenders. „Wir haben versucht, unsere Gewerkschaften und Verbände einzuschalten, aber das trägt ja keine Früchte."

In der Vergangenheit hat die CRAV im Languedoc-Roussillion die Büroräume eines der größten Weinhersteller Frankreichs verwüstet und angezündet, Pläne geschmiedet, die Tour de France zu sabotieren, und an der französisch-spanischen Grenze mehrere Lastwagen mit Wein aus Spanien, dessen Authentizität sie anzweifeln, entleert. Die in Rotwein schwimmenden Straßen von Sète waren jedoch der bisher kühnste Versucht, um auf die Misere der französischen Winzer aufmerksam zu machen. Aber warum müssen sie dafür so viel Rotwein verschwenden?