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Tokios Speisekarten werden touristenfreundlicher

In Vorbereitung auf die Sommerolympiade 2020 hat die Stadt Tokio einen neuen Online-Service gelauncht, der Restaurants dabei helfen soll, ihre Speisekarten in bis zu 12 Fremdsprachen zu übersetzen, um Touristen an unbekanntere Spots zu locken.
23.2.15
Photo via Flickr user yakinik

Mangelhafte Sprachkenntnisse können eine Speisekarte ziemlich versauen. Das kann schon mal dazu führen, dass ein chinesisches Restaurant „Hirse-Pfeffer verliebte sich in kleinen Schwanz" im Angebot hat. Oder wären dir „gebratene Pickel" lieber?

Klingt nicht sehr verlockend, wenn man nicht gerade Fan von kleinen Schwänzen und Pickeln ist.

Aber nicht jedes Restaurant macht sich die Mühe, seine Speisekarte grammatikalisch korrekt (oder wenigstens fast) in eine Fremdsprache zu übersetzen. Die Regierung von Tokio hat es sich zum Ziel gemacht, das zu ändern.

In frühzeitiger Vorbereitung auf die Sommerolympiade 2020 hat die Verwaltungsbehörde in Tokio einen neuen Online-Service gelauncht, der Gastronomen dabei helfen soll, ihr Angebot in bis zu 12 Fremdsprachen zu übersetzen. Zum Service gehört auch eine Restaurant-Datenbank, die blauäugigen gaijin (a.k.a. westlichen Ausländern) helfen soll, Lokale zu entdecken, um zu vermeiden, dass sie sich ausschließlich von Essen aus Automaten ernähren müssen.

Seit 2009 existiert bereits ein ähnlicher Service, die neue Eat Tokyo-Website verfügt jedoch über eine größere Sprachauswahl. Zusätzlich zum bisherigen Angebot (Englisch, Koreanisch und vereinfachtes Chinesisch) sind die Übersetzungen jetzt auch in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Thailändisch, Indonesisch, Vietnamesisch, taiwanesisches Mandarin und Arabisch verfügbar. Laut der englischen Ausgabe der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun enthält das Online-Übersetzungsprogramm 6.000 kulinarische Termini sowohl aus der bekannten als auch aus der sehr regionalen japanischen Küche und anderen Küchen.

Die Restaurantbesitzer füttern die Website einfach mir ihren Speisekarten und das Programm spuckt eine Übersetzung für Speisen wie Tokyo udo („Tokioter Bergspargel") oder zarusoba („Soba-Nudeln serviert in einem korbartigen Behälter mit Sauce") aus. Anschließend können sie ihre Speisekarte in bis zu vier verschiedenen Sprachen gleichzeitig und in einem von vier Clip-Art-lastigen Designs ausdrucken.

Die Tokioter Regierung hofft, dass izakayas, Ramenlokale und andere kleine Restaurants abseits der typischen Touristenpfade von diesem Service profitieren werden, indem die mehrsprachigen Speisekarten hungrige ausländische Mäuler in einheimische Lokale mit regionalen Speisen locken. Seit dem Launch am 20. Januar war der Erfolg des Services jedoch eher mäßig. Asahi Shimbun weist darauf hin, dass sich bisher nur eine Handvoll Restaurants bei Eat Tokyo angemeldet haben, von denen sich fast alle um den Sitz der Tokioter Verwaltungsbehörde befinden. Vor wenigen Tagen standen noch genauso viele Restaurants mit westlichem Essen im Angebot wie Ramenlokale auf der Website.

Vielleicht liegt es an der Regierung, mehr Bewusstsein zu schaffen. Möglicherweise möchten aber auch manche Restaurantbesitzer vermeiden, dass das internationale Gesindel die Lieblingslokale der Einheimischen zu mehrsprachigen Star Wars-Wirtshäusern verwandelt. Andererseits: Wie sollen die Leute aus dem Abendland lernen, wie man richtig Sushi isst, oder etwas über die japanische Craft Beer-Szene lernen, wenn sie nicht wissen, wo sie hingehen sollen.