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Darum muss die Formel 1 Max Verstappen fürchten

Verstappens Premierensieg kam durch glückliche Umstände zustande. Doch der 18-Jährige, der altgediente Fahrer disst und Räikkönen dominierte, hat das Zeug zum Seriensieger.
27.5.16
Photo by EPA

Vorletzten Sonntag war ein historischer Tag in der Formel 1. Bei seinem ersten Lauf in einem Top-3-Auto hat der gerade mal 18-jährige Max Verstappen gleich einen Sieg eingefahren—und das auch noch auf verdammt abgebrühte Art und Weise.

Wie kann man diesen Sieg beurteilen? Wie sehr sollte sich der Formel-1-Zirkus vor diesem Grünschnabel fürchten?

Eine erste Antwort darauf gibt schon die Art seiner Beförderung von Toro Rosso zu Red Bull. Denn die Tatsache, dass man mit Daniil Kvyat einen Fahrer degradiert hat, der nur zwei Rennen zuvor auf dem Podium gestanden hatte, sollte die Alarmglocken läuten lassen. Und trotz aller Gründe, die Red Bull für den Fahrertausch aufbot, am Ende klangen sie alle nach einer Ausrede für das Hauptargument: Wenn der Verstappen die ersten Siege einfährt, soll er gefälligst für uns fahren. Anders ausgedrückt: Wir ersetzen einen guten Fahrer mit einem potentiell hervorragenden.

Der große Coup bei seiner ersten großen Chance

Wer nicht gerade über hellseherische Fähigkeiten verfügt, hat diesen Sieg nicht kommen sehen können. Denn er hing von zwei Hauptfaktoren ab: Die unsägliche Mercedes-Benz-Implosion und das glückliche 50/50-Händchen bei der Reifenstrategie.

Ich würde wohl jetzt einen Beitrag über Verstappens erste sensationelle Podiumsplatzierung schreiben, wenn sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg nicht kurz vor Turn 4 in die Quere gekommen wären. Und vielleicht wäre er nicht mal unter den ersten Drei gelandet, wenn Teamkollege Daniel Ricciardo nicht in Runde 28 einen Boxenstopp eingelegt hätte, was eine Dreistoppstrategie zur Folge hatte.

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Doch das Mercedes-Duo kam sich nun mal in die Quere und die beste Reifenstrategie sollte am Ende nur zwei Stopps vorsehen. Die Sterne standen günstig und Jugend triumphierte über Erfahrung. Auch weil Räikkönen es nicht schaffte, seinen Teenager-Vordermann in einen Fahrfehler zu drängen.

Doch trotz der günstigen Bedingungen für den jungen Niederländer fühlte es sich nicht so an wie bei dem Sensationssieg von Pastor Maldonado vor vier Jahren beim Großen Preis von Spanien. Ein Teil von mir war nicht überrascht, als Verstappens Bolide als Erster die Ziellinie überquerte.

„Wie eine Fahrt auf Glatteis", sagte Max über seine letzten Runden auf den 32 Laps alten Mediumreifen. Trotzdem ist es ihm gelungen, den erfahrensten aller Fahrer im Feld hinter sich zu lassen.

Verstappen auf seinem Weg zum ersten Sieg. Foto: EPA

Sollte sich also die Formel 1 fürchten?

Ich sage ja. Der Junge ist extrem nervenstark. Zu wissen, dass man auf komplett runtergefahrenen Reifen rumeiert und im Nacken einen Ex-Weltmeister (2007) mit 20 Siegen und über 200 Starts hat, und trotzdem so cool den Sieg nach Hause zu fahren, ist einfach nur Weltklasse. Zudem ist Verstappen schon mit 18 ein Fahrer, der auf Teamorder schon mal schroff reagiert. Oder auch auf Kritik, wie nach seinem Crash in Monaco im letzten Jahr. Dort hatte Massa angedeutet, dass der kleine Max vielleicht doch noch zu jung für die Königsklasse sein könnte. Worauf dieser später konterte, Herr Massa solle sich lieber mal an seinen eigenen Fahrfehler beim Großen Preis von Kanada erinnern. An Selbstbewusstsein mangelt es Verstappen also auch nicht. Zudem schaffte er den Übergang von der Kartserie über die Formel 3 hin zur Formel 1—und dort von einem Mittelklasse- zu einem Spitzenteam—mit augenscheinlicher Leichtigkeit.

Vielleicht wird es die Formel 1 aber noch bereuen, ihrem größten Talent eine derartige Siegchance auf dem Silbertablett serviert zu haben. Wie viele Rennen wird er wohl gewonnen haben, bis er 21 wird? Das war nämlich das Alter des bisher jüngsten Siegers, Sebastian Vettel.

Ein 18 Jahre alter Grand-Prix-Sieger hat das Potential, die Formel 1 über Jahre hinweg zu dominieren. Droht eine Formel Langweilig? Das wäre wohl das Letzte, was die Formel 1 gebrauchen könnte.