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Gianni Infantino

Panama Papers: Infantinos Unterschrift für altbekannte Gangster

Der neue FIFA-Präsident soll vor Jahren zwielichtige TV-Deals unterzeichnet haben. UEFA und FIFA wollen davon nichts wissen—aber Infantinos Sprecher verstrickt sich in Widersprüche.
6.4.16

„Ich will eine neue Ära bei der FIFA einläuten, bei der der Fußball wieder ins Zentrum rückt",erklärte Gianni Infantino Ende Februar nachdem er zum Präsidenten des krisengeschüttelten Weltverbandes gewählt wurde. Aber daraus wird erst einmal nichts. Im Zuge der über 11,5 Millionen geleakten Dokumente der PanamaPapers tauchte auch sein Name auf.

Laut der weltweiten Recherchen von Medien wie dem Guardian, der Süddeutschen Zeitung oder dem NDR war Infantino in seiner Zeit als Chefjurist der UEFA in fragwürdige Deals von TV-Rechten verwickelt. So soll er Verträge zwischen dem europäischen Fußballverband und einer Briefkastenfirma in dem kleinen Steuerparadies Niue im Jahr 2006 unterzeichnet haben. Die auf der Südseeinsel ansässige „Cross Trading S.A." wurde darin berechtigt, die Übertragungsrechte der Champions League in Südamerika zu vermarkten. Cross Trading soll die TV-Rechte bis 2009 für das Land Ecuador laut Guardian für 111.000 US-Dollar deutlich unter dem Marktwert erworben haben. Anschließend verkauften sie diese für mehr als das Dreifache (311.170 US-Dollar) an den ecuadorianischen TV-Sender Teleamazones.

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Die Nutznießer der Geschäfte waren zwei altbekannte Akteure aus dem FIFA-Bestechungsskandal: Hugo Jinkis und sein Sohn Mariano. Die Cross Trading S.A. ist eine Tochtergesellschaft von „Full Play", einem Unternehmen im Besitz von Jinkis, und dürfte die beiden um mehrere Hunderttausend Dollar reicher gemacht haben. Für sie ist es nur ein weiteres aufgedecktes Kapitel ihrer Machenschaften. Das US-Justizministerium wirft beiden Bestechungen im großen Stil vor, womit sie von internationalen Fußball-Managern Übertragungsrechte günstig einkaufen und teuer weitervermarkten konnten. Vater und Sohn wurden zwischenzeitlich von Interpol gesucht und saßen in Untersuchungshaft. Mittlerweile stehen sie in Argentinien unter Hausarrest und warten auf ihren Prozess.

Gianni Infantino verkauft CL-Übertragungsrechte zu einem Spottpreis. Hat aber natürlich nichts mit Korruption zu tun. Der Mann ist raus.
— Trainer Baade (@trainerbaade) 6. April 2016

Sowohl die UEFA, als auch die FIFA wollen von zwielichtigen Machenschaften nichts wissen—doch Infantinos Sprecher verstrickt sich in Widersprüche. Laut NDR erklärte dieser auf Anfrage vor einigen Wochen, dass Infantino „mit keiner der unten genannten Personen oder Organisationen geschäftlich oder wissentlich anderweitig zu tun gehabt" habe. Die Panama Papers beweisen nun jedoch eindeutig, dass die Verträge von Hugo Jinkis und der UEFA-Rechtsabteilung unterschrieben wurden. Nun erklärte der Sprecher, dass er lediglich Informationen weitergegeben habe, die er von der UEFA erhalten habe.

Die UEFA bestätigte jetzt ebenfalls nach mehreren Nachfragen, dass die Deals teilweise unter Beteiligung von Infantino abgeschlossen worden seien, es aber bei der Vergabe keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. „Es war nie etwas merkwürdig mit Verträgen, die wir unterschrieben haben und gegen uns wurde auch nie wegen Fehlverhaltens irgendeiner Art ermittelt." Infantino selbst weist in einer Pressemitteilung der FIFA auch alles von sich: „Es gibt keinerlei Anzeichen für irgendein Fehlverhalten der Uefa oder mir in dieser Angelegenheit."

Der europäische Fußballverband behauptet, dass sie zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die gewusst hätten, dass Jinkis fast ein Jahrzehnt später angeklagt wäre. Doch die Frage, warum ein gewinnorientiertes Unternehmen wie die UEFA ihre TV-Rechte so weit unter Marktwert verkauft haben, konnten sie nicht beantworten. Es scheint so, als ob Infantinos Ära genau so beginnt, wie die von Vorgänger Sepp Blatter endete. To be continued…