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Alkohol

Ist es Totschlag, jemandem 56 Shots zu servieren?

Der Besitzer einer Bar in Clermont-Ferrand in Frankreich steht vor Gericht, weil er einen Mann mit 56 Shots Alkohol getötet haben soll. War seine Ermutigung aber genug, um ihn wegen Totschlags zu verurteilen?
13.5.15
Foto von feastguru_kirti via Flickr

In einem Prozess, der sehr wahrscheinlich zu einem Präzedenzfall werden und in Frankreich für ein bisschen Aufruhr sorgen wird, steht der Besitzer einer Bar in Clermont-Ferrand in Frankreich vor Gericht, weil er eine Person mit 56 Shots umgebracht haben soll—was ein Shot mehr als der vorherige Barrekord von 55 war.

Diese Aktion ging ziemlich nach hinten los, als der mittlerweile verstorbene Renaud urplötzlich beschloss, den Barrekord zu brechen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 57-Jährige bereits 14 Kurze intus, was möglicherweise nicht gerade der beste Moment für schwerwiegende Lebensentscheidungen ist (z.B. sich von seiner Frau scheiden zu lassen, einen Kran zu fahren, weitere 42 Shots zu trinken).

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Nach Renauds teuer erkauftem Sieg wurde er laut The Local von seiner Tochter und seinen Freunden aus der Bar getragen. Kurz darauf erlitt er einen Herzstillstand und verstarb noch bevor er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Jetzt lautet die Anklage gegen den Barbesitzer „Totschlag durch absichtliche Vernachlässigung".

Der gesamte Fall beruht auf einem kurzen Moment, in dem der Barbesitzer scheinbar über die Theke gelehnt sein und Renaud „nur noch 12!" zugeflüstert haben soll. Die Anwälte der Tochter des Verstorbenen, die gegen den Barbesitzer aussagen will, sagen, er sei „zum Konsumieren angestiftet" worden.

Unweigerlich stellt sich die Frage, wie viel Verantwortung ein Barbesitzer—rechtlich und moralisch gesehen—trägt, wenn ein Kunde mehr trinkt, als vernünftig wäre? Während die französischen Behörden derzeit versuchen, eine Antwort darauf zu finden,, as their anti-binge drinking crusade barrels on.

Genau wie Deutschland hatte auch Frankreich, das traditionell ein Fanal der Mäßigung war, einige Probleme mit dem Komasaufen unter Jugendlichen. Als Reaktion darauf verfasste die Regierung ein umfassendes Gesetz, das manche vielleicht als übertrieben ansehen würden.

Verpackt als Maßnahme im Gesundheitsbereich genehmigte das französische Parlament den Gesetzesentwurf, der unter anderem vorsieht, dass jeder, der andere „zum Trinken bis zur Trunkenheit" ermutigt, mit bis zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von 15.000 Euro belangt wird. Ermutigung könnte eine riesige Grauzone sein, in der jeder—von deinem Freund, der dir nach einem gewonnen Beerpong-Spiel ein High five gibt bis zur der Dame, die gratis Jägermeister-Shots verteilt—zum Schuldigen werden könnte.

Es ist eine interessante Frage, die das französische Gericht klären muss. Sollte der Barbesitzer die Verantwortung übernehmen müssen, könnten dann nicht auch Renauds Freunde und Familie zumindest teilweise schuldig gesprochen werden? Immerhin kippte er innerhalb einer Minute 30 Shots hinunter. Das macht man wahrscheinlich nicht, wenn man nicht ein bisschen angefeuert wird.

Klar, diese Leute haben ihm zwar die Shots nicht verkauft, aber das schlimmste Verbrechen des Barbesitzers war, dass er dem Verstorbenen ermutigende Worte zuflüsterte. Reichen diese Worte tatsächlich aus, um jemanden wegen Totschlags zu verurteilen?