Eine Hommage an Dylan Rieder—von einem Skater, der ihn nicht kannte, aber liebte

Es war unmöglich, Rieder skaten zu sehen, ohne dabei selbst aufs Brett steigen zu wollen. Rieder hat das Unmögliche möglich gemacht—und es dabei einfach aussehen lassen. Wie in seinem „Dylan."-Video.

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19 Oktober 2016, 12:21pm

Screengrab via Gravis Footwear on Vimeo

Es gibt keine größere Ehre für einen Skater, als zu hören, dass er in dir den Wunsch geweckt hat, selbst aufs Brett zu steigen. Einer, der uns inspiriert, auch nach dem x-ten Sturz wieder aufzustehen und weiterzumachen. Einer, an dessen Bewegungen wir denken, wenn wir losrollen. Einer, dessen Tricks wir schon tausendmal in Internet-Videos bestaunt und immerzu im Hinterkopf haben—in der Hoffnung, sie eines Tages auch mal so smooth hinzubekommen. Mein Mann für all diese Fälle war—und ist (!)—Dylan Rieder.

War deswegen, weil Rieder letzte Woche an Leukämie gestorben ist, mit gerade einmal 28 Jahren. Ich habe ihn nie getroffen, darum kann ich nicht sagen, was uns da für ein Mensch verlassen hat. Ich kann aber mit Fug und Recht behaupten zu wissen, was für ein Skater von uns gegangen ist. Der übrigens auch Model und Fashion-Ikone war, seinen Auftritten in der Vogue und den berühmten minimalistischen „Huf"-Schuhen sei Dank. Der Typ war ein Gesamtkunstwerk, ein Gesamtkunstwerk mit schwarzen Röhrenjeans, Lederjacke und weißem Shirt. Auch heute noch mein Lieblingsoutfit.

Doch zurück zum Skater Rieder. Seine Qualitäten in drei Worten ausgedrückt: Style, Eleganz und Authority.

Oh Gott, wie Dylan Rieder skaten konnte—und das aus dem Munde eines passionierten—wenn auch nicht halb so talentierten—Skaters. Rieder schaffte es, auch die kompliziertesten Moves und Tricks so elegant abzuspulen, als seien sie selbst für Anfänger zugänglich. Schwere Tricks mit Style und Eleganz, leichtere Moves mit maximaler Authority.

Das Video, das ihm in der Szene zum Durchbruch verholfen hat, war Time to Shine aus dem Jahr 2006. Doch berühmt wurde er vor allem für sein Dylan.-Video vier Jahre später. Falls ihr euch gefragt habt, wie ich bei Rieder von Kunst sprechen konnte, dann schaut euch einfach die folgenden rund acht Minuten an. Achtet darauf, wie er unmögliche Gaps meistert, wie er unmenschlich lange und hoch in der Luft steht, nur um dann so weich wie auf Butter zu landen.

Dylan. from Gravis Footwear on Vimeo.

Seht euch im Video seine ganzen Frontside Flips an; oder den Kickflip Shifty am Anfang; oder den Impossible über die Bank bei 2:28, den Impossible to 50/50 Grind bei 3:42, den Impossible to Tailgrab bei 04:28. Man könnte auch sagen: Rieder hat das Unmögliche möglich gemacht, und es dabei noch einfach aussehen lassen. Aus genau diesen Gründen haben viele Skater weltweit—und ich gehörte auch dazu—hemmungslos geweint, als die Nachricht über seinen Tod die Runde machte. Weil wir einen Menschen verloren haben, den wir zwar nicht kannten, aber den wir vermissen und nicht vergessen werden, weil er so skatete, wie er skatete.