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Allergien

Eine allergische Reaktion auf Nusspartikel in der Luft ist reine Einbildung

Tim Spector, ein Professor der genetischen Epidemiologie am Kings College in London, sagt, das Risiko einer allergischen Reaktion durch Erdnusspartikel in der Luft sei nur Einbildung.
10.9.15
Photo via Flickr user Christian Schnettelker

Wie die Therapeutin jeder Helikoptermutter bestätigen wird, gibt es nichts, was Eltern verrückter macht, als eine wissenschaftliche Studie, die ihre Überzeugungen infrage stellen, an denen sie sich so gerne festklammern.

Stellt euch also einmal vor, wie die Reaktion der Eltern von Kindern wie der vierjährigen Fae Platten aussah, als sie erfuhren, dass Wissenschaftler der Meinung sind, so etwas wie eine durch die Luft übertragene allergische Reaktion auf Erdnüsse gebe es nicht.

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Fae befand sich kürzlich an Bord eines Ryanair-Flugs und musste von Sanitätern aus der Maschine geholt werden. Weshalb? Weil ein Fluggast sich weigerte, sich an die Warnung der Flugbegleiter zu halten, die die Passagiere baten, während der Dauer des Fluges keine Nüsse zu essen, weil sich ein Kind mit schwerer Nussallergie im Flugzeug befand. Ein Mann, der vier Reihen hinter dem Mädchen saß, packte trotzdem seine Nüsse aus und fing an, sie zu essen. Berichten zufolge soll Fae aufgehört haben zu atmen und konnte nur durch eine Spritze mit einem EpiPen gerettet werden, mit dem die Bordcrew das Mädchen behandelte. Passagiere wurden scheinbar drei Mal darauf hingewiesen, auf dem dreieinhalb Stunden langen Flug auf Nüsse zu verzichten. Menschen sind einfach super, oder?

Es gibt zahlreiche Leute, die bestätigen, dass allergische Reaktionen auf Nüsse aufgrund von Nusspartikeln in der Luft ausgelöst werden können.

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Jetzt behaupten Wissenschaftler jedoch, dass diese Reaktionen nichts als ein Mythos seien. Tim Spector, ein Professor der genetischen Epidemiologie am Kings College in Lonon sagt, das Risiko einer allergischen Reaktion von „Nussstaub" sei quasi nicht vorhanden. Alles was wir dazu zu sagen haben, ist, Viel Glück, Herr Spector, wenn Eltern von Kindern wie Fae Wind von Ihrer Einschätzung bekommen.

Spector sagt, an der Existenz von Nussallergien und deren immer weiteren Verbreitung—fast 10 Prozent aller Kinder leiden an einer Lebensmittelallergie und Nussallergien gehören zu den häufigsten—bestehe kein Zweifel, aber sie können nur durch direkten Kontakt ausgelöst werden. Laut Tim Spector, der Autor des Buchs The Diet Myth, haben er und seine Kollegen „viele Jahre daran gearbeitet, tausende von Kindern mit starken allergischen Reaktionen zu testen" und „noch nie von Nussstaub als Auslöser für diese ernsten Reaktionen gehört".

Das ist mal eine Ansage. Zumindest können wir uns darauf einigen, dass „Nussstaub" eines der großartigsten Wörter aller Zeiten ist.

Das wars aber noch nicht. Die Wissenschaftler sagen, dass Erdnusspartikel zwar Staub bilden können, aber dass Studien nicht gezeigt haben, dass diese Menge ausreicht, um eine allergische Reaktion hervorzurufen.

Was die Horrorgeschichte der kleinen Fae Platten anbelangt, sind sich Wissenschaftler einig, dass „der Vorfall, so wie er berichtet wurde, nicht passiert sein kann, egal wie stark die Klimaanlage oder der Glaube der Eltern war. Ihre Lippe oder Zunge muss mit etwas anderem in direkten Kontakt gekommen sein. Das Timing war unglücklich und der genaue Auslöser ist immer noch unbekannt."

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Tja, wir schreiben die Nachrichten nicht, Freunde. Wir berichten nur.

Die Wissenschaftler sagen, dass der eingeschränkte Konsum von Erdnüssen sogar zu mehr Problemen mit Allergien führen könnte, nicht weniger.

So lauten ihre Argumente: Sie glauben, dass ein Grund für den Anstieg der Lebensmittelallergien über die letzten Jahrzehnte—scheinbar waren Erdnussallergien vor den späten 1960er-Jahren quasi unbekannt—durch eine eingeschränkte Ernährung, besonders während der Schwangerschaft, ausgelöst werden kann. Laut Spector haben australische Forscher herausgefunden, dass die Ernährung einer Mutter während der Schwangerschaft bei ihrem Nachwuchs Allergien auslösen oder vorbeugen kann. „Je höher der Ballastoffgehalt der Nahrung und je vielseitiger die Ernährung, desto geringer ist die Rate von späteren Allergien", besagt die Studie. Eine vielseitige Ernährung—inklusive Nüsse—könne also Nussallergien vorbeugen, sagen Wissenschaftler.

Durch eine ausgewogene Ernährung mit Nüssen und vielen Ballaststoffen haben schwangere Frauen mehr Darmmikroben, die die entzündungshemmende Verbindung Acetat produzieren, die sich positiv auf das Immunsystem eines heranwachsenden Babys auswirkt.

Außerdem verweisen Wissenschaftler auf Beweise, dass der Verzehr von Nüssen in winzigen Mengen zur Heilung von Erdnussallergien beitragen könnte.

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Die Anti-Luftübertragungstheoretiker und ihre Anhänger haben Folgendes zu sagen: „Wir müssen alle den Konsum von ‚mikrobenfreundlichen' Lebensmitteln sowie verschiedenen ballaststoffreichen und fermentierten Lebensmitteln wie Nüsse und Samen erhöhen und weniger Angst haben, was Kinder essen."

Deshalb haben sie kein Problem damit, wenn Passagiere im Flugzeug Erdnüsse naschen. Das lässt sich aber auch leicht sagen, wenn es nicht sein eigenes Kind ist, das eine lebensbedrohliche Allergieattacke hatte. Die Debatte wird zweifelsohne weitergehen.